Fernsehkritik der reinen Vernunft

Happy Halloween

«Eurovision Song Contest 2006» und «Tatjana & Foffi»

Von Gion Mathias Cavelty

«Was für dich: du musst den 20.5. dick anstreichen in deiner Watchlist», hiess es in der E-Mail eines befreundeten Künstlers, folgender Artikel war attached: «Eurovision Song Contest: Finnland schickt Satanisten ins Rennen – Während die Schweizer Vertreter von Six4one mit einem Wohlfühlsong für eine bessere Welt singen, schickt Finnland eine bitterböse Black-Metal-Truppe an den Start: Die Band Lordi singt über Massenmörder und den Teufel, ihre Mitglieder sind als Monster verkleidet...[bla bla bla]...tragen Satansflügel aus Latex...[bladibla]...singen Songs wie ‹Chainsaw Buffet›...[gääähn]...veranstalten auf der Bühne regelmässig schockierende Rituale mit bluttriefenden Fleischstücken...»

Nett gemeint, aber etwas Harmloseres als Lordi gibt es auf der ganzen Welt nicht (die sind so Black Metal wie Gotthilf Fischer) – was mir allerdings wirklich Angst macht, sind Leute in beigen Pullovern! Ganz schlimm ist es, wenn sie zusätzlich ein hellblaues Hemd darunter tragen! Und wenn sie dann auch noch ein bubenhaftes Gesicht mit aufgeweckten blauen Äuglein, gesunden rosigen Backen und kurzge- schnittenen blonden Haaren haben, ist der Horror perfekt! Wenn so einer ins Tram einsteigt, überkommt mich das nackte Grauen (durchschnittlich 180 Mal am Tag). Um in Athen tatsächlich Panik auszulösen, hätte ich sie an den diesjährigen Eurovision Song Contest geschickt: die Gerold-Stadler-Lookalike-Band...

Als im Vergleich immerhin noch «ziemlich gruselig» darf die als Busen- respektive Busenmacherwitwe bekanntgewordene Tatjana Gsell gelten (juristisch ist umstritten, ob diese Bezeichnungen zulässig sind: Definiert sich Frau Gsell – als Witwe – ausschliesslich über ihren Busen, weil sie sich «nach wie vor anscheinend bevorzugt in sexuell aufreizender Pose» darstellt? Stellt die Bezeichnung von Frau Gsell – gerne als eine der Frauen dargestellt, die sich «einen Busen machen» liessen – als «Busenmacherwitwe» sie als Witwe eines Mannes – Schönheitschirurg Franz Gsell – dar, dessen Tätigkeit mit «Busenmacher» charakterisiert wird? Etc.).

Jedenfalls hat sie ihre Brüste wieder einmal ausgeworfen, und Ferfried Prinz von Hohenzollern hat angebissen. Am 29. Mai soll geheiratet werden. Die Hochzeits-Doku «Tatjana & Foffi» zeigt schockierende Rituale mit Chrysler-Crossfire-Schlüsseln und Päckchensüppchen. Uargh!


Eurovision Song Contest 2006. Live aus Athen. Finale: SF 1, 20. Mai, 21.00 Uhr

Tatjana & Foffi. RTL 2, montags um 20.15 Uhr

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