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Editorial

Verschwörungstheorien – Obskurantismus an der ETH – Wahlen in Schweden

Von Markus Somm

Um die Intellektuellen eines Landes muss man sich Sorgen machen, wenn sie, statt auf Fakten und Logik zu setzen, mit hochgezogener Augenbraue, mit Zwinkern und flüsternder Stimme Verschwörungstheorien verbreiten. An der ETH Zürich arbeiten Forscher, die in allem Ernst andeuten, dass die amerikanische Regierung selbst die Attacken von 9/11 befohlen hat. Auch andere Anschläge gelten an der ETH als verdächtig. Es bestehe «die ernsthafte Gefahr, dass einige der Terroranschläge, die heute den Muslimen angelastet werden, von radikalen Christen inszeniert wurden», sagt Daniele Ganser, Mitarbeiter an der ETH-Forschungsstelle für Sicherheitspolitik, in einem Interview mit dem Internetportal Muslim-Markt, «nur beweisen kann man das heute noch nicht, vielleicht aber in fünf Jahren, wir sollten sehr wachsam sein und uns nicht aufhetzen lassen.» London, Bali, Madrid: alles Schwindel? Die CIA oder eine gefährliche Pfingstkirche?


Solche Forschungsergebnisse müssen beunruhigen. Erstens entspricht die Qualität der Sozialwissenschaften an der ETH offensichtlich nicht dem Standard der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Statt Wissenschaft lehrt man an der sicherheitspolitischen Forschungsstelle neuerdings Obskurantismus. Zweitens beschleicht einen das flaue Gefühl, dass vor lauter Hass auf Amerika auch in der Schweiz immer mehr Leute einer Art Arabisierung verfallen: Im arabischen Raum dienen Verschwörungstheorien von jeher dazu, den eigenen Niedergang auf eine schmerzfreie Weise erträglich zu gestalten. Schuld sind immer die Amerikaner – sind wir in der Schweiz bereits so abgerutscht, dass wir einer ähnlichen Geistesverfassung erliegen? Philipp Gut hat den Stand der Schweizer Verschwörungswissenschaft untersucht.


Kommenden Sonntag wählen die Schweden einen neuen Reichstag. Denkbar ist, dass die machterprobten Sozialdemokraten abgewählt werden, doch selbst wenn die Bürgerlichen an die Regierung gelangen, dürfte der schwedische Wohlfahrtsstaat nicht zur Disposition stehen. Der Staat mit den wohl höchsten Steuern der Welt (Spitzensteuersatz bis zu 73 Prozent), einer beeindruckenden Staatsquote (56 Prozent) und ebenso hohem Wirtschaftswachstum (aktuell 5,6 Prozent) ist ein Rätsel und ein Vorbild. Kein Modell wird so oft bewundert und zur Nachahmung empfohlen. Was steckt dahinter? Ein Wunder oder ein Schwindel?

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