Nachruf

Nachruf

Taufa’ahau Tupou IV. (1918–2006)

Von Sandro Benini

Er war der König von Tonga, einem aus 170 Inseln bestehenden und von 110000 Menschen bewohnten Südseearchipel an der Datumsgrenze. 1976 würdigte ihn das Guinness-Buch der Rekorde als schwergewichtigstes Staatsoberhaupt der Welt, brachte der 1,90 Meter grosse Monarch doch 210 Kilo auf die Waage. Auf einem Dreirad mit extrabreitem Sattel rollte er jeweils durch sein Reich, für seine Teilnahme an der Hochzeit zwischen Prinz Charles und Lady Diana musste ein Sondersessel angefertigt werden. Schliesslich redete ihm ein Leibarzt dermassen ins Gewissen, dass er 80 Kilogramm abspeckte.

Taufa’ahau Tupou IV. hatte in Australien Jus studiert, diente seinem Land als Erziehungs- und Gesundheitsminister und wurde 1965 zum König gekrönt. Als glühender Verehrer Bismarcks sprach er fliessend Deutsch.

Vor allem in der letzten Phase seiner Regentschaft untergrub er die traditionelle Hochachtung, welche die Inselbewohner gegenüber der Königsfamilie empfinden, indem er sich in Finanzskandale verwickeln liess, asiatische Wirtschaftskriminelle mit tongaischen Pässen versorgte, einen immer autokratischeren Regierungsstil pflegte und durch allerlei Extravaganzen Zweifel an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit säte. Einen amerikanischen Unternehmer liess er offiziell zum Hofnarren ernennen. Aus den USA wollte er dreissig Millionen alter Autoreifen importieren, um sie als Brennstoff zu verwenden. Er schlug Kirgisien und Usbekistan den Tausch von einheimischem Zucker gegen Uran vor, um nahe dem Königspalast ein Atomkraftwerk und eine Abschussrampe für Weltraumtouristen zu errichten. Er plante, eine Lagune auszupumpen, um sie mit iranischem Rohöl zu füllen. Einer südkoreanischen Sekte wollte er einen Generator abkaufen, der angeblich Salzwasser in Gas verwandeln konnte – aber nur mit Hilfe von Gebeten. Die Ärzte des Inselstaats mussten mit kollektiver Auswanderung drohen, um ihren Herrscher vom Vorhaben abzubringen, jährlich vier Millionen Liter Giftmüll zu deponieren.

Während die Königsfamilie und die Adelsgeschlechter protzten, machte sich unter Tongas Bevölkerung Armut breit. In den letzten Jahren entstand eine Demokratiebewegung, die Taufa’ahau Tupou IV. bekämpfte, indem er deren Zeitungen verbot. Am 10.September ist er nach langer Krankheit in Neuseeland gestorben. Zum neuen König von Tonga wurde sein Sohn George Tupou V. ernannt.

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