Zu Fuss

Küblers Effort

Der Grosse Aubrig ist ein Mittelklasseberg: Mühelos kommt man nicht auf den Gipfel, aber doch vergleichsweise leicht.

Von Thomas Widmer

Am Wägitalersee gibt es drei Berge, die der versierte Wanderer kennen muss. Erstens den Zindlenspitz, einen grünen Kegel mit zuckerhutartigem Felsaufsatz, den man aus der Anschauung für unerwanderbar nimmt, der aber sehr wohl «machbar» ist. Zweitens den Fluebrig, einen Klotz mit brutal steilen Flanken, dessen Besteigung ebenfalls ein Grossunternehmen ist; vor einiger Zeit las ich in der NZZ am Sonntag den stolzen und glücklichen Bericht der Literaturkritikerin Gunhild Kübler, die den Fluebrig erklommen hatte, und war beeindruckt – Respekt, Kollegin Kübler, Sie sind eine Frau nicht nur von Verstand, sondern auch von Kondition! Drittens ist zu nennen der Grosse Aubrig. Er ist sozusagen ein Mittelklasseberg: Mühelos kommt man nicht auf den Gipfel, aber doch vergleichsweise leicht. Mit 1695 Metern ist er gut 400 Meter weniger hoch als der Zindlenspitz und der Fluebrig.

Unser Ausgangspunkt für Berg Nummer drei ist die Haltestelle Innerthal Staumauer; hier stolpert man geblendet aus dem Bus, denn zuvor fuhr dieser durch einen Tunnel, und dann plötzlich ist man im Licht und in der Weite des Sees und der Berge. Über ein Strässchen erreicht man in zehn Minuten den Punkt Schräh, nun geht es in den Hang, und es geht aufwärts: zuerst durch einen Hohlweg, später im Wald auf einem Knüppelweg, schliesslich über das offene Gelände der Bergflanke. Oben, an der zum Zürichsee hin scharf abbrechenden Kante, kommt man keuchend an und wird dieses Keuchen nur loswerden, wenn man das Panorama von Säntis bis Alpen ignoriert: Es ist atemberaubend.

Abwärts drängt sich die Route via Ober Alten auf, sie ist auf meiner Karte nicht als Wanderweg eingezeichnet, ist in der Realität aber comme il faut rot-weiss markiert. Über Eggstofel erreicht man wieder den Wägitalersee und bald den Startpunkt. Wer einkehren möchte, muss weitere fünfzehn Minuten investieren: In Innerthal wartet bei der Bus-Endhaltestelle das (täglich geöffnete) Restaurant «Stausee», auf dessen Terrasse man den Grossen Aubrig feiern kann.


Route: Innerthal Staumauer–Grosser Aubrig retour
Höhendifferenz: auf- und abwärts je 800 Meter
Abstiegsvariante: von Ober Alten via Dorlaui nachVorderthal. 200 Abwärtsmeter mehr, 30 Minuten länger
Anreise: vom Bahnhof Siebnen-Wangen an der Linie Zürich–Ziegelbrücke via Vorderthal nach Innerthal

Karte: Wanderkarte als PDF

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