«Ich lese von dir jetzt immer als ‹der Fotokünstler›, wie kommt das?» – «Wie das kommt? Ich hab keine Ahnung. Ich mach auch noch Musik. Die Fotografie war eine accidental career, und jeder schreibt das halt. Aber ich bin eigentlich Popkünstler, auch in den Fotos bin ich ja relativ pop, glaub ich.» – «Irgendwie ist heute jeder Fotokünstler.» – «Anscheinend ist zurzeit die Zeit der Fotokünstler, und die Popmusik ist in den Hintergrund getreten, weil das so das Feld der achtziger, neunziger Jahre gewesen ist.» – «Fotokünstler ist ja auch nicht schlecht.» – «Ja, schon, ich mein, es ist so, dass ich das gar nicht wollte. Ich hab einfach Fotos gemacht, und dann hat Erwin Wurm sie gesehen und gesagt, wir müssen unbedingt was ausstellen, das ist ein tolles Konzept.» (Wurm ist auch Fotokünstler; von Hohenlohe fotografiert Strassenszenen, überall auf der Welt, und sein Spiegelbild ist auch immer mit drauf.)
Wir sind in Berlin, im Puma-Geschäft am Hackeschen Markt. (Er hat in letzter Zeit auch Fussballstars fotografiert, Zinédine Zidane etwa, und deshalb hat ihn Puma Journalisten zum Interview angeboten.) Hubertus «Hubsi» Prinz von Hohenlohe, 47, Sohn von Ira von Fürstenberg und Alfonso Hohenlohe. (Der Vater, der vor einigen Jahren starb, war eigentlich nicht reich, hatte gearbeitet.) Ich habe ihn schon mal getroffen, vor zwei Jahren in Wien, wo er wohnt. (Aber ich finde, er ist gut für zwei Kolumnen, im Minimum.) Zudem war es derselbe Termin, an dem ich noch Samuel Eto’o, den Fussballer vom FC Barcelona, traf. (Und so bin ich wenigstens nicht nur für das Sieben-Minuten-«Interview» mit dem nach Berlin geflogen.) Früher war er Skirennfahrer, machte bei Olympischen Spielen mit für Mexiko, wo er geboren wurde. Und er ist einer der beschäftigtsten Menschen, die ich kenne, so beschäftigt, dass er keine Zeit hat für einen Beruf. (Letztes Mal war er Popmusiker, die Platte hiess «Busy going nowhere».) Und er ist einer der bestaufgelegten Menschen, wie Roberto Blanco, nur echt. Vielleicht weil er Ende der siebziger Jahre im «Studio 54», einem Club in New York, so was wie ein Star war («a real prince from Europe», habe ihn Andy Warhol damals vorgestellt). Und er so viele Mädchen kennen lernte, dass es bis heute nachwirkt, falls das geht. (Seine E-Mail-Adresse, nebenbei, ist «Therealprince». Er hat auch eine richtige Freundin seit einigen Jahren.)
«Hast du wieder eine neue Platte?» – «Ja, jetzt kommt gleich eine, die heisst ‹Never random›.» (Er hat immer was Neues, und das kommt immer gleich.) «‹Never random›, wofür steht das?» – «Dafür, dass das Leben faktisch kein Zufall ist, sondern alles irgendwie vorbestimmt. Ganz cool, eigentlich.» – «Hast du jetzt ein besseres Management, letztes Mal warst du ja nicht zufrieden damit?» – «Es ist immer noch sehr schwierig, weil’s den Plattenfirmen schlechter geht, weisst du. Der geschäftliche Teil von der Musik ist eigentlich viel zu mühsam, dafür, wie toll es ist, Musik zu machen. Ich seh das auch bei Yello, wenn ich mit Dieter rede.» (Meier, Dieter Meier, wohl der Schweizer Nummer-1-Name für Namedropping, das muss man ihm lassen. Im Ausland jedenfalls.)
«Du bist immer unterwegs, fast wie deine Mutter, reist du oft in Privatjets eigentlich?» (Ira von Fürstenberg soll seit Jahrzehnten nie mehr länger als eine Woche am selben Ort gewesen sein, sagt man.) «Ein bisschen, ab und zu mitfliegen mit irgendwelchen Leuten ist doch total lustig. Der Höhepunkt war Khashoggi, der hat uns mal eine Boeing 737 nach Deutschland geschickt, für eine Party in Marbella, da war hinten ein Masseur drin mit Massagetisch, und die Frauen waren ausgesucht, mit Décolleté und allem Drum und Dran, richtig dekadent.» (Adnan Khashoggi, ein Araber, war später im Gefängnis in Bern, wegen Verdachts auf Waffenhandel.)
«Fährst du eigentlich noch Skirennen?» – «Ja, ich hab mich qualifiziert für den Weltcup der Abfahrt, den Super-G, für alles.» – «Wirklich? Ich hab dich gar nicht gesehen im Fernsehen, glaub ich.» – «Leider Gottes konnt ich dann nicht fahren, weil die Mexikaner, unselig, die Teilnahme zurückgezogen haben, drei Tage vorher. Vollkommen sinnlos.» – «Irgendwie scheinst du äusserlich nicht älter zu werden, obwohl du so ein busy life führst. Hast du ein Bild auf dem Dach, das für dich altert, wie Dorian Gray?» – «Um Gottes willen, nein.» – «Dann besteht also noch Hoffnung für andere Männer, dass du auch mal älter wirst?» – «Ja, und zwar bald.»
Hubertus von Hohenlohe, «Miroirs»,
Galerie du Passage, 20–26, galerie Véro-Dodat, Paris,
Telefon +33 1 42 36 01 13, bis 29. Juli
Hubertus von Hohenlohes Lieblingsrestaurant:
Borchardt, Französische Strasse 47, Berlin,
Telefon +49 30 81 88 62 62













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