Zu Fuss

Le Drämmli

Über den Blauen ins Leimental

Von Thomas Widmer

Ich Ostschweizer wusste nicht, dass der Kanton Solothurn an Frankreich grenzt, schäme mich meiner Ignoranz aber nicht; 2005 belegte das Oltner Tagblatt mit einer Umfrage zum Begriff «Leimental», dass selbst viele Leute in den solothurnischen Stammlanden keine Ahnung von jener baselnahen Exklave zum Elsass hin haben. Mein Beitrag zur Schliessung der kollektiven Wissenslücke sei, indem sie sich vor Ort begibt, diese Kolumne.

Die bei Stadtbaslern beliebte Wanderung über den Blauen ins Leimental beginnt im hübschen Pfeffingen BL. Erstes Ziel ist der Blattenpass, als ich ihn erreiche, muss ich schmunzeln; was die Leute hier «Pass» nennen, ist herzig. Danach halte ich hinauf zum – schon wieder das Wort, schon wieder die Harmlosigkeit – Blauenpass. Weiss zacken die Kalkbrocken aus dem Boden, wir sind, geologisch gesehen, im Jura. Nach gut zwei Stunden stehe ich beim Hofstettenspitz, gar nicht so einfach, von hier die Gegend zu überblicken, zu dicht ist der Wald um mich. Zur Linken läge, hilft die Karte, das Laufental mit der Ortschaft Zwingen BL und rechter Hand erwähntes Solothurner Gebiet mit dem Wallfahrtsort Mariastein; unser Grat bildet die Grenze. Eine sturmumtoste Höhe ist das, wild bläst mir der Wind um die Ohren.

Eine halbe Stunde später, beim Metzerlenchrüz, steige ich ab in die Exklave. In Metzerlen SO spähe ich nach Westen zum Nachbarort Burg, wo der Entdecker des LSD lebt, der Chemiker Albert Hofmann, der eben hundert wurde; den Acidhead packt an dieser Stelle ein Ehrfurchtsschauder (oder gar ein Flashback).

Alsbald geht es über eine zweite Geländestufe hinab nach Rodersdorf SO, das auf drei Seiten von Frankreich umzingelt ist. Im «Bahnhöfli» esse ich gut und grenznah günstig und nehme dann – nein, nicht die Birsigtalbahn, die gibt’s nicht mehr. In der Endschleife wartet das Tram der Linie 10.

Die Strecke nach Basel SBB führt zwei Kilometer über französisches Gebiet. Als der Fahrer vor Leymen (F) aufdreht, dass wir durchs Grün preschen, denke ich, dass zu diesem Feld-Wald-und-Wiesen-Tram der Slogan passen würde: «Ich bin auch eine Wildsau!»



Anreise: Von Basel mit der S3 nach Dornach-Arlesheim und mit dem Bus nach Pfeffingen (Endhaltestelle «Bergmattenweg»)

Höhendifferenz: je 400 Meter auf- und abwärts

«Bahnhöfli»: Mo geschlossen, Di ab 15 Uhr offen.

Karte: Wanderkarte als PDF

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