Hemberg, erhaben auf einer Krete im Niemandsland zwischen dem Toggenburgischen und dem Appenzellischen gelegen, ist samt Umschwung grossartiges Wanderterritorium. Es bietet unzählige Routen und eine gute Gastronomie. Ermöglicht den freien Genussblick auf Alpstein und Churfirsten. Und ist dabei nie überlaufen.
Als Ostschweizer Idyll gestaltet sich der Gang hinauf nach Hemberg: immer wieder mal ein Wäldli, ein Hügeli, ein Höfli mit Hündli. Vom Bahnhof Wattwil laufen wir zur Thur, verweigern uns aber der sich aufdrängenden erstbesten Brücke; nein, zuerst geht es zweihundert Meter flussaufwärts; hier steht die Brücke, die wir nehmen müssen. Der Weg führt an einen Steilhang mit Treppe; sobald sie absolviert ist, haben wir den Autolärm hinter uns und landen im Grünen, wie es grüner nicht sein könnte. Über den Tüetlisberg und den Eschenberg gelangen wir zum Punkt «Scherrer» und können im «Churfirsten» einkehren; die Terrasse des Restaurants: ein erster Höhepunkt. Freilich verpassen wir, wenn wir draussen sitzen, die Geweihsammlung im Innern und auch die überall in der Gaststube montierten Sinnsprüche. Nicht unschlau, was da zu lesen steht. «Es ist viel leichter, den Übernächsten zu lieben als den Nächsten» etwa. Eine pointierte Kritik der Bemühtheit des christlichen Altruismus, sie dürfte den Pfarrer ärgern.
Nächstes Ziel ist der Weiler Heiterswil, mittlerweile ist Hemberg ins Blickfeld gerückt. Die Nähe trügt aber, es sind – via Niderwil, Unter-Schlatt und Rohr – noch drei Tobel zu nehmen. Das letzte, linker Hand parallel zu unserem Pfad sich den Schlussstutz hinaufziehende, besonders garstige Tobel schenke man sich nicht, indem man in einem Anfall von Bequemlichkeit stur geradeaus hält; man muss sonst den letzten halben Kilometer auf der Landstrasse gehen. Nein, auch dies letzte Tobel muss sein, wir biegen links ab: abwärts und wieder aufwärts. Schliesslich sind wir oben und finden top, was wir sehen: eine unschuldige Dorf-Schönheit. Hemberg ist für den Wanderer ein Must.
Route: Wattwil–Scherrer–Hemberg
Heimreise: mit dem Bus nach Wattwil
Höhendifferenz: 450 Meter aufwärts
Zwischenhalt: «Churfirsten», Mo geschlossen
Karte: Wanderkarte als PDF
Lesungen aus dem Wanderführer «Zu Fuss»:
Bern, 23. April, Buchhandlung Thalia im Loeb, 20 Uhr, Moderation Gion Mathias Cavelty;
Zürich, 26. April, Orell Füssli Kramhof, 18 Uhr, Moderation Rolf Dobelli;
Basel, 30. Mai, Buchhandlung Bider & Tanner.
18.04.2007, Ausgabe 16/07
Zu Fuss
Pfarrers Ärger
Im Wanderterritorium Hemberg begegnet man immer wieder einem Wäldli, einem Hügeli, einem Höfli mit Hündli.
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