Intern

Editorial

Im Hinterhalt der Taliban – Swissfirst – Fall Roschacher

Von Ihre Weltwoche

Weltwoche-Redaktor Urs Gehriger, sein Newsweek-Kollege Sami Yousafzai sowie der Zürcher Fotograf Nathan Beck waren unterwegs im Taliban-Gebiet von Afghanistan. Dank der Vermittlung eines hohen Kaders der Gotteskrieger trafen sie auf mehrere Soldaten und entdeckten einen neuen Typus: religiöse, kaum gebildete Kombattanten, die getrieben waren von jugendlicher Abenteuerlust und paschtunischem Rebellentum. Zudem wurde offenkundig, das die Elitetruppen Allahs an Disziplin verlieren. Interne Rivalitäten nahmen zu, der Ehrenkodex der Altvorderen wurde nicht mehr sklavisch befolgt. Um ein Haar wäre der Kulturwandel dem Weltwoche-Team zum Verhängnis geworden. Vor dem Treffen mit einem Taliban-Kommandanten gerieten die Journalisten in einen Hinterhalt rivalisierender Kämpfer. Sie wurden gefesselt und in die Wüste verschleppt. Als sie zur drohenden Exekution niederknien mussten, ergab sich Überraschendes. Das Protokoll der Entführung lesen Sie in dieser Ausgabe.

Seit Monaten tobt eine Medienkampagne gegen die Zürcher Privatbank Swissfirst. Das Institut habe bei einem Firmenzusammenschluss Anleger übervorteilt und sich selber bereichert. Im Zentrum stand Firmengründer Thomas Matter, der aufgrund des öffentlichen Drucks zurücktreten musste. Eine nüchterne Betrachtung der vor allem von der NZZ am Sonntag und dem Blick mit schäumender Vehemenz orchestrierten Berichterstattung zeigt: Die Vorwürfe sind gegenstandslos, die Verdächtigungen sind durch keinerlei juristisch greifbare Tatbestände erhärtet worden. Noch stehen die abschliessenden Befunde der Eidgenössischen Bankenkommission aus, aber die Bankenaffäre droht allmählich zu einem Medienskandal zu werden.

Nicht minder brisant ist der Fall des früheren Bundesanwalts Valentin Roschacher, der massgeblich beteiligt war an der Verpflichtung des früheren Drogenbarons José Manuel Ramos zu Ermittlungszwecken in der Schweiz. Nach neuen Recherchen des Weltwoche-Wirtschaftschefs Daniel Ammann ist Roschacher tiefer in den Ramos-Fall verwickelt, als er selber zuzugeben bereit ist. Akten der Bundeskriminalpolizei, die diesem Blatt vorliegen, belegen, dass Roschacher länger mit Ramos zusammenarbeitete als angenommen. Die Dokumente beschädigen die Glaubwürdigkeit des früheren Bundesanwalts beträchtlich.


Ihre Weltwoche

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