Nachruf

Nachruf

Mullah Dadullah (1968–2007), Armeechef, Taliban, und Isabella Blow (1959–2007), Stylistin, Muse

Von red

Mullah Dadullah (1968–2007)

An ihm richteten sich die jungen Kämpfer auf, er war der Beweis dafür, dass mit den Taliban wieder zu rechnen war. Im Unterschied zu seinen Kampfgenossen war er kein wortkarger Bergler, sondern ein Mann von messerscharfer Zunge und knapper Geduld. Wer in seine Hände fiel, durfte nicht mit Gnade rechnen. Als die Taliban noch regierten, liess er Gefangene an Kranwagen aufhängen. Dadullah passte seine Methoden stets der Zeit an. Anfang 2006 schnitt er vor laufender Kamera einem angeblichen Spion den Kopf ab und demonstrierte damit, dass er irakischen Terroristen in nichts nachstand.

Den Armeechef der Taliban umgab die Aura des Unbesiegbaren. Dreimal wurde er gefangen genommen, zweimal gar als tot gemeldet, doch irgendwie gelangte er immer zurück an die Front. Als letztes Jahr wieder Meldungen von seiner Verhaftung um die Welt gingen, erkundigte sich die Weltwoche bei einem engen Gefährten. Wenig später meldete sich eine aufgeräumte Stimme auf unserer Nummer: «Hier spricht Mullah Dadullah. Mir geht es ausgezeichnet.» An die Adresse der Nato-Truppen in Südafghanistan sagte er: «Wir heissen die neuen Feinde willkommen. Wir werden sie mit einer Hundertschaft Selbstmordattentätern begrüssen.»

Anders als sein Chef, der verborgene Taliban-Führer Mullah Omar, legte er wenig Wert auf eigene Sicherheit. Dass die Signale seiner Satellitentelefone geortet werden könnten, schien den neuen «Star» der Gotteskrieger nicht zu ängstigen. Am Wochenende wurde er von alliierten Truppen erschossen. Dadullahs Tod ist der grösste Verlust der Taliban seit dem Sturz ihres Regimes 2001.



Isabella Blow (1959–2007)

Die erste Reihe trägt Trauer. Denn ohne Isabella Blow gibt es auf Modenschauen keine erste Reihe mehr, die diesen Namen verdient. Die Londonerin war wohl die letzte Stylistin – verantwortlich für Modefotos in Zeitschriften und für Reklame – voller Exzentrik, voller Einfluss. Und eine der letzten Frauen mit Hut. Sie war auch die Muse von Philip Treacy. Er hat ihre Hüte gemacht, sie hat seine Karriere gemacht. So wie die von Alexander McQueen, dem Designer, oder von Sophie Dahl, dem Model.

«Issie» kam aus gutem Haus und arbeitete zuerst für die amerikanische Vogue als Assistentin von Anna Wintour. Danach wurde sie Modechefin der Londoner Zeitschrift Tatler. Ihr Vater, Sir Evelyn Delves Broughton, verliess Isabellas Mutter, seine zweite Frau, und hinterliess der Tochter bei seinem Tod 5000 Pfund. Den Rest des 6-Millionen-Vermögens bekam die dritte Ehefrau. «Ich glaube, ich möchte einmal in dem kleinen Hut, der aussieht wie ein Fasan, beerdigt werden», sagte die Blow vor Jahren. Es klang wie ein Witz, sie schien so voller Leben damals. Vergangenen Dezember fiel oder sprang sie von einer Hochstrasse in London – und brach sich nur ein Bein. Ihr Ehemann, Detmar Blow, ein Kunsthändler, sagte danach, sie leide unter Depressionen. Und ihre Ehe, erzählte man auf den Partys der Londoner Fashion Week im vergangenen Februar, sei keine gute mehr. Dieses Frühjahr bekam Isabella Blow eine Krebsdiagnose. Anfang vergangener Woche ist sie gestorben. Mit 48. Wir werden sie vermissen. Und es wird nie mehr Hüte wie ihre geben in der ersten Reihe.

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