Anfang Dezember hat’s im Mittelland oft Nebel, und die Vegetation tötelet – jetzt möchte man von der Vitalität der Berge profitieren und sich winterwandernd den Sonnenkick holen. Nur ist es dafür etwas früh, zahlreiche Bergbahnen fahren noch nicht, es hat auch manchenorts kaum Schnee, geschweige denn präparierte Wege. Immerhin, nächstens ist es so weit, hier in diesem Sinn ein guter und nützlicher Link: www. wandersite.ch hält tolle Winterwander-Ideen bereit und ordnet sie sauber nach Regionen. Ausserdem ein Hinweis für Schneeschuhler: www.weitwandern.ch, ein kleines Outdoor-Reiseunternehmen, organisiert Touren, die nicht teuer sind und einen vor allem des Problems entheben, selber Lawinenrisiken beurteilen zu müssen. Auch dass zum Angebot Eintagestouren gehören, gefällt mir; als Sozialneurotiker weigere ich mich nämlich bei aller Lust auf Routen, die ich allein nicht riskieren kann, im Mehrbettzimmer oder gar Massenlager zu nächtigen.
Damit zu einem Spaziergang, der das ganze Jahr Freude bereitet: von Locarno dem Lago-Maggiore-Ufer entlang nach Tenero und retour (natürlich kann man von Tenero auch mit dem Zug zurückfahren). Es handelt sich um eine Prachtstrecke, die hohen Berge, der vom Wind aufgewühlte See, die Zypressen und Palmen bilden eine Mischung, die es so nur im Tessin gibt: Man ist in den Alpen und doch auch am Mittelmeer, man ist auch im Winter ein wenig im Sommer. Und die Route hat einen hohen Flanierfaktor: Man schlendert unbeschwert und kann ins Sinnieren abheben. Man sollte darob aber nicht die Sehenswürdigkeiten verpassen. Bald gerät man zum Beispiel an die würdevolle Kirche S. Quirico aus dem 14. Jahrhundert, deren Park kurz zu durchstreifen sich lohnt. Später ist es dann das – in Privatbesitz befindliche und daher nicht zugängliche – Ca’ di Ferro («Haus des Eisens»), das den Blick fesselt: ein massives Gebäudeensemble, dessen niedrig-gedrungener Wehrturm mit umlaufender Galerie so aussieht wie, ja wie?
Ich stehe und grüble und komme schliesslich darauf: wie der «Turm der Edlen» in Silenen im Kanton Uri. So dumm ist die Assoziation nicht, wird mir klar, als ich dann die Plakette am Eingang sehe und lese. Das Ca’ di Ferro wurde im 16. Jahrhundert vom Urner Hauptmann Peter A Pro für seine Söldner erbaut. So treffen sich im Tessin auch in dieser Hinsicht Nord und Süd.
Karte: Wanderkarte als PDF













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