Zu Fuss

Kinderschreck

Interessant und dabei recht liebenswert ist die Burg Hohentwiel bei Singen. Die Wanderung dauert drei Stunden.

Von Thomas Widmer

Bevor wir uns der Burg Hohentwiel bei Singen widmen, einer der grössten Festungsruinen Deutschlands, sei eine kuriose Kleinigkeit am Weg zu ihr erwähnt: Wir laufen vom Bahnhof Singen zunächst durch die Innenstadt und kommen alsbald zu einer Brücke über die Radolfzeller Aach. Der Bau der Brücke kostete laut einem Schild 1 Billiarde, 520 Billionen, 940 Milliarden, 901 Millionen, 926 Tausend und 24 Mark. Das war 1923, in der Inflation.

Unsere Burg haben wir schon gesehen, als wir im Zug auf Singen zufuhren. Gewaltig reckt sich zur Linken der sie tragende Bergkegel gen Himmel. Er ist nicht der einzige in der Gegend, im Hegau schloteten vor Millionen Jahren die Vulkane, es sind aus jener Vorzeit noch mehr solche Kamine übriggeblieben. Wie aber sollen wir hinaufkommen? Kein Problem, für einen guten Weg ist gesorgt; schon immer sind Menschen ja auf den Hohentwiel gestiegen und haben sich eingerichtet, in gewissen Epochen lebten auf ihm mehrere hundert Leute. In der Bronzezeit hatte man die strategischen Vorzüge des Berges entdeckt. Im Mittelalter nahmen ihn schwäbische Herzöge zum Sitz. Im 15. Jahrhundert nisteten sich Raubritter ein. Schliesslich der Dreissigjährige Krieg von 1618 bis 1648: Fünf Belagerungen mussten die protestantischen Kräfte über sich ergehen lassen, der Kommandant Konrad Widerholt, der alles abschmetterte und die feindlichen Mineure ignorierte, die unter seinen Füssen den Fels zu sprengen suchten, wurde zum Helden.

Unsere Route, ab dem Bahnhof perfekt ausgeschildert, führt einigermassen parallel zur Radolfzeller Aach, die wir via besagte Brücke überqueren, auf die Mittelhöhe des Kegels. Dort steht das Restaurant «Hohentwiel», dort zahlt man Eintritt. Steil aufwärts geht es durch den Wald zum Alexandertor, das auch ein Tunnel ist, und zur Drehgittertür, die einen in die eigentliche Festung lässt. Staunenswert, all die Türme und Mauerteile, darunter die Reste einer Kirche, auf dem Burgareal. Wes Gofen sich für Ritter und dergleichen begeistern, der muss die monumentale Anlage besuchen, der Hohentwiel ist samt seiner Ruine ein aussergewöhnlich interessanter, dabei recht liebenswerter Kinderschreck.


Route: Singen–Hohentwiel retour
Hin und zurück: mit der Bahn in 20 Minuten von Schaffhausen nach Singen
Höhendifferenz: auf- und abwärts je 250 Meter
Einkehr: «Hohentwiel», gute Küche, schöne Terrasse, immer offen.
www.hotel-hohentwiel.de

Karte: Wanderkarte als PDF

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