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08.02.2006, Ausgabe 06/06

Bestseller

Apropos Pascal Mercier

Von Julian Schütt

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Seit August 2004 zieht sie sich nun schon dahin, Pascal Merciers unendliche Reise im Nachtzug durch die Bestsellerlisten. Und mit Verlaub: Langsam reicht’s. So gut kann ein Roman, der von einem Lehrer namens Raimund Gregorius handelt, gar nicht sein. Von dem vielen philosophierenden Fusel bekommt man nur Kopfschmerzen. In dem Buch stehen haufenweise Sätze wie: «Die Loyalität, die er als Rettungsanker gegen die Gezeiten der Gefühle betrachtet hatte – auch sie hatte sich als zerbrechlich erwiesen.» Gute Prosa oder schlechte Rosamunde Pilcher?

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon. Hanser, 2004. 496 S., Fr. 44.50

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 06/06
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Kommentare

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tyrannosaurus     25.02.09 13:22

Es gibt im wesentlichen drei Gründe, von denen ich allerdings nicht annehme, dass sie Anderen ebenso plausibel erscheinen wie mir, weshalb ich mich mit dem „Nachtzug“ einfach nicht anzufreunden vermag:

Erstens: Der „Portugualismo“, wenn ich dem denn so sagen darf, also die, wenn auch verhaltene (was ist in diesem Buch n i c h t verhalten?) Begeisterung für Portugiesische Belange; Portugiesische Sprache, Portugiesische Geschichte.
Ich bin (auch) Aesthet, deshalb werte ich Sprachen (auch) nach ihrem phonetischen, „musikalischen“ Erscheinungsbild, und da schneiden halt unter den Europäischen Idiomen das Holländische und das Portugiesische mit grossem Abstand am schlechtesten ab, wobei ich Portugiesisch als noch schlimmer denn Holländisch empfinde: Ich bekomme Agressi

tyrannosaurus     25.02.09 13:21

Zweitens: Was einem da an „Philosophie“ geboten wird, ist doch Eiskaffee! Zum eigentlich gar nicht mehr wiederholbaren Male geht es hier um Identitätskrise, missglückte Selbstfindung, Ausbruch aus dem Alltag „etceterablaballera“ (©H.B.), das habe ich nun beileibe schon unzählige Male und in diversesten Varianten gelesen, gehört, gesehen, selbst und an Anderen erfhren, dass es mir ganz über ist darob. Und auch die langfädigen Auslassungen dieses (fiktiven, oder spricht hier gar Bieri selbst?) Amadeu Prado weisen letzlich genau diejenigen Merkmale auf, die meiner festen Überzeugung nach schlechte, und damit überflüssige Philosophie ausmacht, nämlich: Banale Erkenntnisse in möglichst umständliche Satzgebilde unverstehbar einzuweben und dadurch zum Schein aufzuwerten: „Ca fait riche“ sagt dazu

tyrannosaurus     25.02.09 13:21

Drittens: Die Erzähltechnik: Von quälender Trägheit schleppt sich das Geschilderte dahin, und kaum glaubt man die Spur einer Beschleunigung erahnen zu können, wird eine Rückblende eingebaut; ja, haufenweise Rückblenden, sie garantieren bleierne Statik, alles, nur kein Voranschreiten, erzählerisches Verharren als Konzept. Aber auch die Figuren, in deren Beschreibung der Autor ja durchaus und mit gewissem Erfolg einiges an erzählerischem Können investiert hatte, bleiben letztlich blutleer, blass, leblos; „Zombies“. Zugegeben: Es gelingen ihm ab und zu sehr schöne Sätze, aber: das reicht einfach nicht, einen Roman von knapp einem halben tausend Seiten am Laufen zu halten.
Für mich steht der Schlüsselsatz dieses Buches auf Seite 67, unterster Abschnitt, kursiv (!) gedruckt, fast so, al

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