Haben Sie ein winziges Kind und hin und wieder Verzweiflungsanfälle, weil Sie keine Ahnung haben, warum es nicht aufhört zu schreien? Das Kind, sagt die Australierin Priscilla Dunstan, schreit sehr genau, was es will. Man muss nur hinhören.
Lange dachte Dunstan, sie sei ein Freak. Sie hörte Dinge, die andere nicht hörten. Niemand konnte ihr folgen, wenn sie die übereinandergelagerten Töne knarrender Türen beschrieb oder vom Rhythmus raschelnder Blätter schwärmte. Inzwischen weiss sie, dass sie nicht nur ein überdurchschnittliches Gehör hat, sondern so etwas wie ein fotografisches Gedächtnis für Geräusche.
Als sie ein Kind bekam, hörte sie wie jede Mutter, dass ihr Baby nicht immer gleich schrie. Aber sie hörte auch immer wieder die gleichen Laute und war sicher, dass sie ein präzises Bedürfnis mitteilten: Ah, eh, nä, he, ea. Es waren immer nur diese fünf. Nach ein paar Wochen kannte sie ihre Bedeutung. Ah war Müdigkeit, eh ein unbefreiter Rülpser, nä dringender Hunger, he ein Ausdruck für Ungemütlichkeit, vor allem beim Wickeln, und bei ea war der Darm in Aufruhr.
Zu Dunstans Überraschung stimmte das nicht nur für ihren Sohn. Auch die Babys von Freunden und Bekannten beruhigten sich sofort, wenn sie bei eh an die Schulter gelegt wurden und bei neh die Flasche bekamen. Nach acht Jahren Videoaufzeichnungen in der ganzen Welt wusste sie, das neugeborene Mädchen und Buben auf allen Kontinenten die fünf Laute gleich brauchen. Ihre Untersuchungen wurden inzwischen durch unabhängige Studien – unter anderem an der renommierten amerikanischen Brown University – bestätigt. Wer das für eine kleine Entdeckung hält, hat noch nie um drei Uhr morgens ein schreiendes Baby durch die Wohnung getragen.













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