Zu Fuss

Im Wadi Safi

Über den Safierberg

Von Thomas Widmer

Splügen von oben: weisses Mauerwerk und sonnengeschwärztes Holz. Während ich zur Gadenstatt aufsteige, schaue ich immer wieder zurück und bewundere das wakkerpreisgekrönte Dorf, in dem ich gestartet bin. Vor mir liegt der Safierberg, eigentlich weniger ein Berg als ein Pass – und Teil einer alten Handelsroute: Einst fürchteten die Leute, die mit ihren Waren vom Süden her über den Splügenpass und den San Bernardino kamen, die verkehrstechnisch mangelhaft gebändigte Gruselschlucht Via Mala weiter unten am Hinterrhein. Darum bogen sie in Splügen links ab und hielten über den Safierberg ins Safiental und zum Vorderrhein hinunter.

Via Gadenstatt gelange ich auf die Stutzalp, die sich in ein kilometerlanges, enges Tal schmiegt, in dem ausser zwei, drei Hütten und vielen blökenden Schafen nichts ist. Oben, auf dem Rücken des Safierbergs, 2486 Meter über Meer, bin ich berückt: Ungeheuer weit zeigt sich vor mir jetzt das Safiental samt der Rabiusa, dem Talfluss, der mal auf die eine, mal auf die andere Seite auskeilt und sich mehr Platz nimmt, als er brauchte; vor dem «Turrahus», einer Kombination aus Gasthof und Busendhaltestelle, weitet sich das Flussbett dann gar zu einem 200 Meter breiten Geschiebefeld. Hernach allerdings wird die Rabiusa, deren Name mit dem lateinischen «rabiosus» gleich «wütend, zornig» in Verbindung gebracht wird, durch das Staubecken Wanna schnöd entmachtet.

Auf der «Turrahus»-Terrasse den Bus erwartend, sinniere ich über eine wilde Theorie, die mir kürzlich ein esoterischer Bündner vortrug: Das Safiental sei von den Arabern des Frühislams erschlossen und zivilisiert worden. Aus der Sicht des Historikers ist das Spekulation am Rand des Abstrusen. Anderseits fällt mir nun ein, dass «safi» auf Arabisch (ich lernte die Sprache an der Uni) «rein, pur» heisst. Das passt vorzüglich zu dem lichten Wadi, pardon: Tal, das man auf einer einstündigen Busfahrt lauteren Gemütes verlässt.

Hin und zurück: Bus von Chur nach Splügen (reservieren!) – Bus vom «Turrahus» (Online-Fahrplan: «Thalkirch Turrahus») via Thalkirch zum Bahnhof Versam-Safien und mit der Bahn nach Chur; ab 16. Oktober muss man für die Strecke «Turrahus»–Thalkirch Alte Post reservieren.

Höhendifferenz: 1000 Meter auf-, 800 abwärts Schlenderalternative: Vom «Turrahus» taleinwärts zum Geschiebefeld der Rabiusa hinter dem Staubecken und zurück. Eine Stunde Gehzeit, kaum Höhendifferenz

Einkehr: «Turrahus», Saisonende 31. Oktober.
Hier kann man auch übernachten. www.turrahus.ch
Karte: Wanderkarte als PDF

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