Sie werden grösser und grösser. The Roots, seit 15 Jahren die etwas andere, weil etwas hartnäckigere Hip-Hop-Crew aus Philadelphia. Steigen unaufhaltsam auf, obwohl es an der Spitze des US-Rap so unheimlich eng wird, dass sich die Über-Rapper nur als selbstdesignte Comicfiguren gegeneinander abgrenzen und halten können: Eminem, der irre Rap-Clown mit Kuschelfaktor dank schlimmer Kindheit. Jay-Z als der nett gewordene Böse mit eigenem Imperium. Sowie 50 Cent, der Ex-Gangster mit V8-Oberkörper, den sich nicht mal Madonna als Bodyguard leisten kann. Sie alle haben im Urin, was sie ihrem Image schuldig sind – eine aufs jeweilige Image abgestimmte Mischung von Kurz-über-die-Stränge-Schlagen und Dann-wieder-die-MTV-Highlife-Markenartikel-Rap-Karriere-Bedienen. Derart hektisch eindimensional wird und bleibt man celeb auf dem Lonely Planet zwischen Bronx und LA.
Wer dagegen kennt schon Black Thought, den MC von The Roots? Einer, der kein Image hat und sich auch keins zulegen will? Von ihm weiss man bloss, dass er eineinhalb Jahrzehnte lang keine schwache Zeile von sich gab. Und damit einen schon fast irreal turmhohen Respekt erwirkt hat: «Oil for food – but they still hungry.» Einer hat das sehr wohl erkannt: 2006 veröffentlichen The Roots auf Def Jam, Jay-Zs hochangesehenem Eastcoast-Label.
Ob deswegen oder überhaupt: Das neue von The Roots ist nicht nur unter ihren sieben Alben an der Spitze, sondern wohl das Vielfältigste, Überraschendste, Dringendste und Grösste, was dieses Jahr an Rap überhaupt erschienen ist. Beispiele: «False Media» zündet mit dem Stroboskop in die Dunkelheit, genannt USA Today, und dies so hammerhart wie einnehmend, so kristallklar wie detailreich. Titeltrack «Game Theory» und «Here I Come» sind Attacken in schärfster Public-Enemy-Tradition: «I’m bout ready for a classic massacre, make it hotter than when Shaft in Africa.» Und «Livin’ In A New World» bringt alles, was Beck je beabsichtigt hat, in einem einzigen Track – bloss doppelt so gut.
Wer The Roots als alternative Rap-Truppe versteht, hat nur die Hälfte begriffen. Ja, sie spielen Instrumente wie eine Band, ja, sie sind Gutmenschen und starten in jedem Album die Karriere eines jungen Nachwuchs-Rappers (hier ist es Jack Davey). Was aber Message-Muskel und Sound-Weisheit betrifft, kann man nicht hoch genug greifen: The Roots sind der triple serious Wu-Tang Clan für die Zeit nach Babylon. Im Direktvergleich wird 50 Cent zum Preisboxer.
The Roots: Game Theory. Universal













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