Vor einiger Zeit stach mir beim Surfen im Internet ein Banner ins Auge mit den Lettern: Free IQ Test! Herausfinden, wie gescheit ich bin, super. Ich ging konzentriert und ehrgeizig ans Werk, eine Bürokollegin, der ich vom Fund berichtet hatte, ebenfalls. Nach der letzten Frage wartete ich nervös aufs Resultat. Dann wurde mir – Congratulations! – mein IQ von 136 Punkten mitgeteilt. 136! Ich war euphorisch. Wenn ich meine E-Mail-Adresse angäbe, stand weiter geschrieben, würde mir ein detailliertes Testergebnis zugestellt. Selbstverständlich, gern.
Ob die Testanalyse je kam, weiss ich nicht mehr. Seit jenem Tag gelte ich bei unserem Supportdienst als Spam-Queen. Zwischen zwanzig und vierzig Mails erhalte ich täglich aus der ganzen Welt. Menschen mit erstaunlichen Namen schreiben. Heute etwa war es eine Julia Klimova; sie machte mich auf die 25-jährige Russin Nataly aufmerksam, die auf der Suche nach einem Date ist. Auch kontaktierten mich Chelsea Holloway, Reena Cheng und Imrus Applebaum. Sie bieten mir eine Rolex an («wie echt»), einen längeren Penis und günstiges Viagra («Überraschen Sie Ihre Freundin»). Ein Arbeitskollege spöttelte, das sei halt, wenn man sich «solche Sachen» im Internet angucke.
Im Nachhinein gesehen, war ich ja eigentlich schon skeptisch geworden, als mir die Bürokollegin ihren IQ von 137 mitteilte.
Vor wenigen Tagen stellte mir meine Eitelkeit wieder eine Falle. Im Magazin Facts las ich über einen von einem Psychologen erstellten Test, der den individuellen «Marktwert» ermittle, wichtig bei der Partnersuche. Nun bin ich zwar in festen Händen, aber zu wissen, wie man theoretisch beim anderen Geschlecht ankäme...Sofort legte ich los, und weder ein mühseliges Registrierprozedere noch weit über hundert Fragen, für deren Beantwortung fast meine ganze Mittagspause draufging, konnten mich bremsen. Der Aufwand wurde aufs schönste belohnt. Mit einem Marktwert von 62 (der Durchschnitt bei Frauen ist offenbar 56,7) gehe ich seither beschwingter durchs Leben. Blöd nur: Ich erhalte nun häufig Post vom Partnerwahlinstitut dzf.de («Der Zweite Frühling»). Heute wurde mir mitgeteilt, dass in der «Partnerlounge» Giorgio aus Wiesloch und Friedrich aus Mannheim auf mich warteten.
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