In aller Freundlichkeit macht Chefredaktor Marco Färber auf die Ungenauigkeit aufmerksam. «PS: Wir sind immer Schweizer Radio DRS (auf jeden Fall in Zitaten)», hält er am Ende seines Mails fest.
Die Anekdote reflektiert das Selbstverständnis der «JournalistInnen» der öffentlichrechtlichen Institution. Was sie aus ihren Studios bis in die hintersten Alpentäler strahlen, hat eine Instanz für richtig und wichtig befunden, die hierzulande seit Jahrzehnten zu den glaubwürdigsten Medien zählt: DRS, DAS Schweizer Radio, der Sender der Nation.
Wenn Chefredaktor Färber nach zwanzig Jahren an der Spitze der Abteilung Information das journalistische Verständnis von DRS in einem Satz umschreiben soll, tut er das so: «Glaubwürdig, seriös, relevant und unaufgeregt sein, Hintergründe liefern und Orientierung geben.» Kurz: Diese hochgerüstete Redaktion mit ihren 210 Vollzeitstellen in Bern und den Regionen (selbst grosse Tageszeitungen wie NZZ oder Tages-Anzeiger können von solchen Beständen nur träumen) sagt, was es an Wichtigem zu sagen gibt. Den Rest überlässt man den Privatstationen.
Offensichtlich treffen Färber & Co. den Geschmack des Publikums. 2004 betrug der Marktanteil der 5 DRS-Sender (DRS 1, 2 und 3, Jugendsender Virus und Ländlerkanal Musigwälle) 62 Prozent. Abgeschlagen folgt der Anteil der fünfzig Schweizer Lokalradios, die es zusammen auf 25 Prozent bringen, die ausländischen Sender rangieren unter «ferner liefen». Beim Radio tragen die DRS-Sender den Wettbewerb um die Publikumsgunst unter sich aus – im Unterschied zum Fernsehen, wo zwei Drittel des Publikums ausländische Programme konsumieren.
Rollender Kopf
So scheint, wenigstens von aussen betrachtet, bei Radio DRS alles zum Besten bestellt. Hinter den Kulissen präsentiert sich ein anderes Bild. Da ist von einer ausgeprägten Entscheidungsschwäche des obersten Chefs und als Folge davon von Machtkämpfen auf der zweiten Managementebene die Rede.
Der Chef, das ist Radiodirektor Walter Rüegg, 58, der vor sechs Jahren vom Solothurner Zeitungsverlag Vogt-Schild/Habegger in die Radiodirektion wechselte. Die meisten angefragten DRS-Kaderleute wollten sich nur anonym zu Rüeggs Führungsstil äussern. Einzige Ausnahme ist der Ende Oktober im Streit ausscheidende DRS-3-Chef Bendicht Luginbühl, der von Rüegg erfolglos mehr Geld für seinen Sender gefordert hatte. Mit Luginbühl verlässt ein Manager mit Erfahrung aus der Privatwirtschaft die Chefetage von Radio DRS.
Radiodirektor Rüegg hatte Luginbühl, der zuvor neue Zeitschriften und Internetprojekte auf die Beine gestellt hatte, Anfang 2003 beauftragt, DRS 3 wieder als profilierte Musikstation für die 25- bis 45-Jährigen zu positionieren und den Höreranteil auszuweiten. Beides hat Luginbühl erreicht, mit 13 Prozent Marktanteil verzeichnete DRS 3 vergangenes Jahr einen neuen Höchststand.
Nun stellte der 50-Jährige Luginbühl Forderungen. Und hinterfragte damit als Einziger ein Tabu. Der sogenannte Zuweisungs-Schlüssel (auch Helvetia-Schlüssel genannt) regelt die Verteilung der vorhandenen Gelder auf die verschiedenen Sender und Abteilungen. Von total 180 Millionen Franken Jahresbudget fallen rund 100 Millionen auf die externe Infrastruktur wie Senderanlagen. Die restlichen 80 Millionen werden seit Urzeiten unverändert zugewiesen: Die Abteilung Information (mit der Zentrale in Bern und den Regionalstudios) erhält knapp die Hälfte, DRS 1 gut einen Fünftel, der Klassiksender DRS 2 nur leicht weniger. DRS 3 hingegen, das in den letzten zwei Jahren einen mehr als doppelt so hohen Marktanteil wie DRS 2 erzielte, muss sich mit gut einem Zehntel der achtzig Millionen begnügen. Vor allem im Vergleich zu DRS 2 sticht die Schlechterstellung ins Auge.
An einer Geschäftsleitungs-Retraite im Juni verknüpfte DRS-3-Chef Luginbühl seine Forderung nach zwei Millionen Franken mehr Budget mit seinem Verbleib beim Radio. «Mehr Geld wäre in jeder nach Leistung geführten Firma das Normalste der Welt. Ich hatte die vorgegebenen Ziele erreicht und in vielen Teilen weit übertroffen, also war der Zeitpunkt für eine markante, qualitätssichernde Besserstellung von DRS 3 gekommen», sagt Luginbühl. Er sei sicher, dass er auch die Zustimmung des Verwaltungsrates erhalten hätte, wenn er dem Gremium seine Ideen hätte vorstellen dürfen. Schliesslich hätten er und sein Team «die Baustelle DRS 3 innert knapp dreier Jahre zu einem ‹bright shining star› von Radio DRS gemacht». Radiodirektor Rüegg und eine Mehrheit der DRS-Leitung sahen es anders und sagten nein zu Luginbühls Forderung, worauf dieser kurz darauf das Handtuch warf.
Bei seinem Aufstand wurde der Chef des Pop-Rock-Senders vor allem von der abtretenden Co-Chefredaktorin von Radio DRS, Colette Gradwohl, unterstützt. Sie sagt: «DRS 3 spürt den Druck der Privaten am stärksten. Die Frage von mehr Mitteln für den 3. Sender wird aktuell bleiben, wenn es um wichtige Weiterentwicklungen des Programms geht.»
DRS-3-Chef Luginbühl empfängt im Radiostudio Zürich. Er trägt ein weisses Hemd mit feinen schwarzen Linien, eine Krawatte in dezenten Dunkeltönen und helle Manchesterhosen. Auf einer Stellwand steht: Do good work. Be courageous. Get the core of what really matters. (Etwa: Leiste viel. Sei mutig. Konzentrier dich aufs Wesentliche.) «Mein Leitmotiv», sagt Luginbühl. Mitten im Gespräch läuft er zur Stereoanlage und dreht das Radio lauter. «Darf ich schnell?», entschuldigt er sich. Jeden Mittag beantworten Mitarbeiter einer Firma Fragen, die der DRS-3-Programmleiter selbst auswählt. An diesem Tag raten sie zum vierten Mal in Folge richtig. «Die sind echt clever», sagt Luginbühl in seinem breiten Berner Dialekt.
Eine der bekanntesten Radiostimmen der vergangenen zwanzig Jahre stellt Luginbühl ein gutes Zeugnis als Vorgesetzten aus. Für DRS-3-Moderationschef François Mürner, kurz FM (was auch für Frequenzmodulation zur Ausstrahlung von Radiowellen steht), ist Luginbühl einer der wenigen Radio-Manager, die ihre Zeit nicht nur in Sitzungen verbringen. «Luginbühl ist ein unglaublich fokussierter Manager. Für ihn hatte immer Priorität, was dem Sender Resultate brachte.» Der DRS-3-Chef sei zu seinen Meinungen gestanden, selbst in der Geschäftsleitung. «Diesen Mut haben nur wenige Topmanager», sagt Mürner, der den Abgang Luginbühls bedauert.
Prinzip Zögern
Ein anderer Mitarbeiter von DRS 3 vermutet, dass Luginbühl seit einiger Zeit auf einen günstigen Moment für seinen Abgang gewartet habe. Der Streit ums Geld als Abgangsmotiv sei nur vorgeschoben. «Rüegg und Luginbühl haben sich schon lange nicht mehr verstanden. Da sind zwei unterschiedliche Charaktere immer heftiger aufeinander geprallt.» Diese Version passt ins Bild, wonach Rüegg ein Manager ist, der lieber zuwartet als zupackt. Wenn sich der Radiodirektor mit seinem Direktunterstellten Luginbühl tatsächlich nicht mehr verstanden hat, hätte er aktiv eine Lösung anstreben müssen, statt das Problem auszusitzen.
Verschiedene Gesprächspartner monieren, Rüegg lasse zu viel Zeit verstreichen, indem er Studien in Auftrag gebe und Projekte ins Leben rufe, nur um nicht Position beziehen zu müssen. Die Folge: Die Mittelzuteilung auf die verschiedenen Sender und Abteilungen sei vom Gerangel auf unterer Führungsstufe abhängig.
Diese Kritiker verweisen zum Beispiel auf den kürzlich entstandenen Wirbel um die Abschaffung der Sportberichterstattung als eigenständige Rubrik. Anderthalb Jahre lang habe der Radiodirektor das Thema schon vor sich hergeschoben, ohne sich zu einem Entscheid durchzuringen. Nun geisselt der ehemalige Radio- und heutige Fernseh-Sportchef Urs Leutert die Aufhebung als «finale Bankrotterklärung in Sachen Sport». Hätte Rüegg früher Stellung bezogen und öffentlich bekannt gemacht, wie die Sportberichterstattung von DRS in Zukunft gehandhabt würde, hätte keiner reklamieren können, sagt ein Radiomann.
Einen weiteren Beleg für Rüeggs mangelnden Führungswillen sehen Kritiker in einem internen Projekt, das die Abläufe bei den DRS-Sendern und -Abteilungen analysiert und Verbesserungsvorschläge gemacht hat. Es heisst «Workflows, Produktions- und Führungsprozesse» und soll bisher eine Million Franken gekostet, aber nur magere Resultate gebracht haben. DRS will den Betrag nicht kommentieren.
Die wichtigste Erkenntnis der einjährigen Untersuchung lautet, dass 14,5 Hundertprozentstellen für andere Aufgaben verwendet werden könnten. Bei 650 Vollzeitstellen entspricht das 2,2 Prozent oder jährlich 1,5 Millionen Franken. Angesichts dieses Sparpotenzials wären Projektkosten von über einer Million Franken ein stolzer Betrag. In der Privatwirtschaft enden solche Übungen in der Regel im Minimum mit fünf Prozent Stellenabbau, sonst lohnt sich die Mühsal nicht. Auch was die Umsetzung anbelangt, ticken die Uhren von Rüeggs DRS ausgesprochen langsam. Statt die Vorschläge sofort zu implementieren, würden sich die Vorgesetzten in den nächsten Monaten «vertieft mit den Ergebnissen auseinander setzen», lässt Radio DRS verlauten.
Keine Diskussion
Obwohl der Sender in einer breiten Öffentlichkeit den Ruf eines qualitativ hochstehenden Medienunternehmens geniesst, entzieht sich der Radiodirektor einer kritischen Diskussion über seinen Führungsstil und seinen Kurs. An internen Seminaren lässt er die Unternehmensstrategie von Stabsleuten vertreten, und für Interviews schiebt er die Chefs der DRS-Sender vor. Sein Vorgänger Andreas Blum hatte ein anderes Verständnis von seiner Aufgabe. Blum liebte die öffentliche Auseinandersetzung um die publizistische Ausrichtung von Radio DRS. Er rief mehrere Think-Tanks ins Leben, die bergeweise Konzepte über die Zukunft von Helvetiens Sender produzierten.
Im Unterschied zu Blum sieht man Rüegg selten in der Öffentlichkeit. Von der Weltwoche um ein Gespräch gebeten, lässt er ausrichten, dass er eben erst aus den Ferien zurückgekehrt und für den Rest des Monats mit wichtigen Pendenzen derart stark beschäftigt sei, dass selbst eine dreissigminütige Unterredung nicht möglich sei. Fragen könne er daher nur schriftlich beantworten.
Dafür nimmt sich Rüegg viel Zeit. Auf drei A4-Seiten bezieht der DRS-Chef Stellung zu den elf eingereichten Fragen. Trotz ihrer Länge fallen Rüeggs Antworten oft wenig konkret aus. Seine nächsten grossen Aufgaben? «Es gibt auf verschiedenen Ebenen Herausforderungen: politische Entwicklung, Entwicklung der Radiolandschaft, Finanzentwicklung/Sparauftrag sowie auch Programminnovationen.» Auch seine Stellungnahme auf die Frage «Wieso braucht die Schweiz so viele DRS-Sender?» beginnt Rüegg mit einer langfädigen Ausführung über die «unverwechselbaren Programme», mit denen «qualifizierte Mitarbeitende auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen und auf die Vielfalt der Interessen in der Bevölkerung» eingingen. Und weiter: «Schweizer Radio DRS erfüllt einen Service-public-Auftrag. Es schlägt mit seinen Programmen Brücken zwischen Landesteilen und Bevölkerungsgruppen der deutschen Schweiz.» Selbst vorsichtige Beamte des Berner Bundesbetriebs getrauen sich heutzutage, konkreter auf Fragen einzugehen. So bleibt weiterhin im Dunkeln, warum private Stationen (ohne Gebührengelder) nicht ebenfalls in der Lage sein sollten, die Bedürfnisse des Publikums zu befriedigen.
Ein Weggefährte Rüeggs aus dessen Zeit als Chef des Solothurner Medienhauses Vogt-Schild/Habegger, der sich nicht namentlich zitieren lassen will, sagt: «Rüegg hat nie entschieden. Als er dann weg war, mussten wir den Laden ziemlich stark aufräumen.» Rüegg habe den Sprung vom Journalisten zum Manager und Unternehmer nie geschafft. Zur Chefposition beim Radio sei Rüegg einzig deshalb gekommen, weil sich der frühere Solothurner Regierungsrat Fritz Schneider bei ihm nach möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Andreas Blum erkundigt habe, erzählt der Weggefährte Rüeggs. Er kenne schon einen, habe Rüegg geantwortet: sich.
Der Führungsstil des DRS-Chefs stösst jedoch nicht überall auf Kritik. Der Radiodirektor sei einer der wenigen Vorgesetzten, für den er jederzeit wieder arbeiten würde, sagt ein ehemaliger Untergebener aus Rüeggs Solothurner Zeit. Und auch bei DRS gibt es viele Mitarbeiter, die nichts an Rüegg auszusetzen haben – und auch sonst nichts zu beklagen: Im Informationszentrum, jener Drehscheibe, wo alle Nachrichten und publizistisch anspruchsvollen Wortsendungen produziert werden, geniessen die Angestellten weiterhin überdurchschnittlich komfortable Arbeitsbedingungen. Von Rüeggs Sparbemühungen blieben sie bisher verschont. Den Journalisten stehen viel Geld und Zeit für die Herstellung ihrer Beiträge zur Verfügung. Sie können sich aufs publizistische Kerngeschäft konzentrieren und alles Technische für den Radiobetrieb einer eigenen Berufsgruppe, den Tontechnikern, überlassen. Ein Luxus, den inzwischen selbst das im Branchenvergleich träge DRS 1 mit Sitz in Zürich abgeschafft hat. In Bern hingegen muss ein Redaktor nicht einmal das Mischpult bedienen können, wenn er vor seiner Sendung ein Gespräch mit einem Experten oder Korrespondenten aufzeichnet.
Wo ist das T?
Die Folge ist ein Streben nach Qualität, das nicht mehr in eine Zeit von Effizienz und Kostendenken passen will. So erzählt ein Techniker beim Besuch von vergangener Woche in Bern, wie ihm beim Aufzeichnen eines Beitrags aus dem Ausland ein undeutlich ausgesprochenes T durch die Lappen gegangen sei: «Da habe ich dann im übrigen Beitrag ein anderes T gesucht und dieses an die Stelle des mangelhaften kopiert.» Wenn man solche Dinge tun könne, sagt er, dann mache einem dieser Beruf so richtig Spass.
Für hohe Qualität ist der DRS-Informationsabteilung nichts zu teuer. Wenn DRS 1 um 18 Uhr die renommierte Hintergrundsendung «Echo der Zeit» ausstrahlt, sitzen im Berner Radiostudio: eine Moderatorin am Mikrofon; eine Redaktorin im Vorstudio an einem Bildschirm (um allfällige Entwicklungen zu einem Thema via Gegensprechanlage der Moderatorin zu berichten); der für die Sendung verantwortliche Produzent und ein Techniker.
Für ihr Aushängeschild «Echo der Zeit» erhielten die Berner Radiojournalisten dieses Jahr landesweites Lob. Mit mehreren Sondersendungen feierten sie den 60. Geburtstag der ältesten Politsendung der Welt. Pünktlich zum Jubiläum im September erschien auch ein Buch zum «Echo». Es trägt den unbescheidenen Untertitel «Weltgeschehen am Radio» und wurde von DRS-Mann Hanspeter Gschwend verfasst. Dank lebendiger Sprache und spannenden Interna ist es zwar lesenswert, der Autor geht aber mit seiner Arbeitgeberin über weite Strecken – wie nicht anders zu erwarten – pfleglich um.
Höhepunkt für die Radioleute von DRS sind die ersten Zeilen im 260-seitigen Werk (mit gratis mitgelieferter CD mit «Echo»-Originalbeiträgen). In seinem Vorwort erteilt Bundesrat und Medienminister Moritz Leuenberger den «Echonauten» (so werden die «Echo»-Redaktoren DRS-intern bezeichnet) die mediale Absolution. «Und wenn unsere Nachkommen dereinst in den Enzyklopädien nachschauen, woher das Wort Echo kommt, werden sie lesen: «Echo stammt aus der berühmten schweizerischen Radiosendung ‹Echo der Zeit› und symbolisiert aufgeklärten Journalismus.»
Solche Lobbezeigungen könnten für DRS-Chef Walter Rüegg zur Rückversicherung für die eigene Karriere werden. Solange die Sendungen gut ankommen bei der Mehrheit der Politiker, die beim Staatssender letztendlich das Sagen haben, sitzt Rüegg sicher im Sattel – Entscheidungsschwäche hin oder her. Rüeggs Vorgesetzter, SRG-Direktor Armin Walpen, zeigt sich «ausserordentlich zufrieden» mit seinem Radiochef. Dieser verfüge über «unternehmerisches Flair» und sei ein Medienprofi mit «Gespür für den besonderen Auftrag der SRG».
Auf der zweiten Führungsebene streiten derweil die Chefs der drei wichtigsten DRS-Sender und die Abteilung Information um Geld und Einfluss. Nach dem Abgang von DRS-3-Chef Luginbühl bleibt als starke Person vor allem einer zurück: Christoph Gebel, Chef von DRS 1 und enger Vertrauter des Direktors. Dieser hatte 2001 den 46-jährigen Gebel, den er aus dessen früherer Tätigkeit bei einem Bieler Verlagshaus kennt, zu DRS geholt und an die Spitze des mit vierzig Prozent Marktanteil wichtigsten Senders gesetzt.
Der Bieler Gebel wirkt im Vergleich zu seinem Kontrahenten Luginbühl hemdsärmlig. Er habe nur eine halbe Stunde Zeit für das Gespräch, macht er vorab klar. Zu Wrangler-Jeans trägt er ein Kurzarmhemd mit lose umgebundener Krawatte. Wenn der DRS-1-Chef spricht, gestikuliert er energisch. Ihm eilt der Ruf eines ehrgeizigen Managers voraus. «Lassen Sie das», antwortet Gebel auf die Frage, was sein Berufsziel sei, und verwirft die Hände. «Ich habe noch nie den nächsten Karriereschritt geplant, weil es immer anders kommt als erwartet.» Im kleinen Kreis soll Gebel schon mal Interesse am Job des Radiodirektors gezeigt haben.
Dazu passen würde der berufsbegleitende Weiterbildungskurs, den der DRS-1-Chef nächstes Jahr absolviert. Zumindest auf dem Papier wäre Gebel dann bereit für den Sprung an die Spitze von Radio DRS. Er besucht den Management-Lehrgang des Vereins Schweizer Kurse für Unternehmensführung SKU. Den gleichen wie Walter Rüegg vor siebzehn Jahren.
Hanspeter Gschwend: Echo der Zeit. Weltgeschehen am Radio.
Verlag NZZ. 263 S., Fr. 48.–













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