Präsident Bush hat letztes Jahr angekündigt, in gut zehn Jahren würden wieder Amerikaner zum Mond fliegen und dort im Hinblick auf den Mars eine bemannte Station einrichten. Ist das ernst zu nehmen?
Ja. Bei uns heisst es zwar „Präsident Bush hat angekündigt“, was den medial präparierten Zuhörer diese Frage automatisch stellen lässt, aber das überreife Projekt hat technisch sehr tiefe und solide Wurzeln. Im Verkehrshaus steht noch heute das Modell aus meiner TV-Sendung von 1976, das schon fünf Jahre vor dem Shuttle-Erstflug illustrierte, wie man aus Komponenten des Raumtransporters eine unbemannte Grossrakete konstruieren kann, bei der auch die Masse des Orbiters zur Netto-Nutzlast dazu kommt. Dies soll nun endlich bis 2018 zur neuen „Mondrakete“ werden, womit gegen 150 Tonnen in die Erdparkbahn kommen - vor dem Einschuss in die Transferbahn Richtung Mond. Damit wird das neue, doppelt so gross gewordene, Mondlandegerät lanciert. Wegen der neuen Trennung von Fracht und Personentransport ist dies jeweils der erste Start, gefolgt von einer aus Feststoff-Booster und einer neuen Oberstufe mit Shuttle-Einzelmotor gebauten Rakete mit der Crew. Im Gegensatz zu Projekt Apollo (1968-1972) beginnt es jetzt also mit dem Rendezvous zweier Teile im Erdorbit. Auch beim restlichen Flug wählte man alle bewährten Konzepte von damals, aber ergänzt durch ein paar wesentliche Verbesserungen. Zum Teil ermöglicht dank dem technischen Fortschritt in den gut 40 Jahren, aber auch wegen den inzwischen z. T. leistungsfähigeren Treibstoffen und Triebwerken, welche dem flüchtigen Betrachter überhaupt nicht bewusst sind. So wenig wie das Faktum, dass man sich diesmal sogar 13 statt 6 Jahre Entwicklungszeit lassen will im Vergleich zum Programm der 1960er-Jahre!
Aber die Kosten sind bei gut 104 Milliarden Dollar doch gewaltig. Was ist Ihrer Meinung nach das Hauptargument, das Mondflüge rechtfertigt?
Weil nur wenige Teile neu entwickelt werden müssen, spielt sich fast alles innerhalb des heutigen NASA-Budgets ab, das seit Jahren ziemlich stabil ist, und das bisher hauptsächlich in die Internationale Raumstation ISS „verlocht“ wurde (Originalton vieler Beobachter). Dies bisher kaum jemanden gestört, weil die Mittel vor allem weniger fortgeschrittenen Weltraumnationen zugute kamen. Die Gesamtkosten von „Mond 2018“ betragen nur wenig mehr als die Hälfte von Projekt Apollo vor 40 Jahren! Zur Relativierung: Grössenordnungsmässig 100 Milliarden (inflationsbereinigt wohl noch viel mehr) hat unsere kleine Schweiz während einem halben Jahrhundert in Zivilschutzbauten verlocht, und unsere Expo-02 hat ziemlich genau doppelt so viel gekostet wie die beiden Marsrover, die jetzt seit zwei Jahren auf dem Mars herumfahren. In den USA will man endlich wieder grössere Schritte wagen, denn anspruchsvolle Projekte haben der Zivilisation schon immer nachhaltigere Impulse verliehen als Stagnation. Ausserdem helfen Aussenposten auf Mond und Mars der Sicherung unseres Lebensraumes, vom ökologischen Verständnis bis zur Gewissheit, künftigen Planetoidenabstürzen nicht mehr machtlos gegenüberzustehen.
Und wieso soll man vom Mond zum Mars? Was bringt das?
Mars ist eine Welt wie unsere, nur sind die Rohstoffe anders verteilt. Es hat dort Wasser in Form von immensen Eislagern, also Wasserstoff und Sauerstoff, zusammen mit dem Kohlendioxid der Atmosphäre somit leicht produzierbares Methan, also alle Treibstoffe vor Ort! Sogar der Stickstoff in der Atmosphäre ist da, um die Basen mit ihren angenehmen 3/8 irdischer Schwerkraft, nur wenige Flugmonate von der Erde entfernt, mit ganz normaler Luft zu versorgen. Der Blick eines Normalbürgers von 1890 in die einstige Wüstenstadt Las Vegas würde ihm sekundenschnell zeigen, was ich meine. Der Mond hat zwar etwas Eis an den Polen, aber Kohlenstoff und Stickstoff fehlen vollständig.
Wenn es wieder losgeht – was ist dann aus technischer Hinsicht der grösste Unterschied zu den einstigen Apollomissionen?
Man will diesmal permanent zum Mond: Steigerung der Aufenthalte auf sechs Monate bei zwei jährlichen Versorgungsflügen. Landung in Polnähe statt nahe dem Äquator wegen den Eisvorkommen. Rendezvous im Erd- und Mondorbit, Einsatz von lauter ungiftigen und später auch auf Mars produzierbaren Treibstoffen, welche sich auf dem Mond schon jahrelang vorher austesten lassen. Neu wird mit dem riesigen Mondlander in den lunaren Orbit eingebremst, nicht mehr mit dem Antriebsmodul der seit Apollo vergrösserten Mannschaftskapsel, was den Einsatz des nicht lagerfähigen, aber viel leistungsfähigeren Wasserstoffes erlaubt. Nach dem späteren Ersatz der konventionellen Transferstufe Richtung Mond durch etwas ganz Neues lässt sich mit dem genau gleichen Mondlander doppelte Nutzlasten landen! Zuletzt: weiche Airbag-Landung in der Wüste statt auf dem Meer. Das Konzept ist so genial, dass höchstens die Politik es zum scheitern bringen kann.
Wie wird so eine Mondstation aussehen?
Der gleiche Mondlander wird gelegentlich unbemannt abgesetzt, wobei die Rückkehrstufe mitsamt ihrem „Podest“ durch eine Behausung ersetzt ist. An den Mondpolen gibt es Orte, die fast ununterbrochen mit Sonne und Erde am Horizont Sichtverbindung haben! Zwei Zweiermannschaften besitzen je ein Elektromobil, was fernere Ausflüge erlaubt als das, was man früher im Notfall immer zurückmarschieren können wollte…
Was können die zukünftigen Astronauten von denen der sechziger/siebziger Jahre lernen?
Das Wichtigste: niemand kann mehr sagen, es sei unmöglich, was in einer Zeit des kollektiven Kleinmutes wohl zum unumstösslichsten Argument würde. Bei der kürzlichen Veranstaltung mit „Moonwalker“ Dr. Ed Mitchell (Apollo 14, 1971) im IMAX-Theater in Luzern präsentierte ich dieses Mondlandekonzept in aller Ausführlichkeit. Als ich hinterher darauf hinwies, dies alles sei keine Science Fiction, denn unser Gast hätte dies alles schon vor 35 Jahren mit noch einfacheren Mitteln und einem 16-Kilobyte-Bordcomputer vorexerziert, bekam der Astronaut lange anhaltenden Applaus.













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