Der Kanton Solothurn schiebt sich als Tafeljura-Hochebene weit in Basels Agglomeration hinein; gut dreihundert Meter thront das Gempenplateau über Rhein und Birs. Es zu besichtigen, breche ich eines Tages vom Bahnhof Dornach-Arlesheim auf; Dornach hat übrigens Bundesrat Otto Stich hervorgebracht und den Anthroposophiegründer Rudolf Steiner.
Ach ja, das ist also das steinersche Goetheanum, denke ich, während ich der Schlossruine Dorneck zustrebe. Denn da zeigt sich dieser pseudosakrale Betonbau, den ich von Fotos her kenne, der in natura aber noch klumpiger wirkt. Kurios auch die beigeordnete Heizzentrale, ein Kleinbunker, über den sich dinosaurierhalsartig ein Betonarm meterhoch emporreckt. Die auf dem Goetheanum-Areal angelegte architektonische Verschrobenheit durchschwärt den Hang wie ein maligner Pilz: Immer wieder mal sehe ich ein Einfamilienhaus, das partout nicht rechtwinklig sein will (Rudolf Steiner mochte rechte Winkel irgendwie nicht).
Aber – Stichwort Weleda! – gute Seifen machen sie, die Anthroposophen, denke ich im Entschwinden versöhnlich. Oben im «Schlosshof», dem nah der Dorneck-Ruine prächtig gelegenen Ausflugsrestaurant, ist Gelegenheit zur optischen Erholung. Von hier sieht man bereits die das Gempenplateau krönende Schartenflue (759 Meter) mit Aussichtsturm und Antenne. Es dauert aber noch einmal eine Stunde, bis ich oben bin und an die jähe Felskante trete. Der Blick über die Hochebene, deren Dörfchen wie Nuglar-St. Pantaleon, Hochwald, Gempen sich diskret in die bewaldete Hochfläche ducken, ist toll. Noch besser ist die Sicht von dem 28-Meter-Aussichtsturm (doch muss man einen Franken fürs Drehkreuz aufbringen). Schliesslich, das macht meine Wanderfreude komplett, ist da das Restaurant mit seiner Terrasse. Es kommt mir altmodisch vor. So richtig schön normal. Letztlich finde ich es gut, dass die Anthroposophen das Gempenplateau nicht erobert haben.
Route: Dornach–Schartenflue/Gempenturm
Höhendifferenz: 450 Meter aufwärts
Einkehr: «Schlosshof» und «Gempenturm»-Restaurant sind täglich geöffnet.
Heimkehr: in 20 Minuten von der Schartenflue
100 Höhenmeter abwärts nach Gempen (in der
Gesamtgehzeit eingerechnet). Mit dem Bus retour nach Dornach-Arlesheim. Schöne Fahrt durch eine Art Klus!
Karte: Wanderkarte als PDF
Ortstermin: Lesung aus dem Wanderführer «Zu Fuss» in Basel am 30. Mai. Buchhandlung Bider & Tanner, 19.30 Uhr. Moderation: Wolfgang Bortlik.













Kommentare