Nachruf

Nachruf

Der Fussballprofi Ferenc Puskás (1927–2006) war einst die Personifizierung des modernsten Angriffsspiels, das die Fussballgeschichte gekannt hat.

Von Hanspeter Born

Ein Spieler mit einem Bäuchlein, der bloss einen linken Fuss hat – heute undenkbar. Und trotzdem war Ferenc Puskás einst die Personifizierung des modernsten Angriffsspiels, das die Fussballgeschichte gekannt hat. Zwei seiner Auftritte bleiben unvergessen. Im Jahre 1953 führte der «galoppierende Major» sein Ungarn im Wembley-Stadion zum 6:3-Sieg über England, das zuvor auf heimischem Boden ungeschlagen war. Noch denkwürdiger war 1960 die Leistung des damals bereits 33-Jährigen im wohl hochklassigsten Meistercup-Final (heute Champions League) aller Zeiten, Real Madrid – Eintracht Frankfurt, 7:3. Vor 135000 mitgerissenen Zuschauern traf Puskás im Glasgower Hampden Park vier Mal. Tiefpunkt seiner Karriere war die WM in der Schweiz 1954. Im Vorrundenspiel gegen Deutschland verletzte ihn der deutsche Stopper Werner Liebrich. Im Finale, obschon noch nicht fit, spielte er wieder und erzielte gegen Deutschland auch das erste Tor. Auswechseln durfte man damals nicht, Puskás musste humpelnd miterleben, wie die Deutschen einen 0:2-Rückstand in eine 3:2-Führung verwandelten. Er vergab grösste Chancen, und kurz vor dem Schlusspfiff skorte er, doch der walisische Linienrichter winkte – nach Meinung vieler zu Unrecht – ein Offside ab.

Als die russischen Panzer 1956 die ungarische Revolution niederwalzten, weigerte sich Puskás, der in 85 Spielen mit der Nationalmannschaft 84 Tore geschossen hatte, von einer Auslandreise mit seinem Stammverein FC Honvéd Budapest zurückzukehren. Nach Absitzen einer 18-monatigen Sperre unterschrieb er bei Real Madrid, wo er – trotz anfänglichem Übergewicht von 18 Kilo – zum vierfachen Torschützenkönig der Primera Liga avancierte und mit den «Königlichen» (bevor sie zu den «Galácticos» wurden) fünf Titel in Folge holte. Sein Torinstinkt war einmalig, sein Spielverständnis demjenigen seines genialen Real-Partners Di Stéfano ebenbürtig, seine Distanzschüsse waren tödlich.

Meine lebhafteste Erinnerung datiert von einem Spiel gegen Barcelona, 1958, damals noch im Stadion Juan Gamper. Auf der Gegenseite spielten zwei seiner Ex-Kollegen aus dem Nationalteam, Kocsis und Czibor, sowie ein dritter begnadeter Ungar, Kubala. Im Laufe des Spiels, das Barça 4:0 gewinnen sollte, kam es zu einem Handgemenge unter den Spielern. Während der Schiedsrichter die Streithähne trennte, stand Puskás abseits vom Getümmel und jonglierte seelenruhig den Ball – selbstverständlich mit dem linken Fuss.

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