Zu Fuss

Nuss und Gipfel

Die aparte Farneren garantiert Gehfreude

Von Thomas Widmer

Fürstein, Schimbrig und Schrattenflue stellen zur Rechten und Linken der Waldemme berühmte Wanderziele dar – Glücksmöglichkeiten in Bergform. Weniger bekannt ist in derselben Gegend die aparte Farneren, die ebenfalls Gehfreude garantiert; voralpin grünbegrast und sanftgerundet präsentiert sich bei ihrer Besteigung vorerst die Landschaft des Entlebuchs, als Antithese zu dieser Lieblichkeit kommt im zweiten Teil der Tour allmählich die schroffe Kette der fünf Kalkfluen von Torflue bis Schwändiliflue näher, unter welch Letzterer man endlich das stolze Dorf Flühli erreicht. Flühli, Luzern, wohlgemerkt; nicht Flüeli-Ranft, Obwalden.

Startpunkt der Unternehmung ist der Bahnhof Schüpfheim; vom Ort aus hat man die Farneren vor Augen. Die Direttissima über Stolen ist freilich ruppig; ich empfehle daher, auch wenn es einen Umweg bedeutet, vorerst hinauf nach Heiligkreuz zu halten. Dieses Teilstück ist ein Pilgerweg und endet bei der Wallfahrtskirche, die inmitten eines kleinen Häuserensembles auf einer Geländeterrasse steht; die abgehärmten Nonnen, die man hier nordicwalken sieht, wohnen im nahen Schwestern-Erholungsheim. Auch einkehren kann man in dem Weiler; man bekommt im Kurhaus «Heiligkreuz» einen Nussgipfel serviert, der in Frische der Kruste und Feinheit der Textur wieder einmal meine These bestätigt: Die Katholiken backen im Vergleich mit den Protestanten die besseren Süsswaren.

Weiter geht’s vom Heiligkreuz auf den nahen Grat und dann zum Berghaus «First», einem grauslichen Irgendwie-sechziger-oder-siebziger-Jahre-Stil-Verschnitt. Aber die Terrasse der Beiz ist reizvoll, man sieht nun wunderbar nah den Schimbrig und blickt in die idyllischen Täler der Kleinen und der Grossen Entlen. Ist man eine Stunde später auf 1572 Metern über Meer am Ziel angelangt, setzt man sich auf dem Flysch-Gupf der Farneren vor dem riesigen Kreuz in die Wiese. Geniesst das Panorama. Und ruht, bis einen das grosse Unbekannte in Form des noch vor einem liegenden Wanderweges wieder von dannen lockt und via Finishütte, Baumgarten und Salzbüel hinab nach Flühli führt.

Höhendifferenz: 850 Meter auf-, 700 abwärts
Ruhetage: «Heiligkreuz» montags / «First» donnerstags
Heimreise: mit dem Bus retour nach Schüpfheim SBB
Zweitäger: Übernachtung in Flühli. Dann in sechs Stunden über die Haglere (1948 Meter) nach Sörenberg. Mit dem Bus retour nach Schüpfheim SBB
Karte: Wanderkarte als PDF

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