Weltraumwaffen

Laser, Gottespfeile, Killer-Satelliten

Die USA sind führend in der Weltraumrüstung. Erste Tests sind für nächsten Frühling geplant.

Von Urs Gehriger

Weltraumwaffen sind Waffen(systeme), die entweder im Orbit stationiert und einsetzbar sind oder von der Erde aus Ziele im All angreifen können. Die Forschung wird seit dem Zweiten Weltkrieg betrieben. Vor Russland, China und Indien sind die USA klar führend bei der Entwicklung von möglichen Space-Weapons.

Geplante Waffensysteme der USA:

Infografik: Jendo Neversil

Anti-Satelliten-Raketen – Mittel- und Langstrecken-Raketen zählen zu den technisch simpelsten Weltraumwaffen. Sie zerstören ihr Ziel lediglich durch ihren Aufprall und ohne selbst zu explodieren. Die primären Ziele sind Satelliten im erdnahen Orbit (100 bis 5000 km Höhe).

Bereits heute sind die USA, Russland – und neu China – in der Lage, Satelliten von der Erde aus mit Raketen zu treffen. Der durch Kollision entstehende Weltraumschrott bedroht andere Satelliten.

«Jammer» – Weniger gefährlich als Anti-Satelliten-Raketen sind sogenannte Jammers (Störer). Dabei handelt es sich um elektronische Kampfmittel, die den Funkverkehr von Kommunikationssatelliten stören oder blockieren können. Die USA verfügen bereits über Jammers. Sie gehören zu den «sanften» Waffen, da Satelliten nicht zerstört werden und somit kein Weltraummüll entsteht.

Killer-Satelliten – Die am weitesten entwickelte Weltraum-Waffengattung sind Mikrosatelliten, die bisher vorwiegend friedlichen Zwecken dienten. Für einen Krieg im Weltraum wären Minisatelliten derzeit wohl die erste Wahl. Sie könnten als Killergeschosse eingesetzt werden, um in einer Art orbitalen Guerillataktik feindliche Flugkörper aus ihrer Bahn zu stossen oder durch Kollision zu zerstören. Als ganze Schwärme in den Orbit geschickt, wären sie entsprechend schwerer zu bekämpfen und bei Ausfällen leichter zu ersetzen.

Laser – Zu den begehrtesten Weltraumwaffen gehören Hochenergie-Laser. Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist die praktische Anwendbarkeit von raumgestützten Lasern («Space-Based Laser») jedoch noch sehr begrenzt. Das Hauptproblem ist in erster Linie die Erzeugung der gewaltigen Mengen an Energie im All, die für einen effektiven Einsatz nötig wären. In weit fortgeschrittenem Stadium befindet sich hingegen die Entwicklung luftgestützter Laser («Airborne Laser»). Noch dieses Jahr soll eine Boeing-747, genannt «Big Crow» (Grosse Krähe), mit einem Lasersystem zur Raketenabwehr ausgestattet werden; die ersten Tests des Lasersystems unter Luftkampfbedingungen sind für 2008 geplant. Für die Zeit nach 2015 sollen Kampfflugzeuge dann mit Anti-Satelliten-Lasern ausgerüstet werden.

NFIRE – Bereits für kommenden Frühling geplant ist das «Near Field Infrared Experiment». Dabei handelt es sich um Satelliten, die dank neuartigen Techniken Raketenstarts präziser und frühzeitiger orten sollen als bislang möglich. Es bestehen ausserdem Pläne, den Späher-Satelliten mit einem Abschusskörper («Kill Vehicle») zu bestücken, der die ausgemachten Raketen im All abfangen soll. Damit wäre NFIRE die erste vollintegrierte weltraumgestützte Waffe.

«Rods from God» – Zu den bizarrsten Projekten gehören die «Götterpfeile». Dabei handelt es sich um rund sieben Meter lange Stangen aus Wolfram, Titan oder abgereichertem Uran, die aus dem Weltraum gegen Ziele auf der Erde geschossen werden könnten. Ein Laser soll diesen Wurfpfeilen gewissermassen einen luftleeren Pfad durch die Atmosphäre brennen. Auf diesem können sie dann mit einer Geschwindigkeit von 11 500 km/h auf ihre Ziele zurasen. Die Wucht, mit der sie auf ein Objekt auftreffen, entspricht einer kleinen Atombombe, ohne jedoch eine nukleare Verstrahlung zu erzeugen. Beim Aufprall sollen sich die Stäbe bis 700 Meter in den Boden bohren. Sie können meterdicke unterirdische Bunker durchschlagen, hinter denen die Pfeile dann explosionsartig Feuer fangen und alles vernichten, was dort unten Schutz und Deckung suchte. Eine derart durchschlagende Wirkung ist nur zum hohen Preis von 66 Millionen Dollar pro Granate zu haben, bedingt durch die hohen Kosten, Lasten ins All zu transportieren. Zum Vergleich: Marschflugkörper kosten pro Stück 600 000 Dollar.

Weltraumbomber – Seit mehreren Jahren gehört der Weltraumbomber zu den begehrtesten Zukunftswaffen der Luftwaffe. Dabei handelt es sich um ein Flugzeug, das von einer Basis in den USA innert neunzig Minuten Ziele an einem beliebigen Ort auf der Erde angreifen soll. Dabei würde sich die Maschine mit Hyperschallgeschwindigkeit (geplant sind Mach 19) durch das All bewegen. Dank der grossen Flughöhe müssten sich die USA keine Überflugrechte einholen. Der US-Konzern Lockheed Martin erhielt 2004 den Zuschlag zum Bau des Flugzeugs. Eine unbemannte Version dieses Fliegers soll bis 2025 einsatzbereit sein.

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