CD-Tipps

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The Veils, Joan As Police Woman, Blusbueb

Von Albert Kuhn

Haut rein

Nux vomica, deutsch: Brechnuss, auch Krähenaugen- oder Strychninbaum genannt, wächst in Südostasien, die giftigen Samen werden seit tausend Jahren gegen Stress, Schlafmangel und Kater verwendet. The Veils aus Neuseeland brettern ihren countryhaltigen Rock ’n’ Roll in atemberaubender Intensität, vermischen Süsse mit Bitterstoffen, schrauben ihre repetitiven Riffs im Schritttempo in verschiedene Formen von Ekstasen hinein. Die Band könnte auch Bonnie-Prince-Billy-Verwandte in Rock genannt werden – aber hätte man einen Moment länger nachgedacht, hätte einem noch vorher Nick Cave einfallen müssen: ein Cave mit kongenialer Begleitband. Schon der Vorgänger «The Runaway Found» war ein Hammer, dann wäre das hier der Dampfhammer. Üble Kritiker-Fantasie: den Ständerat, die Börse, Plüsch-Fans oder DRS-3-Tageshörer The Veils ausliefern.

The Veils: Nux Vomica. Phonag



Macht an

«Real Life» von Joan As Police Woman erschien schon im Sommer, darf aber nicht unbesprochen bleiben. Vergleiche sind immer Ausdruck von Verlegenheit und Überfordertsein. Verglichen wurde Joan also mit: Joni Mitchell für den überlegt überlegenen Folk. Mit Beth Gibbons für die Transzendenz der Melodie. Mit Kim Gordon für ihren Mut. Mit Dusty Springfield wegen der Soul-Tradition. Mit Chrissie Hynde für ihren Tick Schnoddrigkeit. Und mit Nina Simone für den Zauber der Ausstrahlung. Joan selbst meint: «Schöne Musik ist der neue Punkrock.» Live in Strassburg am 22.9., Genf 14.11., Zürich 15.11.

Joan As Police Woman: Real Life. Musikvertrieb



Geht ab

Es fängt natürlich mit «tschou zäme» an. Blusbueb ist im Stall unter Chüngeln, Hühnern und Schafen, die er harassenweise mit Rüben füttert. Dann dreht er seine Rockband an, und, momoll, das geht ab wie die gesengte Sau aus Mexiko. In Song zwei geht’s gesitteter zu, eine Mandoline, es geht um eine Autobombe, um Guantánamo (muss irgendein Fusel sein) und die Zunahme des absolut Unwahrscheinlichen. «Sie legen e Bombe. Und wider e Bombe.» Blusbueb ist vom One-Trick-Pony zum scharfen Araber mutiert, beweist Lockerheit mit heiklen Dingen, verbindet Humor mit Hardrock und eingängige Refrains mit heissen Katastrophen.

Blusbueb: Fress di Rüebe. RecRec

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