An einem heissen Tag jagte ich mich aufs Bockshorn. Just die mit dem Namen, den ich Wochen zuvor auf einer Karte zufällig entdeckt hatte, verbundene Redensart hatte mich zu der Wanderung inspiriert. Allerdings erfuhr ich in der Folge aus einem etymologischen Wörterbuch, dass der 1252 Meter hohe Entlebucher Hügel nichts zu tun hat mit der Wendung «sich nicht ins Bockshorn jagen lassen». Eher rührt diese vom «Haberfeldtreiben» her, einer früher in bayrischen Dörfern praktizierten Femeabrechnung: Der Übeltäter, oft ein Reicher, der seine Macht missbraucht hat, wird nachts überfallen, in ein Ziegenfell gesteckt, verspottet und verprügelt. «Bockshorn» wäre das verballhornte bockes hamo gleich «Bockshemd».
Lust aufs konkrete Bockshorn hatte ich weiter. Und also startete ich eines schönen Sonntagmorgens beim Bahnhof Escholzmatt. Dort wartete ein älterer Herr auf einen Menschen, mit dem ein Gespräch zu führen wäre. Er begrüsste mich freundlich, begleitete mich durch den Ort, zeigte mir die Bäckerei, verriet mir, dass ich, wenn ich «übere Bock» laufen wolle, den Wegweisern Richtung «Turner» folgen müsse und dass er gern mitkäme, doch leider gesundheitlich nicht dazu in der Lage sei; im Übrigen spendeten die Brunnen rund um den Napf ein wunderbares Trinkwasser.
Danach war ich allein. Und musste mich schon bald an einer Gabelung zwischen zwei – laut meiner Karte – gleichwertigen Wegen entscheiden. Ich nahm den rechten, lief gut zwei Stunden viel durch Wald, fand speziell das Pfadstück auf einem Grat reizvoll und traf endlich auf dem Bockshorn ein. Vor dem weissen Gipfelkreuz mit den zwei Querbalken stehend, erblickte ich die Innerschweizer, die Berner, die Freiburger Alpen in ihrer Pracht; ich atmete Weite.
Der Abstieg nach Trubschachen verlief zum Grossteil auf einem Teersträsschen. Immerhin traf ich bei Altgfääl auf den charmanten Selbstbedienungskiosk «Himugüegli», ungefähr so gross wie ein Kaninchenstall und von der Bauernfamilie liebevoll gefüllt mit Keksen, Schokolade, Glace, Mineral und Bier; auch einen Kafi Träsch hätte man mixen und sich auf einem der Gartenstühle zuführen können. Als ich am Bahnhof Trubschachen eintraf, war ich bester Laune. Auf dieses Bockshorn muss man keinen jagen, der schon oben war. Er wird freiwillig wieder hinaufgehen.
Höhendifferenz: 400 Meter auf-, 500 Meter abwärts.
Karte: Wanderkarte als PDF













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