Der Bus von Schwyz ins Muotatal hat einen Infoscreen, laut dem der Fahrer dieses Morgens Karl Reichlin heisst. Herr Reichlin entlässt mich fahrplangenau um 08.38 bei der Endhaltestelle «Muotathal, hintere Brücke». Ich verabschiede mich, quere die Brücke, wähle die Pragelpassstrasse bergan und bleibe 45 Minuten auf ihr, ohne mich von einer Wanderabzweigung ins Bisistal verführen zu lassen; erst auf 912 Metern verlasse ich die Strasse dort, wo rechts ein Wanderwegweiser im spitzen Winkel retour Richtung «Grossband» zeigt.
Hinter dem Haus «Fedli» wird’s wild. Das Grossband ist ein zwei Kilometer weit einigermassen waagrecht durch eine Felswand führender schmaler Waldstreifen: Oben und unten rahmen ihn senkrechte Fluhen. Gut eine Stunde strebe ich auf atemraubendem und doch sicherem Pfad vorwärts, wobei ich auch einen Panoramapunkt genau über der langgezogenen Gemeinde Muotathal passiere und die Muota 350 Meter tiefer gen Westen strömen sehe. Schliesslich spuckt mich das Grossband, dessen Felsen in edlem Stahlblau schimmern, vor der Alp Unter Gschwänd aus.
Folgt ein zweites Naturwunder: Via die Alp Ober Gschwänd, wo man etwas trinken kann, und via Mittenwald erreiche ich den Bödmerenwald, den grössten Fichten-Urwald der Alpen. Er blieb im Kern unbewirtschaftet, weil er auf Schrattenkalk steht; das Wasser hat Schrunden in den weichen Stein gefressen, der über viele Hektaren aussieht, als hätte ein rasender Dämon alle dreissig Zentimeter mit einem Riesenmesser einen metertiefen Schnitt gehackt – wie wollte einer in dem Gelände Bäume fällen und abführen?
Eine Stunde gehe ich durch den Urwald: weisser Kalk, Moderholz, mannshoher Huflattich, uralte Bäume. Via Roggenloch und Chalberloch gelange ich alsbald auf den Pragelpass. Bis hinunter zur Richisau auf der Glarner Seite dauert es noch einmal anderthalb Stunden. Aber wenn man in der «Pragelpasshöhe» einen «Kaffee Muuh» mit Nidel und Baileys einnimmt, absolviert man die Reststrecke beschwingt. Am Schluss hat man dann aussergewöhnlich viel gesehen.
Heimreise: Buslinie Richisau–Klöntalersee–Glarus; der Bus fährt bis und mit 15. Oktober.
Höhendifferenz: 900 Meter auf-, 400 abwärts.
Einkehr: Das Alprestaurant «Pragelpasshöhe» ist bis mindestens Ende September geöffnet: 041 830 12 25. Die «Richisau» hat bis 5. November offen.
www.richisau.ch
Karte: Wanderkarte als PDF













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