Kurz vor Redaktionsschluss meldete sich Kronprinz Alexander II. von Jugoslawien: Er würde gerne etwas zur Reportage der Weltwoche über das Institut Le Rosey beitragen. Die Jahre von 1954 bis 1959 verbrachte der heute 61-Jährige im Internat am Genfersee, es sei eine wundervolle Zeit gewesen, «eine Offenbarung». Alexander II. kam 1945 im Londoner Exil zur Welt, und wie die Legende geht, hat Winston Churchill die Suite 212 des «Claridge Hotel» für den Tag seiner Geburt zu jugoslawischem Hoheitsgebiet erklärt. «In Le Rosey war ich zu jung für nächtliche Eskapaden, aber die anderen sind immer nach La Combe abgehauen, da gab es Mädchen», sagt Alexander II. Leider habe er Aga Khan im «Internat der Könige» um ein Jahr verpasst, heute seien sie aber gut befreundet. Noch heute besucht er einmal pro Jahr die Schweiz und trifft sich mit anderen Ehemaligen des Elite-Internats. «Eure Hoheit, haben Sie Ihre Kinder auch nach Le Rosey geschickt?» – «Nein, das konnten wir uns nicht leisten.»
Missbrauch im Fürsorgewesen würde nicht toleriert, versichert die Zürcher Sozialvorsteherin Monika Stocker bei jeder Gelegenheit. Fallbeispiele, die von der Weltwoche aufgebracht wurden und das Gegenteil zeigen, seien «aus dem Zusammenhang gerissen» (Walter Schmid, Präsident der Skos) oder gar «offensichtlich falsch» (Branchenorgan Avenir Social). Für Weltwoche-Reporter Alex Baur war das ein doppelter Grund, am Thema dranzubleiben. Die neuste Recherche öffnete Abgründe. Wie üblich konfrontierten wir Stockers Chefbeamten Urs Leibundgut mit dem Resultat. Er versprach uns eine Antwort – und war nicht mehr erreichbar. Auch das ist nicht neu. Den Bericht über den Luxus-Sozialfall lesen Sie auf Seite 12, die offenen Fragen finden Sie auf unserer Website.
Vor zwei Wochen diagnostizierte die Weltwoche die Rückkehr der klassischen Familie: Mann verdient Geld, Frau führt den Haushalt. In dieser Ausgabe antwortet unsere Autorin Beatrice Schlag, völlig anderer Meinung, unter dem Titel «Die Traumfrau am Herd».
Die Redaktion der Weltwoche und Verleger Roger Köppel sind mit dem Schweizerisch-Russischen Journalistenpreis 2007 ausgezeichnet worden. Der mit 5000 Dollar dotierte Preis wird vom Kooperations-Rat Schweiz/Russland verliehen und geht an Medienschaffende, die sich in besonderer Weise für die Vertiefung der Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland einsetzen. «Sich ein Urteil bilden statt Vorurteile verbreiten, sich mit Sachverhalten auseinandersetzen, Kenntnisse und Verständnis vertiefen – das sind Werte, die die Weltwoche und das Redaktionsteam leben», würdigte Jury-Mitglied Beatrice Tschanz das Blatt. Die Beiträge über Russland seien manchmal kritisch, manchmal anerkennend – «doch immer geprägt von Respekt und dem Willen zu verstehen».
Weltwoche-Interviewer Roger Schawinski bleibt unermüdlich: Im Herbstsemester doziert der HSG-Absolvent an der Hochschule St. Gallen unter dem Titel «TV-Management». Zudem nimmt er eine Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der Universität Leipzig auf. Ende August wird ein Buch des ehemaligen Sat 1-Chefs unter dem Titel «Die TV-Falle – Vom Sendungsbewusstsein zum Fernsehgeschäft» erscheinen.
Ihre Weltwoche
23.05.2007, Ausgabe 21/07
Intern
Editorial
Kronprinz Alexander II. von Jugoslawien und Le Rosey – Missbrauch im Fürsorgewesen: Alex Baur bleibt dran – Klassische Familie? – Schweizerisch-Russischer Journalistenpreis 2007 für die «Weltwoche» – Unermüdlicher Roger Schawinski
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