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09.05.2007, Ausgabe 19/07

Kultur

Spielen mit Hitchcock

Der belgische Konzeptkünstler Johan Grimonprez (geb. 1962) dachte an Hitchcock: «Looking for Alfred» heisst seine Retrospektive in der Pinakothek der Moderne – Peer Teuwsen unterhält sich mit dem Bestseller-Autor Peter Bieri alias Pascal Mercier – Emma Dantes Proben für «Alkestis» in Luzern

Von Julian Schütt

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An Frauen wie die hier abgebildete muss Sir Alfred Hitchcock gedacht haben, als er sich eine seiner seltenen philosophischen Sentimentalitäten erlaubte und die berühmte Phänomenologie der Blondine à la Grace Kelly, Kim Novak oder Tippi Hedren entwickelte. Die Vertreterinnen dieser Gattung charakterisiere, so der Meister sehr sinngemäss, dass sie sich vordergründig eher kühl und bürgerlich gebärdeten, aber sobald sich die Schlafzimmertür schliesse, gebe es kein Halten mehr. Der 1962 geborene belgische Medienkünstler Johan Grimonprez hat seinerseits sehr an Hitchcock gedacht, als er das nebenstehende Bild kreierte. «Looking for Alfred» heisst denn auch seine Retrospektive, die vom 10. Mai bis 19. August in der Pinakothek der Moderne zu sehen ist (dazu erscheint im Hatje-Cantz-Verlag ein ausführlicher Katalog.) Grimonprez inszeniert ein raffiniertes Spiel mit Hitchcock-Figuren und -Motiven. Zugegeben, an sich hat man diese Art Spiel mit Simulationen, Täuschungen und Zitaten langsam ähnlich satt wie unsere Blondine wohl ihre ungerupfte, rohe Friedenstaube, denn in den letzten Jahren erschien kaum ein kulturwissenschaftliches Werk von Elisabeth Bronfen bis Slavoj Zizek, das nicht reflexartig auf Hitchcock referierte. Aber bei Johan Grimonprez wird eben nicht nur Vorstellbares wahr oder Reales unwahrscheinlich, sondern bei ihm nimmt man auch vermeintliche Déjà-vu-Spielchen wie zum ersten Mal wahr. Übertroffen wird er nur von Alfred Hitchcock selbst, der am souveränsten mit dem Thema aus «The Birds» spielt, nämlich indem er sich darin einen seiner legendären Gastauftritte gönnt und mit einem Käfig voller Ziervögel aus einer Tierhandlung tritt.


Es ist unerhört. Seinen Roman «Nachtzug nach Lissabon» hat der Berner Peter Bieri alias Pascal Mercier 1,5 Millionen Mal verkauft – also mehr als alle anderen lebenden Schriftsteller der Schweiz zusammen. Seine Bücher sind Bestseller, weil sie die grundlegenden Fragen des Lebens in eine zugleich fesselnde und auch leichte Geschichte kleiden. Und sie sind nicht dumm. Aber wie macht er das? Peer Teuwsen hat mit ihm anlässlich seiner neuen Novelle «Lea» gesprochen.


Thomas Widmer war ein bisschen eingeschüchtert, als er von seinem Besuch bei Emma Dante zurückkam. Die sizilianische Regisseurin entwickelte während der Proben für «Alkestis» im Luzerner Theater eine ungeheure Energie, die es aber auch brauchte, um den gymnasialen Klassiker von Euripides zum archaischen Kraftort zu machen.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 19/07
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