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Editorial

Neuste Erkenntnisse der Hirnforschung: Das weibliche Gehirn funktioniert anders

Von Markus Somm

Dass wir Männer am Tag bloss 7000 Wörter benutzen, während die Frauen 20000 aussprechen, mag für unsere Effizienz sprechen, sofern wir mitteilen, was zu berichten ist, gleichzeitig wird klar: Das schafft zwischenmenschliche Probleme. Männer und Frauen sind verschieden – was jahrtausendelang auf der Hand lag, war in den vergangenen Jahrzehnten unter dem Eindruck der feministischen Debatte zu einem sozialen Konstrukt erklärt worden, wie das so schön verständlich hiess. Als Mann war man in fortschrittlichen Kreisen gut beraten, sich weniger um männliche Eigenheiten und weibliche Stärken zu kümmern, als sich vielmehr dafür zu schämen, wie leicht man sich doch von patriarchalischen Vorurteilen leiten liess: Ich kann mich gut erinnern, wie ich in einer Lesegruppe, wo wir an einem unlesbaren Buch von Judith Butler kauten, verunsichert die Frage stellte, ob die Tatsache, dass wir Männer keine Kinder gebären können, womöglich doch darauf hinweist, dass Unterschiede – ja biologischer Art – bestehen. Gender hin oder her. Später, als die eigenen Kinder sich nicht an das feministische Programm hielten und die Mädchen sich partout mit Puppen abgaben, während der Knabe mit leuchtenden Augen Waffen an sich riss und auf uns richtete, obwohl wir nie für die gewalttätige Austragung von Konflikten eingetreten waren, kamen Zweifel auf. Aus qualvoller Unsicherheit wurde alsbald helle Gewissheit: Es bestehen Differenzen – und wir haben sie unseren Kindern nicht anerzogen.

«The Female Brain» heisst ein Buch, das innert kurzer Zeit die Bestsellerliste der New York Times stürmte und in amerikanischen Intelligenzkreisen zum bevorzugten Gesprächsstoff am Esstisch wurde. Die Neuropsychiaterin Louann Brizendine, selbst eine Feministin, hat darin die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung aufbereitet und mit eigenen Untersuchungen ergänzt, um eines der alten Jahrhunderträtsel zu entschlüsseln, das uns Männer zur Verzweiflung treibt:

Was will die Frau? Dass das weibliche Gehirn anders funktioniert als das männliche, diesen unwiderlegbaren Befund zu verdauen, fiel auch Brizendine nicht leicht. Sie sei jahrelang hin- und hergerissen gewesen «zwischen meinen politischen Überzeugungen und dem, was die Wissenschaft uns sagt. Ich wusste, dass das, was ich zu sagen habe, politisch nicht korrekt ist, denn ich glaube, dass Frauen die Welt tatsächlich anders wahrnehmen als Männer.» Beatrice Schlag über ein Buch, das alte Vorurteile bestätigt und neue zerstört.

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