Nachruf II

Jozef Rotblat

Von Tobias Hürter

Jozef Rotblat (1908–2005) - Einmal hat es ihm die Sprache verschlagen, im Oktober 1995, als er zum Laureaten des Friedensnobelpreises ausgerufen wurde. Nach neun Stunden Interviews und Glückwunschtelefonaten versagten dem damals 86-jährigen Physiker die Stimmbänder. Spross einer reichen jüdischen Familie aus Warschau und eingebürgerter Brite, mühte er sich sein Leben lang, ein Ungetüm aus der Welt zu schaffen, das er selbst mit hineingesetzt hatte: die Atombombe. Im Manhattan-Projekt zur Ent-wicklung der amerikanischen Atombombe untersuchte er die Rolle der Gammastrahlung in der nuklearen Kettenreaktion. «Soll ich das wirklich tun?», hatte er sich gefragt und zunächst mit Ja geantwortet. Wenn die Bombe schon gebaut werden würde, dann von den Alliierten.

1944, als die US-Geheimdienste berichteten, dass Hitlers Wissenschaftler keine Atombombe entwickelten, änderte er seine Meinung – und verliess als einziger Wissenschaftler das Manhattan-Projekt aus moralischen Erwägungen. Die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki machten ihn endgültig zum Friedensaktivisten. Gegen die grobschlächtigste Waffe der Menschheitsgeschichte führte er die feinsinnigste ins Feld: die Sprache. Er war Mitautor des berühmten Manifests von Russell/Einstein (1955) und Initiator der Pugwash-Konferenzen zur Friedensforschung, die im Kalten Krieg eine Mittlerrolle zwischen den USA und der Sowjetunion spielten. 1998 wurde er zum Ritter geschlagen – von der Königin der Atommacht Grossbritannien. Sir Jozef Rotblat starb am 31. August in London.

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