Nachruf II

Emilinha Borba

Von Sandro Benini

Emilinha Borba (1923–2005) - Einmal in ihrem Leben hatte sie die Chance, ein Hollywoodstar zu werden. Sie war Sängerin in einem Lokal in Rio de Janeiro, als sich Orson Welles bei einem zufälligen Konzertbesuch von ihrer Stimme und Ausstrahlung derart hinreissen liess, dass er ihr zu einer Karriere in den USA verhelfen wollte. Doch Borba hat den Regisseur von «Citizen Kane» nicht einmal zurückgerufen – zumindest hat sie die Anekdote ein Leben lang stolz herumerzählt.

Zu einem Weltstar wurde die Sängerin, Moderatorin und Schauspielerin wegen dieser frühen Unterlassungssünde zwar nicht, aber bis heute ist in Brasilien keine andere Frau häufiger auf der Titelseite von Musik- und Peoplemagazinen erschienen als die «Königin des Radios». Borbas erfolgreichste Zeit waren die vierziger und fünfziger Jahre, als ihre Rumba- und Sambastücke, ihre Boleros und Karnevalsmärsche zu Gassenhauern wurden und sie sich das Image einer Volkssängerin mit tiefer vorstädtischer Verwurzelung erschuf. Mehrere Operationen an den Stimmbändern setzten ihrer Gesangskarriere ein Ende. Ende der sechziger Jahre wurde es stiller um sie, und um gegen das Schwinden des Ruhms anzukämpfen, begann sie ihre Platten persönlich auf der Strasse zu verkaufen. Die offiziellen Reaktionen auf Borbas Tod – sie erlag am 10. Oktober einem Herzinfarkt – beweisen jedoch ihre ungebrochene Beliebtheit: Rios Bürgermeister ordnete eine dreitägige Trauerphase an, während Brasiliens Staatspräsident Lula da Silva in einem Communiqué schrieb: «Emilinhas Stimme und Grazie werden uns immer in Erinnerung bleiben.»

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