«Danke, dass Sie sich Zeit nehmen und dass es so schnell ging.» – «Ich bin grad auf dem Weg nach Marrakesch.» (Er ist Spezialberater des Uno-Generalsekretärs für Entwicklung und Frieden im Sport – so geht sein Titel wirklich.) «Und Sie schreiben in der Weltwoche so eine...» (Kolumne, Spalte, Rubrik. Ich zeige ihm ein Beispiel, die Ausgabe mit Alain Sutter. «‹Die Frisur›, hm», sagt er.) «Da müssen wir ein spe- zielles Foto machen, hä? Wollen wir rausgehen dafür?» (Er sieht den Wert des Bilds. Viele meinen ja, jedes Wort von ihnen sei wichtig, kümmern sich aber nicht um das Foto. Vielleicht ist er aber auch nur eitel.) «Wer ist der berühmteste Schweizer im Ausland?» – «Wilhelm Tell.» – «Ehrlich? Den kennt doch nie- mand.» – «Wohl, wohl. Oder das Heidi. Sicher der Federer. Auch Alinghi... Es kommt drauf an, in welchen Kreisen.» – «Früher soll es Jean Ziegler gewesen sein.» – «Der wird auch erwähnt.» – «Aber wahrscheinlich haben Sie ihn überholt – so viel, wie Sie reisen.» – «Das spielt nicht die Rolle, das Reisen, sondern die Art, wie man sich gibt: Glaubt er an das, was er macht? Wenn ich an einem Ort bin, das darf ich sagen, gibt’s Standing Ovations – jetzt war ich grad an der Universität von Atlanta.»
Er trinkt Verveinetee in «Jack’s Brasserie» im «Schweizerhof» in Bern. Dort gibt es Schilder mit eingeritzten Namen an den Rückenlehnen. «Gibt es ein Schild mit ihrem Namen?» – «Ich hab noch nie geguckt, aber ich glaub, ich hab keines.» (Das kann ich nicht glauben, er liess bestimmt nachsehen.) «Weshalb nicht?» – «Weiss auch nicht.» – «Haben Sie nicht hier verkehrt, als Sie noch Politiker waren?» – «Ich bin viel hier gewesen.» – «Da müssen Sie drauf hinweisen beim Chef.» – «Nein, muss ich nicht.» – «Sogar Frau Metzler hat eines.» (Das tut weh, nicht?) «Ah ja?» (Frau Metzler hab ich, nebenbei, auch mal um ein Gespräch gebeten – auch kein A-Listen-Name, ich weiss, aber diese Seite kommt fünfzigmal raus im Jahr. Danach Chris von Rohr, doch nicht mal der wollte. Er schrieb: «Hey Druide Huisseling, Du kommst zu früh. Also ran an den Dalai Lama.» Da hab ich aber nur eine Einladung gekriegt zur Pressekonferenz, weil die Frau von der Medienkoordination meine Artikel liest, stand in der Absage. Ich hätt ihn sonst ins «Haute» eingeladen.)
«Machen Sie wirklich jeden Tag Kopfstand?» – «Ja, jeden Morgen.» – «Um den Tag mental vorzubereiten?» – «Nein, um den vorigen Tag zu rekapitulieren.» – «Aber das ist Vergangenheit, daran kann man nichts mehr ändern.» – «Nein, aber es geht darum, dass das Gedächtnistraining ist. Ich tue Menschen rekapitulieren. Morgen werden Sie vorkommen. Man sagt, ich hab ein gutes Gedächtnis.» – «Okay, wie heiss ich?» – «Ähm, der Vorname ist, ähm, Mark, oder? Von Heissling, oder?» – «Schwieriger Name, ja?» – «Nein, aber ich weiss das morgen am Morgen.» Gutes Impromptu, das geb ich ihm. (Meine Karte war auf dem Tisch.)
Eigentlich möcht ich nicht, dass er schlecht wegkommt – ich mag, wie er voller Tatendrang ist. Und eitle Leute sind oft gute Interviewpartner. (Deshalb würd ich gern mit Arthur Cohn reden, on the record.) Nur irgendwie macht er es einem schwer, weil er sich so ernst nimmt. Aber ein guter Namedropper ist er – eine Fähigkeit, die ich anerkenne. (Ich bin auch ziemlich gut, aber sein Marschtempo schaff ich nie. Bis hierher – Sprechzeit vierzehn Minuten – erzählte er von Kofi Annan, Bill Clinton, Wladimir Putin, Gerhard Schröder oder Daniel Vasella, die privat seien mit ihm. Das kann nur Michel Comte, der Fotograf.)
«Sie seien empfindlich, wenn etwas über Sie in der Zeitung steht, das Sie nicht mögen.» – «Wenn man ungerecht ist einem gegenüber, Unwahrheit zelebriert, dann bin ich empfindlich. Dann ist es, wie wenn man in einer wüsten Wunde mit einem Zahnstocher rumstochert.» (Wie die boshaften Anmerkungen in den Klammern in meinen Texten, sagte Jürg Marquard meinem ehemaligen Chef einmal.) «Sie haben mal einen Journalisten gefragt nach einem harten Artikel: ‹Heit dir mi nüme gärn?›» – «Wenn ich das gesagt hab, dann ist das ein Fehltritt gewesen.» – «Nein, das ist doch entwaffnend.» – «Ja, ja.» («Heit dir mi nüme gärn, Herr Cohn, Herr Marquard?»
«Was können Frauen besser als Männer?» – «Sie sind, äh, sensibler. Haben ein besseres Beurteilungsvermögen, vor allem in sensiblen Bereichen.» – «Was haben Sie von Frauen gelernt?» – «Auf sie zu hören.» – «Von welchen Frauen?» – «Von meiner Frau.»
Adolf Ogis Lieblingsrestaurants:
«Löwen», Bernstrasse 9, 3312 Fraubrunnen, Telefon 031 767 72 19 (Zürcher Geschnetzeltes bestellen.)
«Suisse et Majestic», Avenue des Alpes 45, Montreux, Telefon 021 966 33 33 (seine Tochter arbeitet dort; Entrec0te bestellen.)













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