Die zweitägige Wanderung von Moutier nach Courtelary hält einige Höhepunkte bereit. Den Botta-Turm auf dem Moron. Die alte Abtei Bellelay samt ihrer externen Gästeunterkunft, dem heutigen Trutzgasthof «L’Ours». Die futuristischen Windräder des Mont-Crosin. All diese Menschendinge dominiert der Jura selber: breitrückige Höhenzüge aus weissem Kalkstein und die halbbewaldeten Weideflächen der Freiberge. Diese Hochlandschaft löst ihren Begeher zuverlässig von seinen Alltagssorgen.
Alles beginnt in Moutier. Von hier gehen wir via Perrefitte, Cornecul, La Neuve-Bergerie auf den Moron (1336 Meter). Nach der Einkehr in der gipfelnahen Auberge, leider nur Samstag und Sonntag offen, da die wahre Liebe des wirtenden Bauernpaars seinen Pferden gilt, besteigen wir den aus 350 Tonnen Kalkstein gebauten Botta-Turm. Letztes Jahr eingeweiht, zieht er bereits so viel Volk an, dass an Wochenenden ein Kioskwagen auffährt. Das Spiralding ist aber gut gemacht: Die Breite der Treppe im Zusammenspiel mit der Höhe der Seitenwände killt jeden Anflug von Schwindel. Und die dreissig Meter Aufstieg sind ein Klacks, weil die 209 Stufen so schön niederflurig sind.
Im «Ours» zu Bellelay, dessen Markenzeichen die wuchtigen Kalktreppen sind, essen und schlafen wir gut. Am nächsten Tag umkreisen wir die Abtei, die heute eine psychiatrische Klinik ist. Dann geht es Richtung Tramelan. Im Dorf Les Genevez blättert bei einigen Häusern der Putz ab, zeigen sich Fassadenrisse. Zwischen den Häuserlücken rosten Land- maschinenteile, und in einigen Auffahrten schwappt das Wasser aus Teerlöchern. Diese Szenerie könnte man in eine Geo-Rumänien-Reportage schmuggeln mit der Bildlegende: «Europas Schande: Dorfszene aus der Bukowina». Unsere Ad-hoc-Depression weicht danach in der Ambiance der Freiberge schnell: weidende Pferde, Kühe unter tiefastigen Tannen, frischer Wind auf den Höhen und ein grosszügig gespannter Himmel. Der Weg führt via Tramelan hinauf zur Bise de Cortébert, wo wir in der gleichnamigen Auberge zu Mittag essen. Und weiter zum Mont-Crosin und in steilem Abstieg ins hübsche Courtelary. Dort kehrt die Realität zurück: Es ist Sonntagabend, und die perfekte Herbstwanderung ist zu Ende.
Höhendifferenz: 1. Tag 800 Meter auf-, 400 abwärts.
2. Tag 300 Meter auf-, 500 abwärts.
Vom Mont-Crosin fahren auch Busse zum Bahnhof St-Imier. Rückreise via Biel
Hotel: L’Ours, Bellelay, Telefon: 032/484 97 27
Karte: Wanderkarte (1. Tag) als PDF
Karte: Wanderkarte (2. Tag) als PDF













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