Zu Fuss

Wo ist Bella?

Nach Guggenbühel über dem Bodensee

Von Thomas Widmer

Eigentlich war geplant, dass Michael Schumacher diese Kolumne dominieren sollte, der eben zurückgetretene Formel-1-Superstar; doch dann schob sich unerwartet Bella, die Appenzeller Sennenhündin meiner Schwester, ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Vom Ausserrhoder Kurort Heiden aus waren wir vormittags losmarschiert: meine Eltern, ich und die mir anvertraute Bella. Der Weg führte uns am Freibad vorbei über Moorgrund auf den Weiler Bänziger zu, beim Ebnet vollzogen wir eine Spitzkehre, gewannen auf dem Natursträsschen im Wald Höhe und kamen zum Klaren, wo erstmals unser Ziel auf dem Wanderwegweiser stand: «Guggenbühel».

Ein Prachtsort, dieses Guggenbühel: ein Hügelrücken hoch über dem tiefblauen Bodensee; den Alpstein kann man von hier oben ebenfalls uneingeschränkt bewundern, und es streicht das Auge geniesserisch auch übers sanftgrüne Vorderland. Der Platz gefiel vor Jahren besagtem Schumacher so sehr, dass er im grossen Stil bauen wollte.

Das Vorhaben scheiterte am Zonenrecht. Doch wäre es denn so toll gewesen, wenn Schumacher in diese Gegend der bescheidenen Höfe sein Villa-Hallenbad-Pferdestall-Ensemble hätte klotzen dürfen? Über das Protzprojekt schnödend, strebten wir dem Dorf Wolfhalden zu und vernachlässigten Bella, der nun Schlimmes widerfuhr: Sie erlitt vom Elektrozaun eines Alpakageheges einen starken Schlag. Heulte auf. Sauste ab wie eine Rakete. Der Rest des Tages war Suchen – vergessen war Schumi. Wir fragten Bauern. Wir riefen in jedes Tobel. Wir durchstreiften Heiden und Wolfhalden, drehten mit dem Auto Runden. Und mussten doch ohne Bella heim.

Dann, am nächsten Tag, der erlösende Anruf vom Polizeiposten Heiden. Wir rückten aus und fanden Bella in einem Vorgarten an der Hinterbissaustrasse. Sie hatte sich, unweit des Freibades, zum Warten niedergelassen und zwanzig Stunden nicht mehr vom Fleck gerührt. Kluge, tapfere Bella. Sie hat sich im Übrigen schnell wieder erholt und ist kurz danach an der Olma als Musterbläss im Festumzug mitgelaufen. Also ein echtes Happy End.


Hin und zurück: per Bus von St. Gallen nach Heiden. Per Bus von Wolfhalden retour nach Heiden/St. Gallen.
Höhendifferenz: 100 Meter auf-, 200 abwärts.
Gaumentipp: In der über hundertjährigen Bäckerei/ Konditorei Hecht, Wolfhalden, die berühmten, bemerkenswert unklebrigen Nussgipfel mit der herben Baumnussfüllung kosten. Mi bis und mit Sa offen.

Karte: Wanderkarte als PDF

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