Im Namen Gottes des Barmherzigen Allerbarmers!
Dem Gott der beiden Welten, gebührt Dank; Heil und Segen dem Herrn aller Gesandten, Imam der Gottesfürchtigen, Anführer der Mudjahedin, Führer der gesegneten Lautren, Heil und Segen seiner Familie, seinen Gefährten und allen, die seinem Wege folgen bis zum Tage der Auferstehung.
Und nun.
Ich war nie ein begeisterter Leser oder Schreiber, auch habe ich nie vielen Worte gemacht. Aber die Umstände, in denen ich mich befinde, haben mir viel Freizeit beschert, die ich für Andachtsübungen, das Erlernen des Heiligen Korans und ein wenig Sport genutzt habe. Bei diesem Tagesprogramms hat mich Ihr Wunsch erreicht, über meine Erfahrungen mit dem lieben Bruder Abu Musa’b (Ahmad Fadil) zu schreiben. Anfangs habe ich stark gezögert. Aber nachdem ich Gott um die richtige Eingebung gebeten habe, stellte ich fest, dass sich mein Herz über die Sache freute. Die Erinnerungen und Gedanken kamen mir rasch in den Kopf. Ich bitte Gott, den Erhabenen, den Herrn des erhabenen Thrones, Er möge meine Anstrengungen zur Bilanz meiner guten Taten zählen und sie in den Dienst meiner Brüder, den freien Mudjahedin, überall auf der Welt, stellen. Ich verfolge die Nachrichten ihres Djihads mit Sehnsucht und Stolz - sie sind die Löwen und Helden dieser Umma, ihre Hoffnung und ihre richtige Option. Sie führen sie auf dem Weg der Kraft, des Sieges und der nahen Herrschaft, so Gott will. Ich rechne meinen Bruder Abu Mus’ab zu den besten unter diesen heldenhaften Löwen, aber kein Lob übertrifft das Lob Gottes.
Nachdem Gott den muslimischen Mudjahedin den deutlichen Sieg gegen die ungläubigen, heidnischen Russen und den Abgefallenen (vom Glauben) geschenkt hatte, auch nach den Auseinandersetzungen, die allmählich zwischen den verschiedenen Organisationen der afghanischen Mudjahedin zu Tage traten, überlegten sich viele unserer arabischen Brüder, nach Hause, in ihre ursprünglichen Heimatländer zurückzukehren. Vor allem die saudischen, jemenitischen und jordanischen Brüder, die keine Schwierigkeiten mit den Sicherheitsbehörden dort hatten. Im Gegensatz zu uns, den Ägyptern, sowie unseren syrischen, algerischen und libyschen Brüder. Wir hatten nur eine Option – in Afghanistan bleiben, oder uns in die heißen Arenen des Djihads begeben oder in Gebiete gehen, die uns Sicherheit boten, wo es keine starken Zentralregierungen gab, aber starke Allianzen vor Ort.
Aus diesem Grunde fiel unsere Wahl auf den Sudan und Somalia und einige schwache afrikanische Staaten. Einige Brüder waren bereits recht früh in die Länder, die sich von der zerfallenden Sowjetunion befreit hatten, gegangen. Einige wanderten einfach in der Welt umher. Es gab die Auffassung, die einige der lauteren und verständigen Brüder hegten, dass das, was geschehen war und immer noch geschieht, eine große Vergeudung war, die man durch rasche, praktische Schritte aufhalten und korrigieren musste. Dies Fähigkeiten und Erfahrungen, die jene erhabenen und treuen Seelen in sich bergen, sollten gebündelt, organisiert und für die erhofften Veränderungen eingesetzt werden. Also entstand die Idee der gesegneten Qaida des Djihad als ersten Schritt auf diesem Weg.
Wir begannen, die notwendigen Informationen für die Neuorganisation unserer Aktivitäten zu sammeln. Zuallererst galt es, die neuen und alten Informationen über alle Pioniere des Djihad, die am Djihad in Afghanistan teilgenommen hatten, zu sammeln. Die jordanischen und palästinensischen Brüder standen an der ersten Stelle dieser Liste, die unbedingt noch einmal geprüft werden sollte, um die Informationen über die Personen, die dort aufgeführt sind, zu erneuern.
Deshalb verfolgten wir die Militärprozesse vor dem jordanischen Staatsschutzgericht gegen unsere afghanischen Brüder aus Jordanien, die zurückgekehrt waren. Auch die Verfahren gegen verschieden kleine islamische Gruppierungen, die versuchten, kleinere djihadistische Aktionen von der jordanischen Grenze aus gegen den Feind, den zionistischen Staat in unserem geliebten Palästina, durchzuführen, beobachteten wir. Unter diesen Brüdern waren die, die am stärksten in den Medien präsent waren, die Brüder al-Maqdisi und Abu Mus’ab. Das war wegen der Berichterstattung über ihre Verfahren in der Sache al-Tawhid (Bay’at al-Imam = der Treueschwur auf den Imam).
Unser Bruder Omar Abu Omar (Abu Qutada) veröffentlichte regelmäßig die Schriften dieser Brüder in seiner Zeitschrift al-Minhadj (Der Weg), die er in London herausbrachte. Wir haben die Briefe von Bruder Abu Mohammad al-Maqdisi und die von Bruder al-Zarqawi und ihre historischen Plädoyers vor Gericht dort gelesen. Der palästinensische Bruder Abu Qutada brachte uns die frohe Botschaft, dass wir gute Brüder hätten, die in Jordanien aktiv seien und eine vielversprechende Zukunft auf dem Weg der gesegneten Verkündigung hätten.
Wir haben uns deshalb sehr gefreut als wir Anfang 1999 hörten, dass sie freigelassen wurden. Wir waren nicht überrascht, als wir hörten, dass Bruder Abu Mus’ab und ein paar seiner Brüder in Pakistan angekommen seien.
Ich sage, wir waren nicht überrascht, da der Gedanke, sich auf die Seite der kämpfenden Muslime zu stellen, eine Pflicht für jeden ist, der den Islam und seine Glaubensinhalte korrekt versteht.
Die Informationen, die wir hatten, deuteten darauf hin, dass Abu Mus’ab nach Tschetschenien gehen wollte. Dort war das heiße islamische Schlachtfeld, das damals am stärksten frequentiert wurde. Wenn wir die Informationen analysieren wollten, so zeigten sie, dass Bruder Abu Mus’ab über ein hohes Bewusstsein und große Wahrhaftigkeit in seinen Bestrebungen verfügte.
Nach Tschetschenien zu gehen hieß, vollkommen bereit sein, sich zu opfern und hinzugeben, um das zu erreichen, woran man glaubt und was man verkündet. Die gewünschte Veränderung der Lage der Umma kann nicht nur durch Hoffen, Verkünden und Theoretisieren über den unausweichlichen Sieg, nicht nur durch die theoretische Festigkeit herbeigeführt werden. Es bedarf auch der wahrhaften, wirklichen und tatsächlichen Praxis von dem, der theoretisiert. Die Massen der Umma sind nicht mehr so dumm, jedem zu folgen, der quakt. Sie haben ein solch hohes Bewusstsein entwickelt, dass sie nur an das glauben, was sie als real und praktisch erlebt. Hieraus entsprang unsere Theorie in al-Qaida über den Umgang mit den Massen der Umma. Ich werde noch einmal darauf zurückkommen und sie erläutern, so Gott will.
Abu Mus’ab und seine beiden Gefährten bekamen Probleme mit den Sicherheitsorganen in Pakistan, die mit ihren Aufenthaltstiteln dort zusammenhingen. Das führte zu ihrer vorläufigen Festnahme. Man vereinbarte, sie freizulassen unter der Bedingung, dass sie Pakistan verließen. Abu Mus’ab und seinen Gefährten blieb nichts anderes übrig als nach Afghanistan einzureisen.
Ich hörte, dass eine Gruppe Jordanier in Kandahar angekommen sei. Ich war nämlich mit einigen Dingen, die meine Arbeit betreffen, außerhalb dieser Region beschäftigt und kehrte erst zwei Wochen nach Abu Mus’abs Ankunft nach Kandahar zurück. Ich ging zum Gästehaus, das den Gästen und Neuankömmlingen zur Verfügung stand, um ihn zu treffen.
Abu Mus’ab und al-Maqdisi bedurften bei uns keiner Empfehlung. Ihre Kunde und der Ablauf der Verhandlung vor dem Militärgericht in Jordanien, die Ideen, die sie, wie bereits erwähnt, dort öffentlich vorgetragen hatten, reichten als Empfehlung aus. Abu Qutada und einer der Religionsgelehrten des jordanischen Djihad hatten uns ans Herz gelegt, gut für sie zu sorgen.
Ich muss hier berichten, dass ich den Bruder getroffen hatte, der für Abu Mus’ab und seine beiden Gefährten verantwortlich war, um mir ein Bild zu machen von dem, was zwischen den Brüdern und Abu Mus’ab vorgefallen war. Das Ergebnis besagte: Abu Mus’ab vertrete in manchen Fragen rigoristische Auffassungen, über die keine Einigkeit mit den Brüdern erzielt werden konnte.
Ich war über diese Sache aufgebracht. Sie hat das Tor für viele persönliche Erinnerungen, die mir die meisten Stationen meiner Geschichte und meiner Beziehungen ins Gedächtnis riefen, nachdem Anfang der achtziger Jahre Gott mich rechtgeleitet hat, den Islam richtig und korrekt zu verstehen, geöffnet.
Diese Erinnerungen ließen mich Entschuldigungen und Gründe vorab für Abu Mus’ab finden noch ehe ich ihn getroffen hatte. Ich kam nach dem Abendgebet an dem Ort an, wo Abu Mus’ab sich aufhielt. Mich begleitete ein ägyptischer Bruder, ein Schüler von Scheich Abdel Akhar, der wegen einiger praktischen Fragen des Djihad und der Bewegung mit den Brüdern, den Scheichs, nicht gänzlich übereinstimmte.
Wir betraten das Gästehaus und trafen Abu Mus’ab und seine beiden Gefährten, die an der Tür standen, um uns zu empfangen. Ich hatte zwei Stunden vor meiner Ankunft eine diesbezügliche Nachricht ins Gästehaus geschickt gehabt. Wir umarmten die Brüder und gratulierten ihnen, dass sie wohlbehalten angekommen seien, und traten ins Gästehaus ein.
Von Anfang an hast du das Gefühl, wegen ihrer Bescheidenheit und Einfachheit im Umgang, dass du mit ganz normalen Menschen sitzt. Wir haben uns kurz vorgestellt und begannen mit dem Gespräch. Ich fand einen Mann vor, der viele meiner persönlichen Eigenschaften teilte, einen stämmigen Mann, der die Kunst des Redens nicht so gut beherrschte, kurz und knapp das zum Ausdruck brachte, was ihm an Gedanken durch den Kopf schwebte, der keine seiner Überzeugungen preisgab, weder feilschte noch sich duckte, mit einem klaren Ziel, den Islam in die Realität des menschlichen Lebens zurückzuführen. Er nannte nicht viele Einzelheiten über den Weg, die Mittel und die Methoden, um dies zu erreichen, lediglich die Verwirklichung des Tawhid, das Verständnis des richtigen Glaubens und den Djihad gegen die Feinde der Umma.
Seine Lebenserfahrung und seine Erfahrung in der Arbeit (des Djihad) waren nicht umfangreich. Aber sein Ehrgeiz war groß, die Ziele klar. Ich habe ihn ausführlich über die Lage in Jordanien und Palästina befragt. Seine Informationen über Jordanien waren gut, aber die über Palästina sehr schwach.
Danach bewegten wir uns zu den Streitpunkten mit den Brüdern. Wir haben nur zugehört, aber nicht mit ihm darüber diskutiert. Unser Ziel war, ihn erst mal für uns zu gewinnen. Unser Treffen dauerte ca. fünf Stunden hintereinander. Wir haben alles gehört, was er zu sagen hatte und verließen ihn mit dem Versprechen, uns in zwei Tagen erneut zu treffen.
Für den Morgen des darauffolgenden Tages hatte ich bereits einen Termin mit den beiden Scheichs, Usama Bin Laden und Ayman al-Zawahiri, Gott schütze sie, ausgemacht. Wir hatten bereits eine vereinbarte Tagesordnung für das Gespräch. Nach Beendigung der Tagesordnung habe ich die Sache mit Abu Mus’ab zur Debatte gestellt. Die Brüder hatten ja bereits eine klare Vorstellung davon. Die Streitpunkte mit Abu Mus’ab waren nicht neu für uns. Sie waren auch nicht einzigartig. Mit Hunderten von Brüdern, die aus verschiedenen Regionen der Welt zu uns kamen, hatten wir in einigen Dingen und Fragen verschiedene Auffassungen. Der Ursprung ist das unterschiedliche Verständnis einiger Bestandteile des Glaubens in Bezug auf die Treue und die Abwendung und die darausfolgenden Fragen des für ungläubig Erklärens und des Aufschubs. Die zweite Frage betraf die Aktionsmethoden und den Umgang mit der gelebten Wirklichkeit jedes einzelnen in seinem Umfeld und seiner ursprünglichen Heimat. Der wichtigere Punkt in Bezug auf Abu Mus’ab war die Haltung zum saudischen Regime, wie man im Lichte der religionsrechtlichen Bestimmungen über den Unglauben und den Glauben, mit ihm umgehen und es behandeln soll.
Ich habe den Brüdern einen Vorschlag vorgelegt, sie mögen mich in solchen Fällen wie den Abu Mus’abs mit den Verhandlungen beauftragen. Religionsrechtlich gesehen, aber auch vom Standpunkt der Bewegung aus, ist es nicht richtig, einen Bruder oder eine Gruppierung zu vernachlässigen, wenn wir nur Differenzen in kleinen Detailfragen mit ihnen haben.
Die Informationen, die wir hatten, besagten, dass es nicht viele Anhänger der al-Qaida oder ihres Gedankenguts in Palästina und Jordanien gab. Der Plan, der mit den Brüdern vereinbart wurde, maß der Präsenz und Verbreitung in Jordanien und Palästina große Bedeutung zu. Die Palästinafrage ist das verwundete, pochende Herz der Umma. Wer in seinen Aktionen mit ihr verbunden ist, der ist nahe bei den Gefühlen der Umma. Der Kampf gegen die Juden und die Vernichtung ihres Staates sind mit der Veränderung und Befreiung der Umma verbunden. Weder Befreiung noch Veränderung sind möglich, wenn Israel nicht geschwächt und vernichtet wird. Die festgelegte, regionale Ordnung wird solange bestehen, solange der Staat Israel besteht. Diese Ordnung ist dazu da, seinen Zielen zu dienen und ihm den Weg zu Expansion und Verbreitung zu ebnen. Die Verbindung der jetzigen arabischen Regime mit dem Staat Israel ist dialektisch. Wir sind der gemeinsamen Auffassung, es wird keine Befreiung oder Veränderung geben, wenn Israel nicht geschwächt wird. Israel wird aber nicht geschwächt, solange einerseits die arabischen Regime, die ihm dienen, nicht geschwächt sind, und andererseits die westliche Unterstützung ihm und den Regimes nicht entzogen wird. Also ist die logische Schlussfolgerung die, dass wir auf diesem Territorium überall präsent sein müssen. Wie können wir also diese sich bietende Gelegenheit vernachlässigen, in Palästina und Jordanien präsent zu sein? Wie können wir die Chance verstreichen lassen, mit Abu Mus’ab und seinen Brüdern aus den anderen Ländern, die so denken wie er, vertun?
Schließlich, nach zwei Stunden anhaltender Diskussion, stimmten die Brüder zu, mich zu beauftragen, in dieser Sache tätig zu werden und versprachen mir die dafür notwendige Unterstützung.
Ich dankte Gott, dem Erhabenen und Allmächtigen, für diesen Erfolg in einer Sache, die mich seit zehn Jahren beunruhigte. Ich selbst war nicht mit allem einverstanden, vor allem in den praktischen operationalen, taktischen und strategischen Seiten. Das Problem begann für mich seit dem ersten Tag meiner Festnahme in Ägypten am 6.5.1987 wegen des Neuaufbaus der Djihad-Organisation und des Putschversuchs, die als Verfahren Nr. 401 gegen al-Djihad eingetragen wurden. Damals waren fast 6000 Brüder verhaftet worden. Bei Beginn Gerichtsverfahren waren noch 417 Brüder übrig. Dieses Verfahren wurde mit dem Verfahren über den Attentatsversuch an den ehemaligen Innenminister Hassan Abu Bascha und den Journalisten Makram Mohammad Ahmad verbunden. Ich war damals Offizier in den ägyptischen Spezialtruppen im Rang eines Oberleutnants. Mit mir stand vor Gericht Bruder Mohammad al-Burum, Oberstleutnant in der Sonderleibgarde, Gott schütze ihn und leite seine Schritte.
Meiner Meinung nach besaßen die Brüder in den Organisationen al-Djihad und der Djamaa Islamiyya nicht genügend praktische Erfahrungen, um die gewünschte Veränderung herbeizuführen. Das ist meiner Meinung nach und nach der Auffassung einiger Brüder darauf zurückzuführen, dass sie viel zu eifrig waren, was immer zur Hast, ja manchmal zur Leichtfertigkeit führt. Damit verbunden ist die mangelnde praktische Aktionserfahrung und das Fehlen eines im voraus festgelegten kurz- und längerfristigen Plans. Es fehlt auch das Konzept für den Einsatz des Potentials der Umma, ihrer Mobilisierung bis zur äußersten menschlichen und nicht nur materiellen Stufe. Die Veränderung bedarf der Ideen, der Menschen, des Materials und einer aufrechten, erprobten und bewussten Führung, die Perspektive und Planung besitzt, durch die sie ihre Ziele und Mittel bestimmen. Ihr Banner muss klar, gesund und eindeutig sein.
Die Gründe, die mich dazu gebracht hatten, nach Ende des besagten Verfahrens Ägypten zu verlassen, ähneln stark denen, die Abu Mus’ab zum Verlassen Jordaniens bewogen hatten. Man könnte sogar sagen, sie wären identisch, so groß war die Ähnlichkeit zwischen ihnen. Darunter:
1. Die Sicherheitsorgane in Ägypten und Jordanien sind der Auffassung, dass die ideologischen, islamischen Djamaat die größte Bedrohung für das Regime darstellen, da sie keine Kompromisse akzeptieren und zur radikalen, umwälzenden und umfassenden Veränderung aufrufen. Diese Veränderung umfasst alle Bereiche – die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft und das Denken. Aus diesem Grund verfolgen sie (i.e. die Sicherheitsorgane) die islamischen Aktivitäten Tag und Nacht und versuchen, ihnen Präventivschläge zu versetzen, um ihre Erfolgsmöglichkeiten beim ruhigen, zielgerichteten und produktiven Aufbau zu vereiteln.
2. Die Sicherheitsorgane in diesen beiden Ländern versuchen, Agenten und Spitzel in den Reihen dieser Djammat zu gewinnen. Sie sind dabei aus mehreren Gründen außerordentlich erfolgreich gewesen. Hier ist nicht der Ort, um diese Gründe alle zu benennen. Wir hatten das Gefühl, dass die Führung dieser Aktionen sich fern von den Schlägen aufhalten muss, um sie gut planen und durchführen zu können.
3. Die inneren materiellen Ressourcen in diesen beiden Ländern, die für die Verwirklichung der gewünschten islamischen Veränderung notwendig sind, sind nicht vorhanden. Es war nötig, an Türen im Ausland zu klopfen und eine umfangreiche Finanzierung zu sichern.
4. Die Kommunikation und Vereinheitlichung mit den aufrechten islamischen Persönlichkeiten und Gruppierungen kann nicht unter dem eisernen Griff der Sicherheitsorgane in diesen Ländern stattfinden. Es war erforderlich auszureisen.
5. Die Unterstützung der brennenden islamischen Anliegen. Der Freie und Edle kann das Unrecht und die Demütigung, die seine Angehörigen und seine Umma erleidet, nicht hinnehmen.
Das sind einige Gründe, die Bruder Abu Mus’ab und mich bewogen hatten, unsere Heimat zu verlassen und uns in Richtung der verfügbaren Djihad-Schlachtplätze in der islamischen Welt zu bewegen.
Nachdem ich die Zustimmung der beiden Scheichs erlangt hatte, sie mich beauftragt hatten, mich mit Bruder Abu Mus’ab und ähnlichen Fällen zu befassen, habe ich mich mit einigen Brüdern, deren intellektuelle und theoretische Fähigkeiten und breit gefächerte, praktische Erfahrung ich schätze, in Verbindung gesetzt. Wir haben ein rasches außerplanmäßiges Treffen anberaumt und die Sache von allen Seiten diskutiert. Wir haben wichtige Entscheidungen getroffen, nachdem wir ungefähr neun Stunden lang zusammen gesessen hatten, die nur durch das Gebet und eine Mahlzeit unterbrochen wurden.
Ich hatte nun eine umfassende Vorstellung von einem neuen, großen Projekt, dessen Erfolg von Anfang an von der Zustimmung Bruder Abu Mus’ab al-Zarkawis abhing. Ich wandte mich an Gott mit wahrhaftigen Bittgebeten, Er möge mir Erfolg bescheren, dass ich Abu Mus’ab und seine Gefährten von der Bedeutung dieses Teilprojekts für den großen islamischen Entwurf, den wir erfolgreich vollbringen wollen, zu überzeugen vermag.
Am nächsten Tag war unser Termin mit Abu Mus’ab für 9.00Uhr morgens angesetzt. Ich ging mit dem ägyptischen Bruder, den ich bereits erwähnt hatte, zu ihm hin. Wir nahmen einen Bruder aus der arabischen Halbinsel mit. Er stammte ursprünglich aus dem Hidjaz und verfügte über eine lange Erfahrung in Fragen des Djihad und der islamischen Aktion, auf mehreren Schlachtfeldern gesammelt. In den meisten Fragen stimmte er mit mir überein.
Wir sind diesmal nicht ins Gästehaus eingetreten, sondern baten Abu Mus’ab uns allein zu treffen. Er stieg zu uns ins Auto, und wir fuhren alle zum Haus des Bruders aus dem Hidjaz. Wir haben Abu Mus’ab mit diesem Bruder bekannt gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass Abu Mus’ab ihn akzeptiert und sein Herz sich ihm geöffnet hatte. Ich begann das Gespräch, da ich der Planer des Projekts war und eine umfassende Vorstellung von all seinen Facetten hatte.
Der Schwerpunkt des Projekts war, eine Region in Afghanistan zu schaffen, in der sich ein einfaches Lager für das tägliche Training befand, dessen Leitung Abu Mus’ab übertragen würde. Das Ziel war, Brüder aus Jordanien, Palästina, Syrien, Libanon, dem Irak und der Türkei zu gewinnen, da es sich um Regionen handelt, die für uns sehr wichtig, in denen wir aber nach eigener Einschätzung sehr schwach sind.
Der zweite Punkt, den wir ebenfalls mit einigen Experten unter den Brüdern diskutiert hatten, war, dass die ausgewählte Region einerseits von unseren Hauptaufenthaltsort weit entfernt sein sollte, andererseits aber im westlichen Grenzgebiet Afghanistans, der an Iran angrenzt, liegen müsste. Der Grund dafür war, dass der sichere Weg für die Brüder nun über Iran führte, nachdem die pakistanische Regierung strenger mit uns und unserer Bewegung verfuhr. Es wurde sehr schwierig für die arabischen und die anderen Brüder Afghanistan über Pakistan zu erreichen. Dagegen war der Weg über die Türkei und Iran für die Brüder sehr einfach zu begehen.
Die geeignete Stadt, die ausgesucht wurde, war Herat, jene afghanische Stadt, die der iranischen Grenze am nächsten liegt. Somit war sie einigermaßen weit von uns entfernt. Die An- und Abreise in die Stadt und von der Stadt war viel einfacher. Was die materiellen Möglichkeiten betraf, so haben sich der Bruder aus dem Hidjaz und einige seiner Gefährten verpflichtet, sie zur Verfügung zu stellen, passend zur Zahl der Menschen, die sich in Herat einfinden wird und entsprechen den Erfordernissen der Arbeit.
Eine der Fragen, die wir aufgeworfen haben, war die, dass wir von Abu Mus’ab und denen, die mit ihm sind, keine vollständige Bay’a (Treueschwur auf die Führung) verlangen würden. Wir wollten nur Koordination und Kooperation im Dienste unserer gemeinsamen Ziele.
Wir haben ihm erklärt, dass wir bereit sind, jede Form von Spezial- und Sonderausbildung für einzelne oder eine ausgesuchte Gruppe seiner Anhänger zu bieten. Wir haben uns verpflichtet, uns mit den Brüdern der Taliban-Bewegung abzusprechen, um etwaige formale Hindernisse, die in Zukunft auftauchen könnten, von vornherein zu beseitigen.
Wir haben auch über den Aufbau von zwei Stationen in Teheran und Mashad in Iran gesprochen, um die Ein- und Ausreise der Brüder nach und von Afghanistan zu erleichtern..
Das Ziel hinter der Debatte um all diese Fragen, die Verbindung mit einem wichtigen Teil der arabischen und islamischen Welt herzustellen und eine Möglichkeit für die Sammlung aller lauteren Brüder zu schaffen, vor allem hinsichtlich jener, deren Ideen nicht voll und ganz mit den Ideen der al-Qaida übereinstimmten. Unser Etappenziel war, eine gewisse Integration dieser Kräfte zu erreichen, um sie in naher Zukunft - so Gott will - vollständig zu gewinnen.
Wir haben versucht, ein rasche Antwort von Bruder Abu Mus’ab zu bekommen, aber er sagte, er müsste sich zuerst beraten. Bruder Khaled al-´Aruri und Bruder Abdul Hadi Daghlas hätten seinen Weg von Anfang an begleitet und hätten das Recht, um Rat gefragt zu werden. Wir vereinbarten, uns in zwei Tagen zu treffen. Der Termin war an einem Freitag. Der Bruder aus dem Hidjaz hatte uns zum Mittagessen eingeladen. Alle waren einverstanden. Abu Mus’ab empfahl, seine beiden Brüder zum Mittagessen mitzunehmen. Wir vereinbarten, dass wir ihnen vor dem Gebet einen Wagen schicken, damit wir alle gemeinsam das Gebet verrichten könnten.
Genau das ist nach zwei Tagen geschehen. Wir haben alle gemeinsam das Freitagsgebet verrichtet und ins Haus des Bruders aus dem Hidjaz begeben. Das Mittagessen bestand aus einer arabischen ‚Kabsa’. Wir begannen das Gespräch schon beim Essen. Bruder Abdul Hadi stellte Fragen und bat um Erläuterung einiger Punkte. Von seinen Nachfragen wurde deutlich, dass er doch über eine gewisse Intelligenz verfügte. Gott, der Erhabene und Allmächtige, hat uns geleitet, und wir konnten alle vorgebrachten Fragen beantworten. Das Ergebnis war, dass Abu Mus’ab und seine beiden Gefährten ihre volle Zustimmung zum Projekt äußerten. Wir vereinbarten, bereits am nächsten Tag mit den Vorbereitungen zu beginnen.
Der Plan besagte, dass Abu Mus’ab und seine beiden Gefährten für die Dauer von 45 Tagen ein gewisses Training erhalten. Währenddessen trafen wir nacheinander alle Vorbereitungen in Herat und Mashad. Abu Mus’ab begann, Kontakt mit seinen Gefährten aufzunehmen, um sie zum Kommen zu überreden.
Während der Ausbildung habe ich beobachtet, dass Abu Mus’ab und seine beiden Gefährten begierig waren zu lernen. Sie waren sich selbst gegenüber sehr streng, immer bestrebt, höhere Stufen zu erreichen.
Die Zeit der Ausbildung war rasch beendet, und wir begannen nach Plan mit den Vorbereitungen für den Umzug nach Herat. In dieser Zeit waren zwei Brüder aus Syrien zu uns gestoßen. Wir berichteten ihnen vom Projekt in Herat, und sie waren ohne Zögern damit einverstanden. Wir gingen nach Herat und fanden, dass unsere Brüder ein Gebiet für uns ausgesucht hatten, das am Rande von Herat lag und ein kleines altes Militärlager beherbergte, das sie mit dem Notwendigsten für den Anfang ausgestattet hatten.
Wir dankten Gott, dem Erhabenen und Allmächtigen, für diesen Erfolg. Vier Tage verbrachten wir mit ihnen in Herat, an deren Ende ich das Gefühl hatte, dass Abu Mus’ab, seine jordanischen und syrischen Gefährten und wir vollkommene Übereinstimmung in unseren Ideen erzielt hatten. Wir vereinbarten, uns regelmäßig einmal im Monat zu treffen – einmal kommen sie zu uns und einmal fahren wir zu ihnen. Wir ließen drei Kleinlaster zurück. Sie gehörten zu den Fahrzeugen, die uns auf unserer Reise begleitet hatten. Wir versprachen ihnen weitere Fahrzeuge, falls es nötig werden sollte. Anschließend verabschiedeten wir uns von ihnen und kehrten wohlbehalten zurück.
Wir verließen Abu Mus’ab mit seinen beiden Gefährten Kaheld und Abdul Hadi und den syrischen Brüdern. Wir waren uns sicher, dass sie Erfolg haben, ja sogar ein mustergültiges Projekt schaffen würden. Alle besaßen eine Willenskraft, die Berge versetzen konnte. Ihre Leidenschaft, ihre Sorge um den Islam und die Muslime war unvergleichlich. Als wir unser Quartier erreicht hatten, schrieben wir einen ausführlichen Bericht für die Brüder. Ich hatte das Gefühl, dass das, was wir geschafft hatten, ihre Zustimmung fand und sie zufrieden stellte. Gott, dem Herrn der beiden Welten, gebührt der Dank!
Ein ganzer Monat war seit unserer Rückkehr aus Herat vergangen. Während dieser Zeit hatten wir drei Kleinlaster vorbereitet und sie mit Sachen beladen, von denen wir meinten, dass die Brüder sie brauchten. Ich fuhr mit fünf meiner arabischen Gefährten los, darunter auch der bereits erwähnte Bruder aus dem Hidjaz. Zwei afghanische Brüder begleiteten uns. Wir kamen am Nachmittag in Herat an. Wir hatten Abu Mus’ab den Zeitpunkt unserer Ankunft mitgeteilt. Die Brüder erwarteten uns bereits. Sie hatten ein Mittagessen für uns vorbereitet. Bemerkenswert war, dass das Essen, das sie für uns vorbereitet hatten, aus mehreren Gerichten bestand. Es hatte zumeist syrischen Charakter, war gut gemacht und schmackhaft. Es war ganz anders als das Essen, das wir während der vier Tage, die wir das letzte Mal in Herat verbracht hatten, zu uns zugenommen hatten. Ich fragte nach. Mir wurde gesagt, dass zwei syrische Familien, die ursprünglich aus Aleppo stammten und zu denen gehörten, die sich in der Türkei niedergelassen hatten, vor fünf Tagen in Herat angekommen wären. Sie hatten das Essen zubereitet. Diese Neuigkeit war sehr erfreulich, denn sie bedeutete, dass die Idee auf dem Wege des Erfolgs war. Ich dankte Gott ausgiebig dafür. Wir gingen dazu über, uns nach der Lage und den Schwierigkeiten, die sie im vergangenen Monat gehabt und was sie bis jetzt geleistet hätten, zu sprechen. Die Bilanz sah folgendermaßen aus:
1. Abu Mus’ab und seinen Brüdern war es gelungen, die Beziehungen zu den verantwortlichen Brüdern aus der Taliban-Bewegung in der Region zu festigen. Dadurch hatten sich die Taliban - Brüder bereit erklärt, all ihre vorhandenen Möglichkeiten dem Projekt zur Verfügung zu stellen und zu seinem Erfolg beizutragen.
2. Die Zahl der Leute, die wir in Herat zurückgelassen hatten, betrug vier Personen: Abu Mus’ab und seine beiden Gefährten und die zwei Brüder aus Syrien. Wir fanden heraus, dass die beiden syrischen Familien, die nach Herat gekommen waren, aus 13 Personen bestanden – den Familienvätern, drei Jugendlichen über 16 Jahre, zwei Frauen und sechs Mädchen. Das bedeutete, dass die Zahl der Araber in Herat auf 18 gestiegen war.
3. Wir stellten fest, dass Bruder Abu Mus’ab, zusammen mit den syrischen Brüdern, ein militärisches, kulturelles und taktisches Programm entworfen hatten, das ich damals als wunderbar eingeschätzt habe. Das kulturelle Programm betonte die ideologische Erziehung, das Erlernen des Korans und das Studium der Geschichte und Geographie.
4. Es wurde uns klar, dass Abu Mus’ab und seine Gefährten übereingekommen waren, eine Organisationsstruktur für eine integrierte Gesellschaft zu schaffen, da sie erwarteten, dass Hunderte von Brüdern mit ihren Familien zu ihnen stoßen und bald nach Herat kommen würden.
5. Wir haben erfahren, dass Abu Mus’ab seine Brüder in Jordanien benachrichtigt hatte, um ihnen die frohe Botschaft von seinen ersten Erfolgen in Afghanistan zu übermitteln. Er bat jeden, der auswandern kann, zu kommen und hat nach seiner Familie und der Familie von Abdul Hadi verlangt. Das gleiche hatten auch die syrischen Brüder getan. Das zeigte, dass sie an den Erfolg und die Bedeutung des Projekts glaubten.
Wir dankten Gott für diese großartigen Fortschritte und sprachen über die weitere Entwicklung, auch über die Erhöhung der Ausstattung und die Stationen in der Türkei und Mashad.
Wir verbrachten drei Tage dort und nahmen teil an ihrem Tagesprogramm, das sie mit Leidenschaft und Gewissenhaftigkeit durchführten. Dann haben wir uns von ihnen verabschiedet und vereinbart, dass sie in einem Monat zu uns kommen würden. Wir kehrten so fröhlich und optimistisch zu unserem Quartier zurück, dass der Bruder aus dem Hidjaz ernsthaft darüber nachdachte, sich Abu Mus’ab und seinen Gefährten in Herat anzuschließen. Wir haben die neuen Informationen und Ergebnisse in die Akte Herat, die wir vor drei Monaten angelegt hatten, aufgenommen und berichteten den dafür zuständigen Brüdern von den Entwicklungen.
Die Tage vergingen sehr schnell. Unser monatlicher Termin rückte heran. Bruder Abu Mus’ab und der syrische Bruder Abul-Ghadiya kamen. Es gab neue frohe Botschaften. Die Zahl der Araber im Lager hatte sich auf 42 erhöht – Männer, Frauen und Kinder, darunter die Familien von Abu Mus’ab und seinen beiden Gefährten. Auch hatten sich drei neue syrische Familien eingefunden, eine davon aus Europa.
Abu Mus’ab verkündete, dass sie angefangen hätten, eine islamische Gesellschaft im Kleinen aufzubauen. Es gäbe jordanische und palästinensische Brüder, die bald in Herat ankommen würden. Er sagte ebenfalls, der Weg nach Herat über Iran wäre durchlässig und sicher. Diese Tatsache war für uns in al-Qaida sehr wichtig, und wir haben sie auch in der nächsten Zukunft sehr gut genutzt. Wir ersetzten den alten Weg über Pakistan durch diese neue Reiseroute, vor allem was die arabischen Brüder betraf. Das hat auch zur Überlegung geführt, dass wir versuchen sollten, Beziehungen zu einigen lauteren Brüdern in Iran aufzubauen. Das sollte den Weg noch mehr erleichtern und ebnen. Auch wollten wir in einigen gemeinsamen Dingen eine Koordination mit ihnen erreichen. Später fand dann die Koordination mit den Iranern statt.
Wir erlangten diese Koordination mit Personen, die in ihrer Feindschaft zu den Amerikanern und Juden aufrichtig waren, aber nicht mit der iranischen Regierung. Während dieser Zeit habe ich eine wichtige Persönlichkeitsveränderung bei Abu Mus’ab beobachten können. Bei unserem ersten Treffen vor ungefähr vier Monaten war Abu Mus’ab nicht sehr gesprächig gewesen, sein Interesse an politischen Neuigkeiten und seine Ideen dazu waren beschränkt. Aber jetzt war er gesprächig, zeigte Interesse an fast allen Dingen, hatte sogar angefangen, public-relations für den Erfolg seines Projekts zu betreiben. Ich bemerkte auch, dass er viel überzeugender wirkte und seine Gesprächspartner stärker beeinflussen konnte als früher. Sogar seine Aussprache näherte sich der Hochsprache und entfernte sich immer mehr vom Dialekt. All diese Dinge zusammengenommen waren Indikatoren für die Entstehung einer herausragenden Führungspersönlichkeit.
Sein syrischer Gefährte war wunderbar und besaß breit gefächerte Erfahrungen. Er konnte mehrere Sprachen, darunter Englisch und Türkisch, auch ein wenig Kurdisch. Die syrischen Brüder, die ich in Afghanistan kennen gelernt habe, gehörten alle zu den wunderbarsten und treuesten Brüdern, die ich je im Leben gekannt habe. Die Leiden, die sie erdulden mussten und noch müssen, haben eine große Rolle bei der Prägung ihrer Persönlichkeiten gespielt. Sie sind höflich, gehorsam ihren Führern gegenüber, sind motiviert zu lernen und theoretische und praktische Erfahrungen zu sammeln. Meine Zuversicht in Abu Mus’abs Projekt wuchs immer mehr, vor allem als ich erfuhr, dass neue Brüder sich ihm angeschlossen hatten.
Das Projekt Abu Mus’abs wuchs und gedieh weiter. Die Zahl der Brüder, die darin wetteiferten, nach Herat zu kommen, stieg. Ihre Nationalitäten diversifizierten sich immer mehr. Er hatte nun Syrer, Jordanier, Palästinenser und einige Libanesen und Iraker bei sich. Mit Gottes Hilfe und Seinen Wohltaten konnte Abu Mus’ab Beziehungen zur kurdischen Organisation ‚Ansar al-Islam’ aufbauen, die im Nordirak verbreitet war. Dort hatten sie Stützpunkte und waren deutlich präsent.
Die regelmäßigen Besuche, die wir nach Herat unternahmen, setzten sich fort. Bei jedem Besuch konnten wir das Neue und die Entwicklung auf allen organisatorischen und administrativen Ebenen und das Anwachsen der militärischen Fähigkeiten der jungen Leute beobachten. Anfang des Jahres 2001 war Abu Mus’ab ein anderer Mensch geworden. Er besaß nun persönliche Fähigkeiten und Potentiale, die sich auf seine Sicht der Dinge auswirkten. Er dachte viel gründlicher und im voraus über alle Fragen nach, mit denen er sich konfrontiert sah. Er begann auch über die Zukunft nachzudenken und sie strategisch zu planen. Denn er fing an, sich um den Aufbau von Beziehungen zu allen Nationalitäten und Ethnien, sowohl unter den arabischen als auch den nichtarabischen jungen Männern, die sich in Afghanistan befanden zu kümmern. Er reiste durch ganz Afghanistan mit dem Ziel, sie zu treffen und die neuesten Nachrichten über die Lage in ihren Ursprungsländern zu hören. Deswegen vertrat ihn Abdul Hadi Daghlas in der Regel in Herat, während er mit Khaled al-´Aruri und Suleiman Darwish Abul-Ghadiya herumreiste. Ich kann sagen, dass die vollen Merkmale der Führung in der Persönlichkeit von Abu Mus’ab immer deutlicher wurden. Sie manifestierten sich in folgenden Punkten:
1. Er hegte eine umfassende Sorge um die tatsächliche Lage der islamischen Umma.
2. Aufopferung, Präzision und das Bemühen, rasch etwas zu leisten, wurden zu seinen charakteristischen Merkmalen.
3. Die Liebe zum Lesen, um alles zu erfahren, was in der Welt vor sich ging, gehörte nun zu seinen ständigen Interessensgebieten.
4. Abu Mus’ab bewunderte über die Maßen den herausragenden islamischen Militärführer, Nur ad-din Zandji, der den Prozess der Befreiung und Veränderung begann, den der Held Salah ad-din al-Ayyubi (Saladin) vollendete. Er fragte immer nach den vorhandenen Büchern über Zandji und seinen Schüler Salah ad-din. Ich glaube, dass das, was er über Nur ad-din und seinen Aufbruch aus Mosul im Irak, gelesen hatte, einen sehr starken Einfluss auf Abu Mus’ab gehabt hat, sodass er sich schließlich nach dem Fall der Regierung des islamischen Emirats in Afghanistan für den Wechsel in den Irak entschied.
5. Abu Mus’abs Interesse für die Personen um ihn herum wuchs. Er sprach mit mir dauernd über die Mittel, die den sozialen und psychologischen Zusammenhalt zwischen ihnen stärken könnten. Er hat sich die Sira (Biographie) des Propheten, Gott spende ihm Segen und Heil, zum Vorbild genommen. (Der Prophet hatte) die Töchter seiner Gefährten, Abu Bakr und Omar, also Aischa und Hafsa, geehelicht. Deswegen heiratete er die Tochter eines seiner palästinensischen Gefährten, der ihm aus Jordanien gefolgt war. Die Gefährten Abu Mus’abs begannen nun zu heiraten und ihre Töchter untereinander zu verheiraten, obwohl das Alter einiger Mädchen doch sehr jung war, wenn man es mit dem üblichen Heiratsalter ihrer Altersgenossinen im arabischen Raum verglich. Abu Mus’ab und seine Brüder hatten es geschafft, in jeder Hinsicht – ideologisch, sozial und wirtschaftlich - eine einzige fest gefügte, miteinander verwandte Familie zu werden. Ich glaube, dass die Liebe und Zuneigung, die sie untereinander verband, der Liebe und Zuneigung ähnlich wurden, die die Gefährten des Propheten verband. Ich denke, dass dieses neue, aktuelle Beispiel eine richtige und sich immer wieder erneuernde Lektion für alle sein sollte, die in der Verkündigung und der modernen islamischen Bewegung aktiv sind.
6. Nach zwei Jahren der Aktivität und Aufbauarbeit in Herat begann Abu Mus’ab zu erwägen, einige seiner guten, vertrauenswürdigen Gefährten in Regionen außerhalb Afghanistans zu schicken, um dort bei der Mobilisierung und Spendensammlung tätig zu werden. Ich glaube, den Anfang machte er in der Türkei und in Deutschland, denn die syrischen Brüder, die sich ihm angeschlossen hatten, besaßen Beziehungen in beiden Gebieten.
7. Unter allen Brüdern, die ich jemals getroffen hatte, war Abu Mus’ab derjenige, der die brennendste Sorge um die Würde der Muslime, ihr Blut und ihr Ansehen in sich trug.
Das sind einige Merkmale der Persönlichkeit von Bruder Abu Mus’ab vor den Ereignissen des 11.9.2001.
Die Ziele der Anschläge von New York
In dieser Zeit hatten wir in al-Qaida die Vorbereitungen für den größten aller Schläge abgeschlossen. Unsere angestrebten Ziele hatten drei Schwerpunkte:
1. Seit der Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika und ihrer Unabhängigkeit von der britischen Krone und im Laufe von über zwei Jahrhunderten in der Menschheitsgeschichte, tummeln sie sich ungehindert in der ganzen Welt. Sie unterdrücken das eine Volk und greifen das andere an. Sie rauben und plündern die Ressourcen der Völker und Nationen. Manche mögen sich wundern, wenn wir ihnen sagen, dass die USA im Jahre 1817 ihre Flotte in Richtung Algerien geschickt hatte, um das Land zu besetzen. Dieser Flotte stellten sich die arabischen Mudjahedin und Seeleute, die der Westen damals Piraten nannte, im Mittelmeer entgegen und bescherten ihr die schlimmste Niederlage, nachdem die Gefechte zwischen der amerikanischen und der islamischen Seite über drei Monate gedauert hatten. Diese amerikanische Aggression war der Anfang des kolonialistischen Plans, der im Jahre 1815 beim zweiten Kongress der europäischen Nationen in Wien beschlossen worden war. Seit dieser Zeit setzen die USA alles daran, unsere Umma anzugreifen mit dem Ziel, sie zu demütigen und ihre Ressourcen und Reichtümer zu kontrollieren, ebenso wie alle anderen schwachen und unterdrückten Völker der Erde. Im vergangenen Jahrhundert haben wir erlebt, wie sie versucht hatten, China, Korea und Vietnam zu unterjochen. Sie verschwören sich gegen alle Völker in Afrika und Südamerika. Das Ziel ist offenkundig: Eine eindeutige, brutale Aggression, die auf Motiven und Ursachen beruht, welche ständig von Lügen und Irreführungen verhüllt werden. Sie haben bereits eine Reihe von Regierungen und Staaten gestürzt. Was in Jugoslawien passiert ist, ist noch gegenwärtig. Sie haben viele politischen Führer in der ganzen Welt, die ihnen Widerstand geleistet haben, ermordet, nachdem sie ihnen keine Gelegenheit gegeben hatten, ihre Ziele zu verwirklichen. Kein Staat und kein Volk auf der ganzen Welt hat es je gewagt, sie auf ihrem Territorium anzugreifen, sodass ihre Arroganz, ihr Stolz und ihre Selbstgefälligkeit die wesentlichen Merkmale ihrer psychischen Struktur bilden. Das hat ihre Tyrannei und Brutalität noch gesteigert, bis sie so weit gekommen sind, alle anderen Nationen und Völker zu verachten.
Unser erstes Ziel war also, den Kopf der Schlange in ihrem eigenen Haus zu treffen, um ihren Stolz zu brechen, ihre Arroganz zu zermalmen und ihrer Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit die Luft abzudrehen. Dieses Ziel ist zumindest teilweise verwirklicht worden, Gott sei’s gedankt. Wenn die anderen Anschläge ebenso erfolgreich gewesen wären wie der Anschlag gegen die beiden Türme, dann hätte die Welt den raschen und überraschenden Umschwung gespürt. Aber nur Gott kann es wissen.
2. Das zweite Ziel dieses Anschlags war, eine neue, lautere Führung für diese Welt hervorzubringen, die unter den Füßen der jüdisch-angelsächsischen-protestantischen Allianz zermahlen wird.
Unserer Meinung nach sind die lauteren Muslime die einzigen, die die notwendigen Qualifikationen haben, um diese Menschheit zu führen, und sie aus der Finsternis von Ungerechtigkeit, Tyrannei und Unterdrückung herausgeleiten, und vor allem sie vor der Aggression dieser verfluchten Allianz zu retten. Wenn unsere Umma und die Unterdrückten der Erde sehen, dass es Menschen gibt, die keine Angst vor dieser satanischen, bösartigen Allianz haben und dass diese Neuankömmlinge einen festen und wohlüberlegten Plan haben, um dieses elende Leben, das die Unterdrückten der Erde führen, zu verändern, dann werden gerade diese Neuankömmlinge die lautere Führung dieser Welt sein, die sich gegen die Kräfte des Bösen, der Unterdrückung und Aggression stellt. Die Basis und die göttliche Richtschnur, die diesen Konflikt bestimmt, ist (der Vers) „Das Recht ist gekommen, und das Unrecht ist zugrunde gegangen, denn das Unrecht ist dem Untergang geweiht“. Wenn das Recht aufbricht, um gegen das Unrecht zu kämpfen, dann wird das Recht ohne Frage siegen, egal wie lange es dauert. Unser Motto ist die Aussage von Rib’i Ibn ´Amer, als er auf den Führer der Perser, Rustam, vor der Schlacht von al-Qadisiyya traf und dieser ihn fragte: „Warum seid ihr gekommen, Rib’i?“ Er antwortete: „Gott hat uns gesandt, um die Diener (Gottes) aus der Anbetung der Diener (Gottes) zur Anbetung Gottes, aus der Ungerechtigkeit der Religionen, in die Gerechtigkeit des Islam, aus der Enge der Welt in die Weiten des Diesseits und des Jenseits, herauszuführen.“
Der edle Freie nimmt die Ungerechtigkeit und das Unrecht nicht hin, weder gegen sich, noch gegen sein Volk oder die gesamte Menschheit. Wie können wir schweigen angesichts dieser schreienden Ungerechtigkeit und eklatanten Missachtung aller Werte der Menschheit und ihres lauteren Erbes, das diese Leute aus den fremden Ländern geschändet haben.
Also war unser Ziel, eine wahrhaft lautere islamische Führung hervortreten zu lassen, deren Ziel es ist, die Potentiale der Umma zu bündeln und, Kräfte zu wecken und die betrogenen Unterdrückten in dieser Welt gegen diesen polypenartigen Satan, den diese Allianz darstellt, aufzurütteln; eine Führung, die sagt, was sie denkt und tut, was sie sagt, ohne Furcht und Tadel. Nur Gottes Schicksalmacht und Seine Vorsehung würden sie daran hindern, ihre Ziele zu erreichen. Genau dieses Ziel ist verwirklicht worden, Gott sei’s gedankt.
3. Aber unser letztes Ziel, diese schmerzhaften Schläge gegen den Kopf der Schlange zu richten, war, sie aus ihrem Loch heraus zutreiben, damit es für uns einfacher wird, ihr einen Schlag nach dem anderen zu versetzen, (Schläge) die dazu beitragen, sie zu schwächen und zu zerfetzen und uns wiederum eine größere Glaubwürdigkeit bei unserer Umma und den unterdrückten Völkern der Erde verleihen.
Der Mensch, der harte Schläge auf den Kopf bekommt, die ihm eine unbekannte und unkenntliche Zahl versetzt, dessen Reaktionen werden ratlos, blind und wenig zielgerichtet; sie zwingen ihn, planlos zu agieren und gefährliche Fehler zu begehen, welche manchmal auch tödlich sein können. Genau das ist geschehen. Die erste Reaktion war der Einmarsch in Afghanistan, die zweite der Einmarsch in den Irak. Es könnten noch weitere Fehler folgen, noch planlosere Reaktionen, so Gott will.
Diese Reaktionen haben die Amerikaner und ihre Verbündeten dazu geführt, unserer seit ungefähr zwei Jahrhunderten schlafenden Umma massive Schläge an den Kopf und gegen vitale Organe des Körpers zu versetzen. Diese Schläge werden – so Gott will – helfen, diese Umma zu erwecken und aus ihrer Apathie hinauszudrängen. Wehe den Amerikanern, den Juden und den Engländern und ihrem Gefolge, wenn unsere Umma erwacht.
Also war unser Ziel, die Amerikaner aus ihren Löchern heraus zutreiben und sie zu verleiten, massive Schläge gegen den Körper der somnambulen Umma zu richten. Denn ohne diese Schläge gibt es keine Hoffnung, dass sie aufwacht und gesundet. Unsere Waffe, mit der wir den Sieg über unsere Feinde davon tragen werden, sind die gesamten Volksmassen der Umma mit all ihren Potentialen und materiellen und moralischen Ressourcen.
Also besitzen wir jetzt eine bewusste, lautere Führung, die einen durchdachten Plan besitzt, den wir aber jetzt nicht in allen Einzelheiten erläutern möchten. Und die schlafende Umma wacht allmählich und steht auf.
Die Amerikaner und ihre Anhängsel sind in die Falle getappt.
Abu Mus’ab war in den Anschlag nicht vorweg eingeweiht. Auch waren ihm die Ziele unbekannt. Deshalb haben wir ihm die Zielsetzungen genau erläutert und ihm einige wichtige Etappenziele, die in Bälde erfüllt werden, offenbart. Wir haben aber auch die Eventualitäten der erwarteten amerikanischen Antwort erklärt. Unsere Einschätzung war, dass der Anschlag nur 20% des Plansolls erfüllt hatte. Aber dieser Erfolg war ausreichend, um die Amerikaner zu der gewünschten Reaktion zu verleiten. Und genau das ist geschehen.
In den zwei Monaten, die auf den Anschlag folgten, begannen die Amerikaner in Worten und Taten planlos zu wüten – angefangen mit den vielfältigen Drohungen, al-Qaida und ihre Anhänger völlig zu vernichten und den djihadistischen Islam auszurotten und überall zu verfolgen. Ihr Gefolge, ihre Verbündeten und Anhängsel, machten es ihnen in Wort und Tat nach. Das, was wir uns gewünscht und wofür wir geplant hatten, ist geschehen. Die Krönung des ganzen war die Erklärung des kleinen Busch, er führe einen Kreuzzug gegen den Islam und die Muslime auf der ganzen Welt.
Dieser Krieg bestand bereits und wurde geführt. Er war mit dem ersten Kreuzzug zur Zeit Saladins und Richard Löwenherz, der viele Ausläufer hatte, nicht beendet worden. Die Ignoranz Buschs und seiner Schergen gegenüber dem Sinn dieses Begriffs und seiner Bedeutung für uns war ein großer Sieg, den wir wegen ihrer Dummheit und ohne dass sie es gemerkt hätten, ihren Mündern entrissen haben.
Kehren wir zurück zu Bruder Abu Mus’ab. Er verbrachte nun mehr Zeit mit uns in Kandahar als in Herat. Er hat dabei viel gelernt, sodass er sich ein umfassendes Bild vom gesamten Kampf, der in der ganzen Welt zwischen Recht und Unrecht tobt, machen konnte. Das Recht vertreten die Anhänger der Gesandten und der richtigen himmlischen Botschaften. Das Unrecht verkörpern die Anhänger der Teufel und der verfälschten himmlischen Botschaften, die nach dem Wunsch einiger Menschen verwandelt wurden, damit sie ihrer Gier und ihren persönlichen Interessen dienlich sind, auch wenn diese Interessen auf Kosten des armen, unterdrückten und bedürftigen Rest der Menschheit erfüllt werden.
Der amerikanische Angriff begann Ende 2001. Abu Mus’ab kehrte nach Herat zurück, um dort in der Nähe seiner Brüder und seiner Gruppe zu bleiben. Wir hatten keinen klaren und wohlüberlegten Plan, wie wir mit der Konfrontation umgehen sollten. Die Region Herat besaß einen bedeutenden schiitischen Bevölkerungsanteil. Die Lager der Taliban, ihre Truppenkonzentrationen und die Munitionslager wurden heftig bombardiert. Die Abtrünnigen und die Schiiten bewegten sich rasch in der Region und brachten sie unter ihre Kontrolle. Die Männer der al-Qaida, die Taliban und die Gruppe von Abu Mus’ab hatten nur eine Alternative, sich schnell zurückzuziehen und sich uns im Osten Afghanistans anzuschließen.
Vor dem Auszug Abu Mus’abs und seiner Brüder aus Herat wurde eine Gruppe ihrer Gefährten von den Truppen der Schiiten und der Abtrünnigen gefangen genommen. Es war fast unmöglich, sie zu retten und freizubekommen. Nach dem, was mir erzählt wurde, hat Abu Mus’ab darauf bestanden, sie aus der Gefangenschaft zu befreien. Er versammelte 25 Kämpfer aus seiner Gruppe um sich, betete mit ihnen zwei Rak’as (Gebetsabschnitte = Rumpf beugen und sich niederwerfen – d.Ü.), das Gebet der Not, und griff den Ort an, in dem seine Gefährten gefangengehalten wurden. Der Angriff kam überraschend, was die Verteidiger verwirrte. Es war auch ein heftiger Angriff, da der Angreifer verzweifelt war und keine andere Möglichkeit sah, außer seine Brüder zu befreien oder zu sterben.
Das Ergebnis war die Flucht der Verteidiger und die Errettung aller Brüder ohne eigene Verluste. Dieser Vorfall zeigt das Ausmaß des Erfolgs, das im Laufe von zwei Jahren im Lager Abu Mus’abs erreicht worden war. Daraus waren Männer hervorgegangen, die einander in Liebe verbunden waren, bereit sich zu opfern, um ihre Prinzipien und ihre Gefährten zu verteidigen, auch wenn sie sich selbst in Gefahr brachten.
Nachdem Abu Mus’ab und seine Brüder ihre Gefährten befreit hatten, begannen sie mit den Vorbereitungen für den Abzug aus Herat. Sie verließen Herat in einer Karawane von 135 Wagen, zusammen mit ihren arabischen Brüder der al-Qaida und den Rest der Taliban-Brüder.
Der Weg nach Kandahar war lang, die Flugzeuge überfolgen den Luftraum Afghanistans. Aber, Gott sei’s gedankt, die Karawane ist wohlbehalten in Kandahar angekommen. Unser Entschluss stand von Anbeginn fest: Wir mussten Kandahar verteidigen ohne Rücksicht auf Verluste. Wir begannen damit, die Frauen und Kinder der arabischen Brüder in Sicherheit zu bringen, indem wir sie nach Pakistan schickten. Dann fingen wir mit den Vorbereitungen für die Konfrontation an.
Eines Tages gab es ein Treffen der wichtigsten Brüder, Abu Mus’ab gehörte dazu, als einer der Brüder sein Satellitentelephon benutzte. Ich verließ mit drei Brüdern das Treffen, das war ein paar Minuten nachdem der Bruden sein Telefon benutzt hatte. Zehn Minuten später hat ein amerikanisches Flugzeug das Haus bombardiert, in dem das Treffen stattgefunden hatte. Abu Mus’ab und einige Brüder waren noch in dem Haus. Aufgrund der Bombardierung stürzte die Decke des Gebäudes ein. Keiner der Brüder wurde getötet, aber manche erlitten Brüche, darunter auch Abu Mus’ab. Er hatte durch die herabstürzenden Decke einige Rippen gebrochen und manch eine Quetschung und Prellung davongetragen.
Der Angriff auf Kandahar begann. Es gab einen neuen Beschluss der Führung, sich unbedingt in die Berge zurückzuziehen und die Verwundeten in sichere und vor den Angriffen geschützte Gebiete zu evakuieren. Abu Mus’ab wurde aufgefordert, nach Paksitan auszureisen, da er zu den Verwundeten gehörte, aber er weigerte sich, hat sich uns angeschlossen und weiter an der Schlacht teilgenommen.
Die Amerikaner hatten Angst vor der direkten Konfrontation. Deshalb verließen sie sich auf ihre Bombardierungen. Sie benutzten die Truppen der Nordallianz, der Allianz von Heuchlern und Abtrünnigen, um Geländegewinne zu erzielen. Das, was vorher gesagt wurde, beweist, dass Abu Mus’ab weder fliehen noch die Konfrontation vermeiden wollte, auch wenn er eine religionsrechtlich relevante Entschuldigung hatte, die dies ermöglicht hätte.
Die Konfrontation war weder gleichgewichtig noch direkt. Die Ziele des amerikanischen Angriffs waren:
1. Der Sturz des islamischen Emirats in Afghanistan und jede Möglichkeit seiner Rückkehr oder Wiederholung auszuschließen. Es hatte die Bedingungen, den Boden und den sicheren Ort für al-Qaida bereitgestellt. So etwas durfte nicht noch einmal geschehen. Wenn dieses Emirat weiter bestanden hätte, dann wäre es der Anfang des islamischen Kalifatstaates gewesen, das alle Muslime auf der ganzen Welt herbeisehnen.
2. Die Vernichtung der al-Qaida und ihrer Führung. Das sollte für alle Zeiten allen eine Lehre sein. Wer sich getraut, diesen riesengroßen Elefanten (die USA) anzutasten, muss seine Strafe erhalten. Die Strafe muss die totale und endgültige Ausrottung sein.
Das war eine der größten Herausforderungen, mit der wir uns seit dem Beginn unserer Arbeit konfrontiert sahen. Es musste eine sinnvolle Reaktion darauf geben, die der Größe der Herausforderung entsprach. Also war die mutige Entscheidung der Führung die, das Emirat aufzulösen und sich erneut in die afghanische Umgebung zu integrieren und einzugliedern. Im Rahmen eines wohlüberlegten und fest gefügten Plans sollte die Rückkehr in sieben Jahren, nach der Niederlage der Amerikaner, ihrer Anhänger und Helfershelfer, den Verrätern und Heuchlern, erfolgen.
Wir haben sofort angefangen, den Plan in die Tat umzusetzen. Aus diesem Grund war es nicht mehr möglich, dass al-Qaida weiterhin öffentlich präsent blieb wie zuvor und nach den vergangenen Mustern weiterarbeitete. Es war erforderlich, uns in alle Regionen dieser Welt, die wir erreichen konnten, geordnet zurückzuziehen.
Vielleicht fragt manch einer: Ist das die Männlichkeit oder sind das die Prinzipien und Werte, an die Ihr glaubt und die Ihr predigt, zumal der Islam die Flucht vor dem vorrückenden Heer als Hochverrat betrachtet? Die Antwort darauf umfasst mehrere Punkte:
1. Wir sind nicht vor dem Gefecht geflohen und haben unsere Brüder, die Taliban, in der Konfrontation mit den Amerikanern nicht allein gelassen. Unser Plan war, uns auf der ganzen Erde zu verteilen, zu versuchen neue, vielfältige Gefechte mit den Amerikanern zu eröffnen, um ihre Kräfte zu zersplittern und sie der Möglichkeit zu berauben, sich auf eine Region zu konzentrieren.
2. Die Form, die die Führung schließlich für die Konfrontation gewählt hat, stützt sich auf den Guerillakrieg, der raschen Angriff und Rückzug bedeutet. Das erfordert, dass diejenigen, die diesen Krieg führen, aus der Region selbst kommen. Unser Aussehen, unsere Sprache und unser Dialekt als Araber passt nicht zu solchen Aufgaben. Wer die Sprache und die Dialekte des Landes beherrschte, hatte durchaus die Möglichkeit, zu bleiben oder zu gehen und sich anderen Brüdern in anderen Kampfgebieten anzuschließen.
3. Der Auszug der Brüder, ihre Verteilung und Ausbreitung überall gibt uns größere Kraft und materielle und menschliche Ressourcen, die wir im Kampf nutzen können. Vor allem weil der Kampf nicht mehr auf ein begrenztes geographisches Gebiet beschränkt ist, sondern in der ganzen Welt tobt.
4. Wir waren uns bewusst, dass diese Schritte entscheidend sind, damit die Idee weiter bestehen bleibt. Auch waren sie wichtig, um die Amerikaner daran zu hindern, einen Teil ihrer Ziele zu verwirklichen – die Brüder und die Führung zu vernichten.
Das Ergebnis war, dass unsere Verluste gering waren, Gott sei’s gedankt. Die Führung ist noch intakt und arbeitet effektiv vom Territorium Afghanistans aus. Die jungen Männer, die in der Welt verstreut sind, haben neue Kampffelder zwischen sich und den Amerikanern, den vom Glauben Abgefallenen und Heuchlern eröffnet. Der Beweis sind die Ergebnisse, die Abu Mus’ab und seine Brüder im Irak erzielt haben.
Ich war verantwortlich für die sichere Verbringung einiger arabischer Brüder nach Iran und danach ihre Verteilung, so wie wir es für angebracht hielten. Abu Mus’ab und seine Gruppe gehörten zu diesen Brüdern.
Wir begaben uns allmählich nach Iran. Die Brüder aus der arabischen Halbinsel, aus Kuwait und den Emiraten, die außerhalb Afghanistans waren, hatten das Land vor uns erreicht. Sie besaßen reichlich große Geldbeträge. Wir haben einen zentralen Führungszirkel gebildet und daraus verzweigte Kreise und begannen, Wohnungen anzumieten, um die Brüder und ihre Familien unterzubringen.
Die Brüder von der Islamischen Partei des Gulbudin Hekmatyar haben uns in dieser Hinsicht sehr unterstützt. Sie haben Wohnungen und Farmen, die sie besaßen, zur Verfügung gestellt.
Wir haben mit der Arbeit angefangen und den Kontakt zur Führung wiederhergestellt. Erneut begannen wir, sie zu unterstützen und ihr zu helfen. Das war eines unserer Ziele beim Auszug aus Afghanistan. Wir stellten einerseits einige Kampfgruppen auf, um sie nach Afghanistan zu entsenden, wo sie geplante Aktionen durchführen sollten. Andererseits untersuchten wir die Lage der Gruppen und Brüder, um neue (Einsatz-)Orte für sie zu finden.
Bruder Abu Mus’ab und seine jordanischen und palästinensischen Gefährten beschlossen, nach langen Diskussionen und Untersuchungen, in den Irak zu gehen. Sie mit ihrem Aussehen und ihrem Dialekt konnten sich leicht in den Irak eingliedern und integrieren. Unsere Erwartungen und unsere gründliche Analyse des Geschehens zeigten, dass die Amerikaner mit Sicherheit den Fehler begehen werden, früher oder später in den Irak einzumarschieren. Dieser Einmarsch wird den Sturz des Regimes zum Ziel haben. Also ist es unbedingt erforderlich, dass wir beim Widerstand und der Konfrontation eine wichtige Rolle spielen. Das war unsere historische Chance, die es uns ermöglichen würde, den Staat des Islams zu errichten, der den entscheidenden Beitrag bei der Beseitigung des Unrechts und Verwirklichung des Rechts in dieser Welt spielen wird – so Gott will.
Ich stimmte mit Bruder Abu Mus’ab in dieser Analyse überein. Al-Qaida hatte kaum Beziehungen zu Saddam Hussein und seinem Regime gehabt, entgegen dem, was die Amerikaner verbreiteten. Die Amerikaner hatten immer versucht, Saddam und sein Regime mit al-Qaida in Verbindung zu bringen, um sich Ausreden und rechtliche Gründe zu schaffen, nach ihren Gesetzen, die sie dieser versklavten Welt aufgezwungen hatten, dieser Welt, die wie eine Horde Esel dem Westen, den Juden und Angelsachsen folgte. Also war es erforderlich, einen Plan zu entwerfen, die Brüder vom Norden aus, der der Herrschaft Saddam Husseins nicht unterstand, in den Irak einzuschleusen. Von dort aus sollten sie dann nach Süden in die Gebiete unserer sunnitischen Brüder gehen, wo bereits einige unserer Brüder waren. Die Brüder aus der Gruppe „Ansar al-Islam waren bereit, uns zu helfen, damit wir dieses Ziel erreichen.
Die Amerikaner merkten, dass die Iraner vor unseren Aktivitäten dort die Augen verschlossen. Sie begannen mit einer groß angelegten Propagandakampagne gegen Iran und warfen ihm vor, al-Qaida und den internationalen Terrorismus zu unterstützen.
Die Reaktion der Iraner war, die jungen Männer zu verfolgen und festzunehmen. Sie begannen, sie in ihre Ursprungsländer oder sonst wohin abzuschieben, Hauptsache sie verließen Iran.
Die Schritte, die die Iraner unternahmen, haben uns durcheinander gebracht und ließen 75% unserer Pläne scheitern. Eine große Zahl junger Männer wurde verhaftet. 80% aus der Gruppierung Abu Mus’abs wurden festgenommen. Es war erforderlich, einen schnellen Plan für die Ausreise Abu Mus’abs und die mit ihm verbliebenen Brüder zu entwerfen. Die Richtung war der Irak, der Weg die nördliche Grenze zwischen dem Irak und Iran.
Das Ziel war, die sunnitischen Gebiete im Zentralirak zu erreichen. Dort sollten die Vorbereitungen für die Konfrontation mit dem amerikanischen Angriff und dessen Niederlage – so Gott will – beginnen. Die Wahl war nicht zufällig, sonder wohlüberlegt.
Die Persönlichkeit Abu Mus’abs, als er sich von mir verabschiedete, um in den Irak zu gehen, hatte eine neue Dimension gewonnen, die sie vorher nicht besaß. Er war darauf konzentriert, Blutrache an den Amerikanern wegen der Verbrechen, die sie begangen und die er während der Bombardierung Afghanistans mit eigenen Augen gesehen hatte, zu üben. Der Hass und die Feindschaft, die Abu Mus’ab gegen die Amerikaner hegte, hatten der Persönlichkeit Abu Mus’abs neue Facetten hinzugefügt.
Ich kann nicht ausführlich über diese neue Persönlichkeit schreiben, da ich ihn nach dem Verlassen Irans nicht getroffen habe. Ich kann jedoch sagen nach dem, was ich über ihn höre, dass er ein erfahrener Führer geworden ist, durchaus fähig, den Kampf gegen die Kräfte des internationalen Unglaubens, den Amerikanern und den Juden und ihren Anhängern, zu führen und sie – so Gott will – zu besiegen.
Was ich mir von Abu Mus’ab und seinen Gefährten wünsche ist, sie mögen einige der folgenden Ratschläge, die wir in dieser entscheidenden Phase für wichtig erachten, beachten. Wenn er sie befolgt, werden sie großartige Ergebnisse bei der Entscheidung des Kampfes zwischen Recht und Unrecht in dieser Welt zeitigen.
Unsere Ratschläge sind:
1. Jede vollbrachte Tat und jede Anstrengung muss zielgerichtet sein. Wenn das Ziel von Anbeginn klar ist, dann wird der Weg dahin auch klar erkennbar und leicht zu durchqueren sein. Wenn die Zeichen klar sind, dann können wir die Mittel und Möglichkeiten und die Zeit bestimmen, die wir brauchen, um den Weg zum Ziel zu Ende zu gehen.
Ihr sollt wissen, dass das Erreichen eines Ziels vier Faktoren braucht, die jeder, der auf dem Wege der Veränderung mit dem Bestreben schreitet, positive Ergebnisse zu erzielen, nötig hat. Diese Faktoren sind in der Reihenfolge zu beachten:
a) Die Idee: Jedes erfolgreiche Projekt bedarf einer Idee oder Ideen, die seine Grundlagen, Mittel und Ziele bestimmen und verdeutlichen. Diese Frage bedarf keines größeren Ijtihad (Untersuchung, Erforschung). Ihr müsst offen und klar erklären, dass Euer Ziel die Fortsetzung der islamischen Lebensart durch die Errichtung des islamischen Staates ist, der alle Probleme der Umma lösen wird, damit sie erneut stark und gesund wird, um ihre wohltätige Rolle für das Leben der gesamten Menschheit zu spielen. Wir beugen uns hier den Worten Gottes, des Erhabenen, der da sagt: „Ihr wart die beste Umma, die für die Menschen geschaffen wurde. Ihr gebietet das Gute und verbietet das, was verwerflich ist, und glaubt an Gott“. Oder: „Aus Euch soll es eine Umma werden, die zur Wohltat aufruft, das Gute befielht und das Verwerfliche verbietet.“
Diese Wohltätigkeit und diese Funktion kann die Umma nur verwirklichen, wenn sie die notwendigen Instrumente dafür besitzt. In den jetzigen Zeit kann sie weder den Aggressor zurückdrängen noch die Ungerechtigkeit, die in der Welt waltet, aufheben, jene Ungerechtigkeit, die im Raub der Reichtümer, der Besetzung des Landes, der Demütigung der Diener Gottes, der Schändung der unverletzlichen Ehre und der Heimat, verkörpert ist. Das kann nur ein starker Staat erreichen, der in allem auf gleicher Stufe mit dem Aggressor steht, damit er ihn abwehren und ihm seine Grenzen zeigen kann. Die Dinge und Umstände sind, liebe Brüder, für die Ausrufung dieses Staates günstig und bereit. Die Völker unserer unterdrückten Umma sind sich all dessen bewusst, was um sie herum geschieht. Der Unglauben der Regime und Regierungen, die in unserer arabischen und islamischen Welt herrschen, steht allen klar von Augen, kann nicht mehr versteckt werden, weder vor den Großen noch vor den Kleinen. Ihr Unglauben tritt mit deutlichen Merkmalen hervor und besitzt drei Seiten: Die erste Seite ist die, dass sie nicht das Recht Gottes walten lassen; die zweite Seite ist, dass sie den Juden, Nazarenern und Heiden, den historischen Feinden der Umma, folgen. Die dritte Seite wird deutlich in der Feindseligkeit dieser Regime und Herrscher gegenüber dem Islam und den Muslimen. Also sehnen die Massen der Umma den Tag der Erlösung herbei, um diese Regime und Herrscher loszuwerden. Unsere Ideen müssen deutlich erkennbar, ihre Quellen und Ursprünge klar ersichtlich sein. Dazu gehören der gesegnete Koran und die Sunna des Propheten. Der Glaube ist eine wichtige Grundlage dieses Denkens. Wir übernehmen ihn von den aufrechten Altvorderen und gehen mit ihm nach ihren Vorgaben und Methoden um. Es ist der Glaube, der hilft, die Wirklichkeit richtig zu verstehen, ohne Verdunkelung und Ambivalenz. Dieses Verständnis erzeugt ein hoch entwickeltes Denken, das in den Lage ist, sich zu erneuern und mit allen Prüfungen und Ereignissen, die der Umma widerfahren, umzugehen. Ein klares, deutliches, wirkungsmächtiges Denken, das imstande ist, alle gegnerischen Ideen zu widerlegen und sie zu übertreffen. Der Islam hat – Gott sei’s gedankt – eine lange Zeitspanne in seiner Existenz durchmessen, die über 1400 Jahre beträgt. Während dieser Zeit hat er sich in verschiedenen Milieus und unter verschiedenen Bedingungen behauptet. Er hat ein Gedankengebäude produziert, das ihn befähigt, aus jeder Krise und jeder Prüfung heil hervorzugehen. Insofern müssen wir einen Kreis von Weisen und Religionsgelehrten haben, der mit diese Fragen umgehen kann.
b) Der Mensch ist der zweite Faktor, der verfügbar sein muss, um ein Projekt zum Erfolg zu führen. Der Mensch, der unerschütterlich an die Idee glaubt und sich anstrengt, das dadurch bestimmte Ziel zu erreichen. Ausgehend davon brauchen wir einen besonderen Verkündigungsapparat, der in der Lage ist, die Söhne der Umma anzusprechen, sie für das Recht und den Weg der Vernunft zu gewinnen.
So wie wir die militärische, djih
05.10.2005, Ausgabe 40/05
Die deutsche Übersetzung
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