Lebenshilfe

Die Aus-Diät

Jetzt ist es klipp und klar: Fernsehen macht dick.

Von Tobias Hürter

Die Logik des Körpergewichts ist unmissverständlich einfach: Wer mehr Nahrungsenergie aufnimmt, als er verbrennt, nimmt zu. Wer abnehmen will, muss seine Energiebilanz in die roten Zahlen zwingen. Dieser Zusammenhang leuchtet in der Theorie auch jedem Forschungslaien ein, aber die Wissenschaft kann erhellen, wie subtil er in der Praxis ist. Nicht jeder Vielfrass wird dick, und nicht alle Sportler werden drahtig. Schlanke und stämmige Menschen unterscheiden sich in ihren kleinen, sonst kaum beachteten Gewohnheiten.

So haben Mediziner der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, zehn dünne und zehn fülligere Freiwillige mit Beschleunigungsmessgeräten ausgestattet, um zehn Tage sekundengenau ihre Bewegungen zu verfolgen. Alle zwanzig waren nach eigenen Angaben «Stubenhocker», die Messung ergab jedoch, dass die dickeren Probanden pro Tag durchschnittlich zwei Stunden länger herumsassen als die dünnen. Ein paar zusätzliche Schritte, einige Augenblicke länger gestanden, und am Ende des Tages hatten die Schlanken durchschnittlich 350 Kilokalorien mehr verbrannt. In einem Jahr macht diese Alltagsgymnastik bei gleicher Energieaufnahme einen Unterschied von 15 Kilogramm mehr oder weniger auf den Rippen aus.

Als die Mayo-Forscher zur Gegenprobe die Dicken einige Kilogramm abnehmen und die Dünnen zunehmen liessen, behielt jeder von ihnen seine Bewegungsgewohnheiten bei. Damit ist der Kausalzusammenhang geklärt: Der unterschwellige Drang zum Stehen, Gehen und Reden hält das Körpergewicht im Zaum. Um diesen Drang zu fördern, empfehlen die Forscher die Schaffung einer «aktiven und dynamischen Lebenswelt, in der beispielsweise Tanzen das Fernsehen als Freizeitaktivität ablöst».

Gerade gegen den Dickmacher Fernsehen verdichten sich die wissenschaftlichen Indizien. Sozialmediziner der University of Otago, Neuseeland, haben mehr als tausend Kinder vom 4. bis zum 16. Lebensjahr begleitet und dabei festgestellt, dass sich der Body-Mass-Index (ein grössenunabhängiges Mass für die Leibesfülle) statistisch relativ verlässlich aus dem Fernsehpensum errechnen lässt – wobei der Zusammenhang bei Mädchen merkwürdigerweise enger ist als bei Jungen. Wieso, ist noch unklar. Dauerglotzen ist sogar ein besserer Indikator für Übergewicht als Naschen oder mangelnde Körperbetätigung. Keine andere Bewegung macht so wirkungsvoll schlank wie das Drücken des Ausschaltknopfes.

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