Zu Fuss (5 Stunden)

Kellervisite

Von Thomas Widmer

Armer Teufel, er hat’s nicht leicht. Flurnamen wie «Tüfels Chile» (Kollbrunn) oder «Tüfels Chilchli» (Braunwald) verraten, dass er als gefallener Engel dem Himmel nachtrauert; er hat nach seiner Verstossung keine neuen Rituale kreiert, sondern jene kopiert, die er als hoher Funktionär Gottes kannte. Auch der «Tüfels Chäller» bei Baden passt zu dem Befund: Der feuchte Platz in coupiertem Waldgelände, den übernatürlich wuchernde, bis fünfzig Meter hohe Buchen, Eschen, Fichten umstehen, wirkt wie eine ins Dunkle gewendete Kultstätte. Eine sinistre Out- doorkirche mit gotischen Nagelfluhpfeilern.

Des Teufels Keller zu erreichen, legen wir am Bahnhof Baden los (Wanderwegweiser) und laufen als Erstes durch die Weite Gasse. Wer sich nun in der Einkaufszone vertut, weil ihm eine Wegmarke entgangen ist, der frage nach dem – stillgelegten – Bahnhof Oberstadt; den kennt jeder Badener. Dort kann man noch einmal starten, gleich nach der Gleispasserelle steht wieder ein Wegweiser. Gut eine halbe Stunde dauert es, dann erreichen wir den «Tüfels Chäller». Ganz in der Nähe klafft das Ostloch des Baregg-Autotunnels.

Hier rasten wollen wir nicht. Also laufen wir auf gutem Waldweg via Spittelau hinauf zum Aussichtspunkt Rüsler, wo die Welt wieder licht und weit ist. Toll sieht man ins Limmattal und auf Wettingen, aber auch auf den/ die Lägeren (auch nach Konsultation diverser Wanderbücher ist mir keine eindeutige Geschlechtsbestimmung des Höhenzuges möglich). Ganz in der Nähe können wir im «Rüsler» einkehren. Dann, zeigt die Karte, kreuzen wir wieder einen Tunnel, den Heitersberg, durch den hindurch man im Zug von Zürich nach Bern pfeilt. Die Route führt danach lange geradeaus, wobei die Aussicht völlig wechselt: Jetzt sehen wir ins Reusstal und zum Pilatus. Schliesslich führt ein Gratweg über dem Egelsee idyllisch zum Restaurant «Hasenberg» (von wo wir in einer halben Stunde den Bahnhof Berikon-Widen erreichen).

«Hasenberg», das klingt bodenständig, nach Wurstsalat und Vermicelles. Nun ja, der «Hasenberg» ist heute ein japanisches Restaurant. Aber der wahre Wanderer schreitet offenen Herzens ins Unbekannte. Und wird bisweilen belohnt: Nicht nur bediente man mich meinen groben Schuhen zum Trotz freundlich, sondern es mundete mir im «Hasenberg/ Ryokan» auch das Teriyaki-Mahl teuflisch gut.

Höhendifferenz: 250 Meter auf-/abwärts
Heimreise: Zug nach Dietikon
Lektüre: Zeitschrift Du vom Oktober zum Thema Teufel. Inklusive Text-Foto-Essay vom
Weltwoche-Wanderkolumnenduo Widmer/Waldner über den Teufel im Gelände. Fr. 20.–
Karte: Wanderkarte als PDF

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben