Zu Fuss

Ritters Sport

Esslingen–Bubikon–Rüti

Von Thomas Widmer

Bald ist der Sommer da, dann will man wieder hoch hinaus und will in der Höhe ab und zu auch nächtigen. Hüttenhasser wie ich schätzen Häuser über 1000, 1500 Meter, die ein Minimum an Bequemlichkeit bieten, also Essen à la carte, einzelne Zimmer und eine Dusche (von mir aus auch eine auf dem Gang). Gute Tipps bietet dem hedonistischen Gebirgsgänger die Neuerscheinung «Wandern und Geniessen in den Schweizer Alpen. Die schönsten Zweitages-Touren mit Berghotel-Komfort» (AT-Verlag) – ein schön bebildertes, allerdings 59.90 Franken teures Buch, mit dem man sich in den Juli vorwärts träumen kann.

Wobei – folgende Flachroute von der Gegenwart in die Vergangenheit und retour wurde soeben, Anfang April, absolviert und war auch sehr nett: Man fährt mit der Forchbahn ab Zürich Stadelhofen hinauf nach Esslingen und läuft von dort via Bubikon nach Rüti; man geht dabei auf breiten Wegen mehr oder minder geradeaus im Grünen, und die Bachtel-Antenne am Horizont bietet die meiste Zeit Gewähr, dass man die Richtung hält. Erster Höhepunkt ist Grüningen, ein ehrwürdiges Städtchen mit Kopfsteinpflaster und Riegelbauten, das über Jahrhunderte Zentrum einer Landvogtei war.

Der Wanderweg führt später auch direkt zum Ritterhaus Bubikon. Freiherr Diethelm von Toggenburg, auf einen Platz im Paradies aspirierend, überschrieb das Anwesen 1192 den Johannitern; dieser Orden widmete sich dem Schutz der christlichen Jerusalem-Pilger. Die Anlage ist imposant: weite Säle, viel altes Holz, steile Steinstiegen. Auch sind grausliche Töterinstrumente – Lanzen, Schwerter, Hellebarden – ausgestellt, und im Beinhaus grinsen die Schädel. Eine Stunde muss man rechnen, um die auf Tafeln erklärte Geschichte des Ordens zu würdigen, der sich schliesslich in einen evangelischen (weiterhin Johanniter) und einen katholischen Teil (Malteser) spaltete.

Das Ritterhaus: der richtige Platz, Kindern zu erklären, dass Maltesers mehr sind als Schokokugeln. Oder lässt man das besser? Der Name der Nascherei hat nichts mit dem Orden zu tun, sondern ist ein Fusionsprodukt von englisch malt (Malz) und teasers (Necker).



Gehzeit-Angabe ohne Ritterhaus-Besichtigung

Ritterhaus: am Gründonnerstag 13 bis 17 Uhr, von Karfreitag bis und mit Ostermontag 10 bis 17 Uhr geöffnet. Mit Bistro und Shop, www.ritterhaus.ch

Heimreise: Rüti liegt an der Bahnlinie Rapperswil–Wetzikon–Zürich.

Karte: Wanderkarte als PDF

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben