Reverend Jerry Falwell ist nicht der einzige, aber sicher einer der prominentesten Republikaner in den USA, die glauben, dass es Gottes Wille ist, dass die Republikaner bei den Kongresswahlen im kommenden November gewinnen. Der Evangelikale hat auch sonst beeindruckende Überzeugungen. Er gründete eine einst sehr erfolgreiche Bewegung namens «Moralische Mehrheit» – eine beneidenswerte Idee. Wer möchte nicht den Mut haben, eine Behauptung in die Welt zu setzen, deren Mehrheitsfähigkeit man nur glauben kann und nie beweisen muss?
Aber der Reverend hat auch krause Ideen. Im Propheten Mohammed erkannte er ganz klar einen Terroristen. So weit ging nicht einmal Oriana Fallaci. Und für den 11. September, sagt er, solle man Abtreibungsbefürworter, Feministinnen, Schwule und Lesben zur Verantwortung ziehen. Ja, wen denn nun? Den östlichen Propheten oder den westlichen Sündenpfuhl? Man bringt es nicht leicht zusammen im Kopf. Oder doch.
Am letzten Wochenende versammelten sich rund 2000 Anhänger in Washington, um dem Prediger bei einem sogenannten Gipfel der Wertewähler zuzuhören. New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, warnte Falwell, sei viel zu gemässigt. Keinesfalls dürfe er Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden. Seine demokratische Wunschkandidatin hingegen war klar: «Ich hoffe natürlich, dass es Hillary ist. Sie hat bisher 300 Millionen Dollar gesammelt. Aber nichts wird meine Wähler so elektrisieren wie Hillary Clinton. Selbst wenn Luzifer kandidieren würde, könnte er das nicht schaffen.» Dröhnender Applaus. – Nach offiziellen Abrechnungen hat Hillary Clinton 47 Millionen Dollar Wahlgelder gesammelt. Aber das ist nun wirklich nebensächlich.
27.09.2006, Ausgabe 39/06
Findling
Heiliger Bimbam
Hillary Clinton, der Prediger und die Präsidentschaftswahlen.

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