Zu Fuss

Ein Stück mehr

San Bernardo ist eine Preziose im Wald, eine Kirche aus Stein und Holz, die in Teilen aus dem 11. Jahrhundert stammt.

Von Thomas Widmer

Südlich von Bellinzona habe ich mir eben ein neues Stück Schweiz einverleibt. Man sieht da, wenn man mit dem Zug von Norden her kommt, rechterhand einen Steilwald und darüber Berge. Durch den Wald zieht sich die Schneise einer Seilbahn empor; diese Bahn nutzte ich am Ende zur Talfahrt, nachdem ich zuvor die gut tausend Höhenmeter nach Mornera, einem Alp-Idyll mit vielen Rustici, wandernd aufgestiegen war.

Gestartet war ich in Monte Carasso, der mit Bellinzona über den Ticino hinweg praktisch zusammengewachsenen Gemeinde — ein schwieriger Auftakt: Der Wanderwegweiser vor der Talstation der Mornerabahn und die Anschluss-Signalisation leiteten mich subtil irre. Die Probleme mit der Beschilderung im Detail zu schildern, würde leider den Rahmen dieser Kolumne sprengen, belassen wir es bei einer klärenden Bemerkung: Ein Strässlein windet sich von Monte Carasso aus bis vor unser Zwischenziel San Bernardo, es ist das einzige an dem Hang. Kommt man vom Fusspfad ab, so läuft man halt auf dem Strässlein weiter und wird recht bald eine neue Chance kriegen, den Wanderweg wieder zu erwischen.

Endlich San Bernardo: eine Preziose im Wald, eine Kirche aus Stein und Holz, die in Teilen aus dem 11. Jahrhundert stammt. Wunderschön der Innenraum: Wandmalereien zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Bernhard. Ein Ort ist das, so ehrwürdig, dass ich, wieder draussen, kaum mein Sandwich zu essen wagte.
Im zweiten Teil der Wanderung dann, während ich über Pientina nach Mornera hinauf strebte, hatte ich erneut Mühe, mich zu orientieren. Ein echter Tessiner Hang eben: Die Kastanienselve wurde jahrhundertelang von Bauern genutzt und belebt. Ihre Häuser sind zerfallen, doch die Schleichwege, über die sie einander und die Dörfer im Tal erreichten, sind weitgehend erhalten; wie sich dies historische Netz über die offiziellen Wanderwege legt – das irritiert.

Und doch ging letztlich alles gut. Oben in Mornera war ich stolz, eine neue Route exploriert zu haben. Ich genoss die Wirtschaft bei der Bahn-Bergstation. Und ich staunte dann bei der Talfahrt über die ungeheure Fläche an Wald, die ich zu Fuss durchmessen hatte.

Route: Monte Carasso–S. Bernardo–Mornera
Anreise: ab Bellinzona SBB Bus Richtung Locarno bis Monte Carasso/Orenno. Dieselbe Linie für retour
Höhendifferenz: 1050 Meter aufwärts
Mornera: Seilbahn-Grotto immer offen
Fahrplan, Preise für die Seilbahn auf www.mornera.ch

Karte: Wanderkarte als PDF

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