Zur Person

Iggy Pop

Wild im Herzen

Von Albert Kuhn

James Newell Osterberg wurde am 21. April 1947 geboren und wuchs als Einzelkind in der Universitätsstadt Ann Arbor, Michigan, auf, nahe Detroit. Der Vater, ein Lehrer und Ex-Militär, erzog seinen Sohn wie einen Soldaten. Man wohnte in einem Trailer-Park, Iggy (sein Spitzname) war der einzige Smart Boy unter lauter White-Trash-Kids. Im vornehmen College war er wiederum der Einzige, dem nichts erlaubt war: eine explosive Topdog/Underdog-Konstellation. Iggy begann Drums zu spielen, ging genau ein Semester an die Uni, schmiss die Karriere, gründete eine Band nach der andern und schliesslich 1967 The Psychedelic Stooges, die sich ab 1969 Iggy and The Stooges nannten.

«The Three Stooges» war der Name einer US-Komikserie. Die Band The Stooges waren die Brüder Ron und Scott Asheton an Gitarre und Schlagzeug sowie Dave Alexander am Bass. Sie probten im Keller der Ashetons, und was nach aussen drang, nahm niemand wirklich ernst.

Das war nicht Rock ’n’ Roll, nicht Beat, nicht Jazz, das war vulgärer als alles Bekannte. 1969 erschien das erste Album und mit «No Fun» der erste Punk-Hit, Jahre vor Punk.

1974 trennten sich Iggy und die Stooges. Das Musikbusiness ignorierte Iggy Pop weitgehend, er blieb underground – nicht zuletzt, weil er ganz einfach als Tier galt. Immerhin kriegte er Filmrollen («Tank Girl», «Dead Man», «The Crow II» und «Coffee and Cigarettes»).

Iggy Pop ist eine Ikone wie Elvis und James Brown. Seit ein paar Jahren nimmt seine Gefolgschaft sprunghaft zu – vor allem weil er seit 2003 wieder mit seiner alten Band spielt. Mitte Juni 2005, vor ihrem aufwühlenden Konzert im süditalienischen Lecce, erzählten Ur-Stooges Ron und Scott von früher: «Jim war der Strebertyp im Kaschmirpullover, er hätte auch Politiker werden können. Wir hörten zusammen John Coltrane, Lou Reed und Howlin’ Wolf. Und Iggy fand langsam Freude an primitiver Musik. Erst spielte er den Affen ironisch und aus Spass, dann warf er sich immer heftiger in die Musik rein.»

Iggy Pop macht seit vierzig Jahren dieselbe radikale und reduzierte Rockmusik, und man muss sich damit anfreunden, dass er und seine Stooges der Zeit nicht hinterher, sondern auf unerklärliche Art voraus sind. Es ist nicht nur die Musik.

Hier ist ein King of Rock, der nicht King sein will, der sich vom Erfolg nie hat verspeisen lassen. Verdammte 58 Jahre alt und schmeisst sich immer noch der Musik und seinem Publikum vor die Füsse.

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