Den Ehrenplatz in meiner Wanderbibliothek hält Fritz René Allemanns «25mal die Schweiz». Jedem Kanton hat der – 1996 verstorbene – Basler Journalist ein prägnantes Porträt gewidmet, das «Panorama einer Konföderation» (Untertitel) ist 42 Jahre nach Erscheinen unersetzlich. Wo man auch hinwill im Land, es lohnt sich, zuerst Allemann zu konsultieren.
Nebenbei bereitet einem seine historische Prosa viel Lesegenuss. Das Urserental schildert er so: «Dieses eigenartige und unvergleichliche, fast baumlose Hochtal oberhalb der Schöllenen, quer zur nord-südlichen Linie des Reusslaufs in den Kreuzweg der Gotthardstrasse, des Oberalppasses nach dem rätischen Vorderrheintal und des Furkaübergangs nach dem Oberwallis hineingestellt, hat vom 14. Jahrhundert an alle Schicksale Uris geteilt, ohne je zum blossen Untertanengebiet abzusinken. Erst durch die Verbindung mit ihm konnten die Urner ihre Grenzlinie auf die Höhe des Gotthardpasses vorschieben und sich damit nicht nur kommerziell, sondern auch politisch zum Ausgriff über die Alpen ins tessinische Glacis rüsten.»
Grossartig, oder? Und das ist erst der Anfang der Passage. Gründlich informiert, starte ich beim Bahnhof Hospental, also im Urserental, Richtung Andermatt. Der Winterwanderweg dirigiert mich via eine Brücke auf die andere Seite der Reuss und auf eine kleine Anhöhe, nach zehn Minuten sehe ich vor mir eine weite Ebene, im Hintergrund wartet Andermatt. Ein schöner Spaziergang folgt: Linker Hand erstreckt sich die Bergkette, die das Tal vom Göschenertal trennt, auf der anderen Seite thront der Gemsstock, geradeaus schliesst der Nätschenhang den Horizont ab. Und während ich all das mustere, hallen Allemanns Auslassungen über die Urschner in mir nach.
Die Ebene soll als Golfplatz Teil des luxuriösen Ferienresorts werden, das Samih Sawiris bauen will. Die Chancen stehen gut, dass es so kommt, nicht zuletzt auch, weil der ägyptische Unternehmer sozusagen als seine Treuhänderin die Korporation eingespannt hat. Korporation? Im Urserental spielt die Markgenossenschaft bis heute eine zentrale Rolle. Wer Genaueres wissen will, greife zu Allemann.
Buch: «25mal die Schweiz» (1965) ist vergriffen, aber antiquarisch erhältlich, zum Beispiel auf zvab.com.
Mehr gehen: weitere Winterwandervorschläge auf www.andermatt.ch
Karte: Wanderkarte als PDF













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