Wer es bei den SBB zum Lokomotivführer brachte, trat in die Arbeiteraristokratie ein. Besondere Rituale festigten den Zusammenhalt. Bei jedem Schichtwechsel putzte der Lokführer die Einstiegsleiter zur Führerkabine mit einem Lappen, damit sein Kollege sich bei Arbeitsbeginn nicht gleich die Hände schmutzig machte. Überhaupt: Die Arbeit des Lokführers war eine saubere, fast schon vornehme Sache. In der Genossenschaftssiedlung wohnten Lokführer in den grössten Häusern.
Tempi passati. Bereits heute fahren deutsche Lokführer für bis zu dreissig Prozent weniger Lohn auf dem Schweizer Schienennetz. Und was wohl passieren wird, wenn die Neat erst einmal da ist? Die Angst der Schweizer Lokführer spiegelt sich nicht zuletzt in der widersprüchlichen Haltung zur Personenfreizügigkeit, über die am 25. September abgestimmt wird. Christof Moser hat sich in Erstfeld, dem Hauptbahnhof der Schweizer Eisenbahnergemeinde, umgehört. Siehe Artikel zum Thema «Angst vorm Fliegen»
Wie unterhaltsam Marcel Reich-Ranicki sein kann, beweist er im Fernsehen, wo der Literaturkritiker auch nach Einstellung des «Literarischen Quartetts» noch überaus präsent ist. Anders in der persönlichen Begegnung: Da ist er es, der unterhalten werden will, am liebsten mit Klatsch. Wer das nicht zu bieten habe, müsse zumindest weiblich sein, heisst es, und schöne Beine haben – eine harte Ausgangslage für Kulturredaktor Julian Schütt. Dennoch empfing ihn Reich-Ranicki und taute jedes Mal auf, wenn das Gespräch auf sein Spezialgebiet, die Erotik, kam. Allerdings war er auch da wählerisch. Angesprochen auf einen gemeinsamen TV-Auftritt mit Opernstar Anna Netrebko, reagierte der 85-Jährige fachmännisch kühl: «Ihre Schönheit wirkt auf Bildern mehr als in der Realität.» Siehe Artikel zum Thema «Jede Religion ist die falsche Religion»
Es gibt attraktivere Reiseziele als Turkmenistan. Das Land zwischen Kaspischem Meer und Hindukusch gehört laut Human Rights Watch zu den «repressivsten Ländern der Welt». Wahrzeichen der Hauptstadt Aschgabad ist ein 75 Meter hoher «Turm der Neutralität». Auf dessen Spitze dreht sich eine zwölf Meter grosse, vergoldete Statue des Staatspräsidenten pro Tag einmal um die eigene Achse, immer dem Weg der Sonne folgend. Saparmurad Nijasow, 64 Jahre alt, gelernter Elektrotechniker, liess sich nach dem Verschwinden der Sowjetunion zum Präsidenten wählen. Seither nennt er sich «Turkmenbaschi» (Vater aller Turkmenen) und installierte eine Despotie mit bizarrem Personenkult. Ins hermetisch abgeschlossene Turkmenistan zu gelangen, ist so gut wie unmöglich. Gleichwohl schaffte es Reporter Peter Böhm, auf Umwegen allerdings. Siehe Artikel zum Thema «Der grauste Flecken unter der Sonne»
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