CD-Tipps

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JB Dunckel: Darkel; The Mars Volta: Amputechture; Blue La Trüff: E chlini Minute

Von Albert Kuhn

Der will nur spielen
Sie kennen Air nicht? Wo waren Sie die letzten elf Jahre? Air sind das Wichtigste und Schönste, was der französischen Musik seither geschah. Jean-Benoît Dunckel, die eine Hälfte des Duos, macht nun ein Wortspiel mit seinem Namen und nennt sein Solowerk «Darkel». Das Album ist nicht nur düster, die Single «At The End of The Sky» ist dank Dunckels Schmetterlingsstimme und einem leichten Country-Touch ein veritables Pop-Leichtgewicht. Es französelt markant, klingt häufig nach France Gall und Lio – einmal bei einer Kamilleninfusion, dann wieder auf Overdrive. Zwei Dinge, sagt Dunckel im Telefoninterview euphorisch, hätte er realisieren wollen: mystische und emotionale Songs zu schreiben. Und die Texte sollten englisch sein, aber Pariser Englisch, voll imperfekt mit spitzem I: «You beautiful woman, you turn me on.» Es hört sich an wie ein Kind im Sandkasten, es gibt kein Konzept ausser Spielen. Eines der Meisterwerke ist «Pearl», ein Pianosong mit dünner Schrummgitarre im Echo und Katholenglocken am richtigen Ort. Spaciger Höhepunkt ist «Earth» mit dem Schachtelsatz: «We belong to se earth / Doesn’t belong to us.» Ein Tranquilizer: Air haben sich nicht aufgelöst, Anfang 2007 erscheint die Sechste.

JB Dunckel: Darkel. EMI



Die breiten sich aus

The Mars Volta gelten seit ihrem Auftauchen im Jahr 2002 als das Höchste in Sachen progressivem Rock, einer Sparte, die seit Punk erledigt schien. Die neue von The Mars Volta klingt wie der Twin-Peak-Soundtrack auf 180 oder auch wie die verwickelten Gedankengänge von David Lynch selbst. Wo auf dem letzten Album Stimmungen kaputtgespielt wurden, dürfen sie sich hier ausbreiten. Aber Obacht: Lebensgefahr für Plüsch- und Springsteen-Fans.

The Mars Volta: Amputechture. Universal



Das hört man gern

Ein neuer Ton im Berner Rock. Blue La Trüff, eine Band ohne selbstauferlegte Trägheit, in Wahrhaftigkeit dem Alltag auf der Spur. Die Nase am Fenster des Exfreunds. Den Elvis aus Bümpliz im Kopf. Mal nichts zu sagen haben. Wo die Band perfekt begleitet, riskiert Sängerin Blue La Trüff auf Schritt und Tritt, tritt in Fettnäpfchen, platziert Banales, phrasiert eigenwillig. Vorbild könnte Kuno Lauener sein; schön, dass es eine Frau ist, die hier spielt.

Blue La Trüff: E chlini Minute. Smart Music

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