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Editorial

Holocaust-Seminar: Dokumente – Theater um das Erbe Rainer Werner Fassbinders – Eric Honegger, einer der meistbeachteten Angeklagten im Swissair-Prozess – Die «Weltwoche» präsentiert am 18.6. einen Abend mit «Superhero»-Autor Anthony McCarten

Von red

Obschon sie nach Kräften versuchte, den Tatbestand zu vernebeln, stimmt es: Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hat im Dezember dem Regime in Teheran offeriert, ein Seminar zu veranstalten über verschiedene Perzeptionen des Holocausts. Die iranische Regierung will den Staat Israel von der Landkarte streichen. Die Frage muss erlaubt sein, wie sinnvoll es ist, wenn eine Schweizer Spitzenpolitikerin mit einem Staat, dessen Präsident den Holocaust als Fiktion bezeichnet, in eine Diskussion über den Holocaust eintritt. Die Nachricht wurde von den Weltwoche-Redaktoren Urs Gehriger und Pierre Heumann recherchiert und letzte Woche veröffentlicht. Sie hat nicht nur in jüdischen Kreisen grosses Echo und Bestürzung hervorgerufen. Das Aussendepartement EDA stellte die Berichterstattung der Weltwoche in einem Brief sinngemäss und fälschlicherweise als Verbreitung von Unwahrheiten dar. Wir legen in dieser Ausgabe die Dokumente vor, die unsere Berichterstattung belegen. Am Montag traf sich Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey wieder mit dem iranischen Atomunterhändler Ali Laridschani in Bern. Die Aussenministerin sieht die Schweiz besonders berufen, im Nuklearstreit mit dem Iran zu vermitteln. Gerne hätten wir mit Calmy-Rey den Sachverhalt besprochen. Die Bundespräsidentin allerdings, die von der Weltwoche ins höchste Amt empfohlen wurde, verweigert seit ihrem Amtsantritt das Gespräch.

Der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, einer der genialsten deutschen Künstler, ist seit 25 Jahren tot. Wie soll man mit seinem Nachlass umgehen? Soll man seine Drogenexzesse, seine Homosexualität verschweigen, darf man die Deutung seines Werk und seines Lebens monopolisieren, wie es Fassbinders offizielle Erbin Juliane Lorenz tut? Nein, sagen ehemalige Mitstreiter. Weltwoche-Redaktorin Daniele Muscionico hat mit allen Beteiligten geredet und ein Stück in drei Akten geschrieben über dieses postume Theater, das viel mit enttäuschter Liebe zu tun hat. Wir möchten die neue Kollegin Daniele Muscionico, Trägerin des Zürcher Journalistenpreises, die von der NZZ zu uns stiess, ganz herzlich bei der Weltwoche begrüssen.

Wenn heute Donnerstag die Urteile im Swissair-Prozess verkündet werden, gehört er zu den meistbeachteten Angeklagten: Eric Honegger, 61, einst FDP-Politiker und Finanzdirektor des Kantons Zürich, dann Swissair-Präsident und -Konzernchef, heute für viele die Verkörperung des Untergangs. Honeggers Los zeigt, wie radikal die Geschichte einen Mann aus seiner Bahn werfen kann – ganz gleich, wie privilegiert er zuvor war. Nun hat Honegger seine Gefühle nach dem Fall in einem Buch beschrieben, und diesen «Erinnerungs-Prozess» setzt er in unserem Interview fort: Es lässt ahnen, dass man selbst im freien Fall noch Freunde gewinnen kann.

Die Weltwoche präsentiert am 18. Juni einen Abend mit dem Schriftsteller Anthony McCarten, der mit «Superhero» einen gefeierten Roman über einen 14-jährigen Jungen geschrieben hat, der weiss, dass er bald sterben wird, vorher aber noch in Erfahrung bringen will, wie Liebe geht. Selten hat man ein Buch gelesen, das so genau aus der Welt der Pubertierenden berichtet. Das Porträt McCartens von Peer Teuwsen lesen Sie in dieser Ausgabe.

Ihre Weltwoche

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