Die Idee kam während eines Frühstücks im Berliner Hotel «Adlon». Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel fragte den englisch-österreichischen Verleger Lord Weidenfeld, ob er nicht Lust habe, in einem grossen Gespräch aus seinem Leben zu erzählen. Wie kaum ein anderer lebender Zeitzeuge hat Weidenfeld die Verwerfungen des Jahrhundertes miterlebt. Geboren in Wien, kam Weidenfeld als junger jüdischer Flüchtling in London an. Sein Aufstieg war rasant: Er begann als BBC-Kommentator, schaffte den Einstieg in die obere britische Gesellschaft, war bei der Gründung Israels engagiert, gründete einen Buchverlag, gab die Biografien grosser europäischer Politiker heraus und wurde zum Verleger von Nabokovs Skandalroman «Lolita». Das Judentum blieb seine Orientierung, doch auch zur katholischen Kirche pflegte er engste persönliche Beziehungen. Viele lebende, aber auch zahlreiche verstorbene Staatsmänner zählen, zählten zu seinem Bekanntenkreis. Lord Weidenfeld, Befürworter des Irak-Kriegs, wundert sich als Überlebender des Zweiten Weltkriegs über den Defätismus angesichts der vergleichsweise geringen Opferzahlen im Nahen Osten. In einem zweiteiligen Gespräch äussert sich der bald Neunzigjährige in gewohnt dynamischer, geradezu hyperaktiver Weise zum Weltgeschehen.
Anfänglich schien alles seinen gewohnten Lauf zu nehmen, als die Weltwoche vor einer Woche den neusten Skandalfall aus dem Zürcher Sozialamt publik machte: Sozialvorsteherin Monika Stocker hüllte sich in Schweigen, Gemeinderat Walter Angst (AL) forderte am gleichen Tag per Vorstoss, die angeblichen Informationslecks endlich zu stopfen. Doch diesmal blieben selbsteingefleischte Kritiker der Weltwoche seltsam stumm. Beim Fall der Fürsorgebezügerin, die trotz einer ausführlichen Meldung der Polizei an Monika Stocker jahrelang Luxusautos besass, gibt es nichts zu deuteln: Die Zürcher Sozialvorsteherin und ihr Stab haben krass versagt. In der aktuellen Ausgabe zeigt Weltwoche-Redaktor Alex Baur auf, dass die Fehler in ihrem System liegen – und dass Stadträtin Stocker es mit der Wahrheit einmal mehr nicht so genau genommen hat.
Unsere Nahost-Spezialisten Urs Gehriger und Pierre Heumann konnten Brisantes in Erfahrung bringen: Bundespräsidentin Calmy-Rey hat den Vorschlang lanciert, die Holocaust-Leugner des Irans an ein Holcoaust-Seminar einzuladen. Die Geste war als diplomatischer Schachzug geplant, doch sie ruft im Ausland Erstaunen bis Verärgerung hervor. Die Schweiz, heisst es, mache sich zur «nützlichen Idiotin» eines streng antiisraelischen Regimes.
Den Abschluss einer herausragenden Fussballwoche erlebte unser Reporter Walter De Gregorio am Dienstagabend in Bern. Dort wurde die grosse Nacht des Schweizer Fussballs begangen.
Monatelang beschäftigte Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer die Gerichte mit einer Straf- und Zivilklage gegen Weltwoche-Kolumnist Christoph Mörgeli. Mörgeli hatte Meyer vorgeworfen, er verwende in seinen Anti-Manager-Kolumnen Metaphern aus dem NS-Arsenal. Noch vor der Urteilsfindung zog Meyer beide Klagen zurück.
Ihre Weltwoche
30.05.2007, Ausgabe 22/07
Intern
Editorial
Zeitzeuge Lord Weidenfeld, englisch-österreichischer Verleger – Sozialhilfe: Fehler im System – Bundespräsidentin Calmy-Rey lancierte Vorschlag für Holocaust-Seminar – Nacht des Schweizer Fussballs – Frank A. Meyer hat die Klage gegen Christoph Mörgeli zurückgezogen
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