Zu Fuss (4 Stunden)

Dreigänger

Von Thomas Widmer

Seit zehn Minuten bin ich also unterwegs auf dem Kulinariktrail von Flims/Laax. Ich freue mich. Denn der Pro-spekt verheisst mir, ich würde gut essen, auf kleinem Raum viele Naturspektakel sehen und speziell die «Kraft des Wassers» erfahren. Und tatsächlich – kaum von der Hauptstrasse nach Salums abgebogen, erblicke ich eine imposante Autowaschanlage.

Zuvor habe ich mich im Tourismusbüro Laax für den Trail «Wald&Wasser» entschieden (die Alternative war «Berg&Sicht»). Für 39 Franken kriege ich eine Wanderkarte, auf der drei Beizen markiert sind, und drei Essbons (Vorspeise, Hauptgang, Dessert, wobei ich jeweils zwischen zwei Gerichten wählen kann). Danach laufe ich los und ärgere mich dreissig Minuten nur: über den Hartbelag, geschmacksverbrecherische Chalets, Autos, deren Fahrer auf dem Rückweg vom Gipfelikauf im Dorf unziemliche Hast an den Tag legen. Erst im «Panorama» in Salums hellt meine Laune auf: Das Bündnerfleischcarpaccio mit Parmesan und Trüffelöl ist göttlich.

Und aufgestanden und weiter, hinab nach Tuora, hinauf nach Conn. Der Pfad am Rand der Rheinschlucht verdient das Prospekt-Adjektiv «eindrücklich»: Tief unten mäandert der grosse, alte Fluss in einer Würde, die ein Dutzend lächerliche Adventurekanus nicht gefährden können. Schliesslich endet die schöne Etappe im Restaurant «Conn» schön. Die goldgelben, in Butter schwimmenden Trinser Ravioli, lecker gefüllt mit Dörrbirnenpüree, sind ein Genuss. Umso mehr, als mir meine Protestantenseele nach dem strengen Aufstieg kulant zugeflüstert hat: Du hast geleistet, Widmer, nun sollst du geniessen.

Danach laufe ich lange über schüttere Forststrässchen, auf denen lautlos von hinten anrollende Kamikazebiker nerven. Und der Badesee von Cresta, laut Werbung «idyllisch», entpuppt sich als Opfer des Lärms der nahen Durchgangsstrasse, wo soll da Romantik sein? Über einer lauwarmen Crêpe mit geriebenen Nüssen, auch sie köstlich, formuliere ich im Restaurant «Crestasee» mein Fazit: Die Wege waren zu zwei Dritteln öd, die Natur zur Hälfte enttäuschend domestiziert, das Essen und die Bedienung aber zu hundert Prozent toll. Der Kulinariktrail ist als Ganzes nicht mehr als die Summe seiner Teile.

Kulinariktrail: Startzeit zirka 10 Uhr. Ruhetag Dienstag bzw. Montag («Berg&Sicht»). Die Getränke kosten separat. Mehr Informationen: Telefon 081 920 92 00.
Retour: ab «Felsbach/Crestasee» Bus nach Chur.
Höhendifferenz: 200 Meter ab- und aufwärts.
Download: Wanderkarte als PDF

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