Wahrscheinlich wissen Cabanas, Vogel, Gygax & die anderen nicht, dass sie mit ihrer Leistung an der kommenden Fussball-WM auch in die Tasche der Anleger spielen. Denn unlängst lancierte die Bank Credit Suisse ein Finanzprodukt, bei dem ein Zusatzertrag (WM-Bonus-Coupon) winkt, falls die Schweizer Nationalmannschaft bis in die Finalrunde gelangt. Sollte sie gar Weltmeisterin werden, beträgt dieser WM-Bonus stattliche 15 Prozent des einbezahlten Kapitals. Träumen soll unter sportlichen Anlegern erlaubt sein, doch der Laie reibt sich verwundert die Augen.
Die sogenannte Equity Yield Note, wie besagtes Produkt heisst, ist nicht etwa ein neuer Spleen von Fifa-Präsident Sepp Blatter, sondern ein strukturiertes Produkt. Dabei handelt es sich um hochkomplexe Finanzkonstrukte, die von mehreren Entwicklungen an der Börse abhängig sind. Als Ausgangspunkt dafür dienen etwa Aktien, aber auch Obligationen, Devisen, Gold oder Immobilien sind möglich. Selbst die Zinsentwicklung oder Börsenindizes können als Grundlage für ein strukturiertes Produkt dienen.
Die Banken legen nun verschiedene Varianten fest, wie sich die entsprechenden Kurse entwickeln könnten. Sie sagen beispielsweise: Wenn die Aktie xy während der nächsten sechs Monate nicht mehr als 25 Prozent an Wert verliert, zahlen wir den Anlegern eine Prämie von elf Prozent auf ihr investiertes Kapital. Oder: Wenn der Goldpreis bis Ende Oktober nicht höher als 650 Dollar die Unze steigt, erhalten die Investoren ebenfalls eine überdurchschnittliche Rendite.
Solche Wetten, verknüpft mit weiteren Bedingungen, führen dann zu einem Finanzprodukt mit einer ganz bestimmten Struktur – daher auch der Name. Dabei kann eine Spekulation auch darin bestehen, ob es die Schweizer Fussball-Elf in die WM-Finalrunde schafft.
Garantiert fast sicher
Was für die euphorischen neunziger Jahre die Anlagefonds und Aktien waren, sind nun, im jungen 21. Jahrhundert, die strukturierten Produkte. Sie stehen ganz hoch in der Gunst der Investoren. Allein 2005 setzten die Anleger an der Schweizer Börse SWX mehr als 32 Milliarden Franken mit solchen Instrumenten um – dreissig Prozent mehr als im Vorjahr. Und im selben Zeitraum erhöhte sich das Angebot von 4200 auf 6300 Produkte.
Der Boom der strukturierten Produkte in der Investorengemeinde kommt nicht von ungefähr. Schliesslich scheinen sie das Unmögliche zu schaffen: den nahezu sicheren Börsengewinn, und das, selbst wenn die Märkte stagnieren oder sogar sinken. So zumindest verkünden es die Werbeinserate.
Manche Konstrukte garantieren dem Anleger zum Beispiel einen sogenannten Kapitalschutz. Das heisst, er erhält das Geld nach Ablauf einer festgelegten Frist vollumfänglich zurück – möglicherweise mit einer Prämie. Bei anderen Produkten wiederum verzichtet der Anleger auf einen Teil des Kursgewinns und erhält im Gegenzug eine Garantie, dass er bei einem Kursrückgang nicht mehr als einen bestimmten Betrag verliert. Mit anderen Worten: Er verkauft einen Teil des Gewinnpotenzials für eine Absicherung nach unten. Solche komplexen Transaktionen sind für die Banken interessant, weil sie dafür happige Gebühren verrechnen können, die sie in die Struktur des Produkts einfliessen lassen. Der Anleger merkt’s kaum.
Oft wird aus den Inseraten für strukturierte Produkte jedoch nicht klar, wie hoch das effektive Verlustrisiko ist. Das ist auch beim Fussball-Produkt der Credit Suisse der Fall. Nirgends im Inserat steht, was geschieht, wenn die zugrunde liegenden Aktien eine bestimmte Grenze unterschreiten. Darin liegt das tiefere Problem der strukturierten Produkte: Oftmals sind die Bedingungen derart komplex, dass es für die Anleger kaum nachvollziehbar ist, welchem Risiko sie sich aussetzen. Manche Konstrukte sind sogar so strukturiert, dass sie im Fall einer Hausse eher risikoarm wie eine Obligation funktionieren, während das Kursrisiko nach unten jenem einer Aktie entspricht. Für die Reputation von strukturierten Produkten ist das überaus heikel.
Dessen ist sich auch die Branche bewusst. Um das einträgliche Geschäftspotenzial, das diese Konstrukte in der Tat darstellen, nicht leichtsinnig zu verspielen, haben fünf Banken (ABN Amro, Credit Suisse, UBS, Vontobel und die Zürcher Kantonalbank) unlängst den Schweizerischen Verband für strukturierte Produkte gegründet. Gemäss eigener Aussage will diese Institution die Bekanntheit und Akzeptanz von strukturierten Produkten erhöhen. Dabei wird sie nicht umhinkommen, auch verstärkt und unmissverständlich über die Risiken zu informieren.
Wer sich gründlich mit strukturierten Produkten auseinander setzt, wird auch feststellen, dass es sich dabei um Finanzinstrumente handelt, die vor allem interessant sind, wenn sich die Börse seitwärts oder rückläufig entwickelt. In Hausse-Phasen hingegen braucht es keine komplexen Strukturen. Da reicht es, in Aktien und Optionen zu investieren. Wenn sich die Anlegerschaft nun aber auf strukturierte Produkte stürzt, mag das doch ein untrügliches Zeichen dafür sein, dass in nächster Zeit eher von einer mässigen, wenn nicht gar sinkenden Börsentendenz auszugehen ist.













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