Auf dem Kantonswappen Inner- wie auch Ausserrhodens sieht man den Appenzeller Bären zu voller Grösse aufgerichtet: ein Bild der Wehrhaftigkeit. Auf dem Gemeindewappen von Hundwil AR wirkt der Bär bedrängt, ja hysterisch: Hinter ihm erhebt sich auf den Hinterläufen, gleichzeitig mit den Vorderpfoten ausholend und die Zähne bleckend, zu gleicher Höhe ein Hund, dessen Bellen man sich infernalisch vorstellt. Er ist feuerrot.
Denkbar ungünstig, das heraldische Omen. Die Wanderung auf die Hundwiler Höhi führt an vielen einsamen «Hemetli» vorbei, und bei jedem muss man mit einem Appenzeller Bläss rechnen, und dieser ist ein für seinen Grimm berüchtigter Kneifer, Zwicker, Beisser alles Fremden. Es ist dann aber, ich nehm’s vorweg, den schlimmen Ahnungen zum Trotz alles gutgegangen; ja es bereitete mir auf dem ganzen Gang durch meine Jugendgefilde (ich bin im benachbarten Stein und später in Hundwil aufgewachsen) kein Hofhund ein Problem. Die Exemplare, die ich antraf, kamen im Übrigen farblich alle daher wie in der Bauernmalerei: schwarz-braun-weiss. Klassisch also. Den roten Bläss, die Urform der Rasse, sieht man nicht mehr oft.
Wir starten in Zürchersmühle und gewinnen auf stillen Wegen Höhe. Beim Parkplatz Ramsten ist Halbzeit, danach geht es molassenen Bröckelwänden fast entlang ebenaus durch den Wald, worauf der Gipfelanstieg folgt. Oben auf der Höhi ist das Panorama grandios. In der Gaststube heisst uns die liebenswürdige Marlies Schoch willkommen, die hier auf über 1300 Metern seit mehr als 35 Jahren wirtet, keine Ruhetage kennt und für die Sorgen und Nöte aller ein offenes Herz hat; Marlies – Weltwoche-Leser mögen sich an ein Interview erinnern, das ich vor Monaten mit ihr führte – gilt als Appenzeller Landesmutter. Mit anderen Worten: Diese Wanderung widmet sich einem tollen Geländepunkt und einem tollen Menschen. Bleibt zum Namen Hundwil nachzutragen: Er leitet sich dem Wappen zum Trotz wohl nicht von «Hund» ab, sondern von «Hunto». So soll der alemannische Siedlungsgründer geheissen haben.
Route: Zürchersmühle–Hundwiler Höhi.
Anreise: mit den Appenzeller Bahnen von Gossau nach Zürchersmühle (Halt auf Verlangen!).
Heimweg: Abstieg nach Hundwil (in der Zeitangabe mitgerechnet). Bus nach Herisau oder St. Gallen.
Wirtschaft: www.hundwilerhoehe.ch
Höhendifferenz: auf- und abwärts je 500 Meter.
Karte: Wanderkarte als PDF













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