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Editorial

Die Familie war nie wirklich weg – Alfred Betschart zeichnet ein differenziertes Bild über Putin und Russland – Düstere Aussichten in Niger – Peter Bieri alias Erfolgsschriftsteller Pascal Mercier – Ende des historischen «Weltwoche»-Panoramas; neu: Tagebuch des Chefredaktors

Von Ihre Weltwoche

Rechtzeitig zum Muttertag ist eine der grossen Fragen zu lancieren: Warum eigentlich drängen ungezählte Frauen trotz Kindern und Familie wieder in den Arbeitsmarkt? Was eigentlich ist so grossartig an einem Alibi-Bürojob auf Kosten von «quality time» mit der eigenen Familie? Die klassische Mutterrolle war in den vergangenen Jahren Gegenstand erbittertster Anfeindungen. Vermutlich spielten Nachwirkungen der Nazizeit mit, als vor allem in Deutschland die Familie als Reproduktionszelle grössenwahnsinniger Diktatoren missbraucht wurde. Im Gefolge eines feministischen Amazonenaufstands wurde die auf der herkömmlichen Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau beruhende Liebes- bis Zweckgemeinschaft auf den Komposthaufen gedrängt. Zu Unrecht: Die Familie war nie wirklich weg, die praktischen Vorteile dieser Lebensform waren immer zwingender als das ideologische Geschwafel darüber. Inlandredaktor Philipp Gut hat die Fakten zusammengetragen und mit Frauen gesprochen, die sich für die Mutterrolle entschieden haben. In einem Essay erklärt Silvia Blocher, Frau des Schweizer Justizministers, warum sie ihr Mathematikstudium abbrach und ihren Beruf aufgab, um sich voll ihrer Familie zu widmen. Weltwoche-Redaktor Eugen Sorg beschäftigt sich mit der Paarbeziehung zwischen den Schauspielstars Angelina Jolie und Brad Pitt. Fazit: Der virile Held der 90er wurde von seiner Traumfrau zum «familiären Beuteltier» entmannt.


Ungefragt sandte uns der Unternehmer und promovierte Staatswissenschaftler Alfred Betschart ein Manuskript zu, das einen Gegenakzent setzt zur grassierenden Anti-Putin-Stimmung in den westlichen Medien. Betschart arbeitete mehrere Jahre lang in Moskau, heute bewegt er sich geschäftlich oft in Russland. Sein Text zeichnet ein differenziertes Bild der Herausforderungen, Spannungen und historisch bedingten Zwänge, in denen ein russischer Präsident operieren muss.


Parlamentarier haben viele Möglichkeiten, sich angenehm lobbyieren zu lassen. Sie könnten täglich dreimal teuer dinieren, und in den Ferien könnten sie es sich auf Kosten unzähliger Firmen an schönen, exotischen Orten gut sein lassen. 8 Parlamentarier und Parlamentarierinnen nahmen an einer Reise teil, die von Swissaid organisiert wurde, um in Niger Projekte der Entwicklungszusammenarbeit zu besichtigen. Unser Redaktor David Signer konnte sie begleiten. Angesichts des hochkorrupten Staates sind die Aussichten noch für die besten Projekte düster. Illustriert wurde der Beitrag von der deutschen Zeichnerin Kathrin Menschik.


Es gibt einen Schriftsteller, der verkauft so viele Bücher wie alle anderen Schweizer Schriftsteller zusammen. Peter Bieri ist Berner und Philosophieprofessor in Berlin. Er schreibt ein Deutsch wie aus dem 19. Jahrhundert und nimmt sich viel Zeit, seine Geschichten, die um die Grundfragen des Lebens kreisen, zu erzählen. Jetzt ist seine Novelle «Lea» erschienen. Beim Gespräch mit Peer Teuwsen war er geduldig, tiefsinnig und immer freundlich. So wie seine Bücher.


Mit dieser Ausgabe beenden wir unser historisches Weltwoche-Panorama auf der letzten Seite. Die Rubrik wird ersetzt durch ein Tagebuch des Chefredaktors.



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