Zu Fuss

Ein Fall für den Fall

Durchs Naturschutzgebiet, wenn wenig Leute unterwegs sind, die Beiz zu und der Parkplatz leer ist.

Von Thomas Widmer

Das Restaurant «Pochtenfall» im Suldtal ist ein schöner Ort: gemütliche Gaststube mit Schwedenofen, rustikales Essen, nette Wirtsleute. Warum also soll man von Aeschiried zum «Pochtenfall» laufen und retour, jetzt, wo die Saison zu Ende ist? Nun – genau darum: Weil es einen eigenen Genuss bereitet, durchs Naturschutzgebiet zu gehen, wenn kaum Leute unterwegs sind, die Beiz zu ist, der Parkplatz leer bleibt. Wer an dieser Idee keinen Gefallen findet, der übe sich in Geduld: Im Mai öffnet der «Pochtenfall» wieder.

Kennenlernen muss man den speziellen Flecken auf jeden Fall. Grossartig schon die Anreise: wie der Bus von Spiez her 350 Meter steigt; die Gemeinde Aeschi bei Spiez, zu der Aeschiried gehört und deren Name sich ableitet von Althochdeutsch «ascahi» gleich «Eschengehölz», liegt unter dem Niesen auf der mächtigen Mittelmoräne der einstigen Zungen des Kander- und des Aaregletschers. Beim Schulhaus Aeschiried ist Endstation, braucht man Proviant, hat’s gegenüber einen Laden. Der Wanderweg führt nun eine Stunde lang mehr oder minder geradeaus durchs enge Suldtal, wobei man vom Strässchen bald rechts hinab zum Bach steigt. In dem wilden Terrain an dessen Ufern – umgestürzte, modernde Bäume, Felsklötze, nasser Boden, hoher Farn – sollen seltene Orchideenarten gedeihen, habe ich gelesen; als totaler Pflanzenignorant würde ich diese Preziosen allerdings ebenso wenig erkennen wie die auch anzutreffende Türkenbundlilie und die Alpenakelei.

Beim Restaurant «Pochtenfall» ist fertig gemütlich: Hier beginnt ein dreiviertelstündiger Rundweg, der recht steil ist. Man sollte ihn momentan, obwohl er wirklich nicht mehr ist als ein coupierter Waldpfad in feuchtem Gelände, nicht allein begehen; denn eben, wer weiss, ob dieser Tage bald jemand käme, wenn man gestürzt wäre, sich den Fuss verknackst hätte, Hilfe bräuchte. Aber die Route lohnt sich. Mein Vorschlag: in nördlicher Richtung in den Kreis einsteigen. Nach fünfzehn anstrengenden Minuten mischt sich dann ein sonores Tosen ins Rauschen des Wildbachs. Ein Terrässchen kommt in Sicht mit einer Bank, man nimmt Platz, und voilà: der Pochtenfall. Im Unterschied zum gleichnamigen Restaurant ist er auch im November für uns Wanderer da.


Hin und retour: Buslinie Spiez–Aeschiried Schulhaus
Höhendifferenz: auf- und abwärts je 200 Meter
Einkehr: in Aeschiried und Aeschi

Karte: Wanderkarte als PDF

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